Der Goldpreis steht unter Druck. Heute rutschte das Edelmetall zeitweise unter die psychologisch wichtige Marke von 5.000 Dollar je Unze – ein Niveau, das Anleger seit Wochen genau beobachten. Es ist bereits der vierte Handelstag in Folge mit Verlusten.

Was steckt dahinter? Die Antwort liegt weniger in einem einzelnen Ereignis als in einem ungünstigen Zusammenspiel mehrerer Kräfte gleichzeitig.

Zinsdruck trifft auf schwächeres Wachstum

Im Mittelpunkt steht die US-Notenbank Fed, die heute ihre zweitägige Sitzung beginnt. Angesichts eines hartnäckig hohen Inflationsdrucks – der Kern-PCE-Index stieg zuletzt mit 3,1 Prozent im Jahresvergleich – rechnen viele Marktteilnehmer mit einem klar restriktiven Signal aus Washington. Ein stärkerer Dollar und steigende Anleiherenditen in diesem Umfeld machen Gold weniger attraktiv, da das Edelmetall keine laufenden Erträge abwirft.

Erschwerend kommt hinzu: Das wirtschaftliche Bild trübt sich ein. Das annualisierte BIP-Wachstum lag im vierten Quartal 2025 mit 0,7 Prozent deutlich unter der Erwartung von 1,4 Prozent. Das Konsumklima der Universität Michigan fiel auf 55,5 Punkte. Schwaches Wachstum bei gleichzeitig hoher Inflation – diese Kombination lähmt Anleger und lässt Gold zwischen zwei Stühlen stehen.

Ölpreisrückgang als Auslöser – aber nicht als Entwarnung

Heute kam ein weiterer Belastungsfaktor hinzu, der paradoxerweise kurzfristig für Entlastung sorgte: Der WTI-Ölpreis fiel um gut 4 Prozent auf rund 94,50 Dollar je Barrel – ausgelöst durch Gewinnmitnahmen nach den jüngsten Kursanstiegen. Das ließ US-Aktien wieder aufatmen und verringerte die unmittelbare Flucht in sichere Häfen.

Der Golfkonflikt selbst bleibt jedoch ohne Lösung. Teheran hat Verhandlungen erneut abgelehnt, während die USA weiterhin an einer Koalition zur Sicherung der Straße von Hormus arbeiten – bislang ohne positive Rückmeldungen der angesprochenen Länder. Arabische Staaten beginnen angesichts blockierter Exportwege, ihre Förderung zurückzufahren. Die strukturellen Risiken, die Gold eigentlich stützen sollten, bleiben damit vollständig intakt.

Kurzfristiger Gegenwind, langfristiges Fundament

Liquidierungen durch Trader – teils erzwungen durch Margin Calls – haben den Abwärtsdruck in den vergangenen Tagen verstärkt. Comex-Gold für die April-Lieferung verlor heute rund 61 Dollar auf 5.000,60 Dollar je Unze, Silber gab knapp 0,9 Prozent nach.

Das langfristige Bild sieht dennoch anders aus. Geopolitische Unsicherheit, schwächelndes Wachstum und strukturell erhöhte Inflation sind Faktoren, die dem Edelmetall auf mittlere Sicht Auftrieb geben könnten. Was fehlt, ist der kurzfristige Katalysator – und der könnte ausgerechnet von der Fed-Sitzung kommen. Fällt der Ton aus Washington weniger aggressiv aus als befürchtet, dürfte die Marke von 5.000 Dollar schnell wieder Unterstützung finden.