Höhere Ölpreise haben die Erholung am Goldmarkt heute früh gebremst. Reuters zufolge schürten sie erneut Inflationssorgen und die Erwartung länger hoher US-Zinsen. Damit rückt der für heute angekündigte US-Arbeitsmarktbericht in den Mittelpunkt: Er könnte die Erwartungen an den weiteren Kurs der US-Notenbank verändern und Gold neue Impulse geben.

Noch gestern hatte das Edelmetall von einem schwächeren US-Dollar und niedrigeren Renditen amerikanischer Staatsanleihen profitiert. Zuvor gesunkene Ölpreise hatten die Inflationssorgen gedämpft. Der jüngste Richtungswechsel zeigt, wie stark die kurzfristige Goldentwicklung derzeit an Energiepreise und Zinserwartungen gebunden ist.

Gestern schloss Gold bei 4.088,36 USD je Feinunze und damit nach einem Tagesplus von 0,7%. Der von Reuters gemeldete Rückgang heute früh folgte somit unmittelbar auf einen freundlichen Handelstag.

Arbeitsmarktdaten als nächster Prüfstein

Für die weitere Richtung zählt vor allem, ob die Beschäftigungsdaten den Erwartungen an länger hohe US-Zinsen neue Nahrung geben. Reuters nennt den Oktober-Arbeitsmarktbericht als möglichen Impuls für die Einschätzung des künftigen Fed-Kurses. Die Veröffentlichung ist für heute um 13:30 GMT angekündigt.

Ein schwächerer Bericht könnte Zinserhöhungserwartungen dämpfen und damit Gold stützen. Stärkeres Lohnwachstum könnte dagegen zusätzlichen Gegenwind auslösen, sofern es die Inflationssorgen verstärkt. Für Anleger kommt es deshalb neben dem Beschäftigungsaufbau auch auf die Lohnentwicklung an.

Die gestrige Entlastung durch Dollar und Anleiherenditen steht damit erneut auf dem Prüfstand. Bereits gestern blieb Reuters zufolge eine mögliche Zinserhöhung der Fed im Dezember ein Thema.

Goldman Sachs reduziert die Prognose

Goldman Sachs senkte gestern laut Reuters seine Goldpreisprognose für Ende 2026 auf 4.150 US-Dollar je Unze. Zuvor hatte die Bank 4.650 US-Dollar erwartet.

Als Grund nannte Goldman Sachs die restriktivere Haltung der Fed. Die Korrektur passt damit zum zentralen Belastungsfaktor des heutigen Handels: Gold erhält Gegenwind, solange die Aussicht auf länger hohe Zinsen die Erwartungen prägt.

Auch Capital Economics verwies gestern auf begrenzten Spielraum für weitere Gewinne. Das Haus begründete seine Einschätzung mit der weiterhin restriktiven Fed-Haltung und einer möglichen Schwäche bei Technologiewerten.

Zentralbankkäufe bilden ein Gegengewicht

Auf der Nachfrageseite stehen den Zinsrisiken kräftige Käufe offizieller Institutionen gegenüber. Der World Gold Council meldete am Dienstag für das dritte Quartal 2026 Nettokäufe der Zentralbanken und anderer offizieller Institutionen von 321 Tonnen. Physisch besicherte Gold-ETFs verzeichneten zugleich Zuflüsse von 211 Tonnen.

Dieses Nachfragebild fiel allerdings uneinheitlich aus: Während offizielle Käufer und ETFs Gold aufnahmen, ging die Nachfrage nach Schmuck sowie Barren und Münzen zurück. Damit treffen stützende institutionelle Käufe auf eine schwächere physische Nachfrage privater Käufer.

Kurzfristig entscheidet nun vor allem der Arbeitsmarktbericht darüber, ob die Zinsbelastung nachlässt. Gold dürfte Unterstützung erhalten, sofern schwächere Daten die Erwartungen an weitere Zinserhöhungen dämpfen; stärkeres Lohnwachstum könnte den heutigen Gegenwind dagegen verstärken.