Indiens Importzölle treffen den physischen Goldmarkt zur Unzeit. Händler gewähren Käufern Nachlässe von bis zu 87 US-Dollar je Feinunze — ein deutliches Zeichen, wie stark die Nachfrage eingebrochen ist. Der internationale Goldpreis hält sich dennoch stabil.

Zollerhöhung trifft schwächelnde Nachfrage

Die indische Regierung hat die Importabgaben auf Gold von 6 auf 15 Prozent angehoben. Das Ziel: das wachsende Handelsdefizit begrenzen. Denn Indien importiert einen Großteil seines Rohöls — und hohe Ölpreise haben die Dollar-Abflüsse zuletzt massiv erhöht. Gold als zweitgrößtes Importgut geriet ins Visier der Regulierung.

Die Folge: Der physische Handel lahmt. Juweliere berichten von sinkenden Kundenfrequenzen, nachdem die Hochzeitssaison — traditionell der stärkste Nachfragetreiber — ausläuft. Indische Gold-ETFs verzeichneten im Mai erstmals seit über einem Jahr Nettoabflüsse. Anleger nahmen Gewinne mit.

Auch in China, dem weltgrößten Goldkonsumenten, entspannt sich die Lage. Die Preisaufschläge gegenüber dem Weltmarkt gingen zuletzt zurück.

Geopolitik und Fed stützen den Preis

Trotzdem notiert Gold aktuell bei rund 4.365 US-Dollar je Feinunze — ein Plus von knapp 0,8 Prozent gegenüber dem Vortag. Das US-Iran-Friedensabkommen vom Wochenende hat die Märkte verschoben. Ölpreise brachen ein, der US-Dollar schwächte sich ab. Beides stützt Gold.

Analysten der Barclays Bank werten die jüngste Konsolidierung als gesunde Marktbereinigung. Ihr Kursziel für 2026 liegt bei 4.791 US-Dollar je Feinunze.

Das Bild im Rückspiegel zeigt allerdings, wie weit Gold von seinen Hochs entfernt ist: Vom 52-Wochen-Hoch bei 5.626,80 US-Dollar trennen den Preis noch rund 22 Prozent.

Fed-Sitzung als nächster Prüfstein

Den nächsten Impuls erwartet der Markt von der US-Notenbank. Inflationsrisiken und die Diversifizierung von Währungsreserven durch Zentralbanken bilden ein robustes Fundament. Kurzfristig aber bleibt Indiens restriktive Importpolitik ein Hemmnis — solange die physische Nachfrage auf dem aktuellen Preisniveau keine neue Basis findet. Das Fed-Statement wird zeigen, ob die Zinserwartungen weiter sinken und Gold damit neuen Rückenwind bekommt.