Krisen gelten eigentlich als perfekte Umgebung für Gold. Aktuell erleben Anleger das genaue Gegenteil. Das Edelmetall nähert sich gefährlich der psychologisch wichtigen Marke von 4.000 US-Dollar. Seit dem Rekordhoch im Januar verlor der Kurs über 28 Prozent an Wert.
Der aktuelle Preis liegt bei 4.021 US-Dollar. Allein auf Monatssicht verbucht Gold ein Minus von rund elf Prozent. Der Abstand zum 52-Wochen-Tief schmilzt auf knappe drei Prozent zusammen. Kein Wunder. Die Nervosität im Markt steigt spürbar.
Dollar-Stärke drückt den Kurs
Hauptverantwortlich für den Absturz ist der starke US-Dollar. Der Dollar-Index kletterte kürzlich auf ein 13-Monats-Hoch. Marktteilnehmer reagieren damit auf restriktive Signale der US-Notenbank Fed. Investoren preisen eine weitere Zinserhöhung im September mittlerweile mit über 70 Prozent ein.
Höhere Zinsen belasten das unverzinste Edelmetall traditionell schwer. Anleger fordern dann eine höhere Rendite für alternative Anlagen. Zusätzlichen Verkaufsdruck erzeugen die anstehenden US-Inflationsdaten. Diese Zahlen gelten als entscheidender Maßstab für die künftige Geldpolitik.
Großbanken streichen Kursziele
Führende Finanzinstitute reagieren prompt auf die Talfahrt. Die ING senkte ihre Prognose für das vierte Quartal deutlich auf 4.600 US-Dollar. Zuvor rechnete die Bank noch mit 5.000 US-Dollar. Als Gründe nennt das Institut eine schwächelnde ETF-Nachfrage und steigende Anleiherenditen.
Auch andere Häuser ziehen nach. Goldman Sachs kappte das Jahresendziel auf 4.900 US-Dollar. Die Deutsche Bank sieht das Edelmetall im Schlussquartal nun bei 4.800 US-Dollar. Zuvor hielten die Frankfurter sogar weitaus höhere Kurse für möglich.
Strukturelle Käufer verhindern bisher einen kompletten Absturz. Zentralbanken treten weiterhin als verlässliche Abnehmer auf. Allein im ersten Quartal erwarben die Währungshüter rund 244 Tonnen Gold. Dieser stetige Bedarf stützt den Markt.
Technisches Bild verdüstert sich
Auf dem Chart braut sich Unheil zusammen. Die 50-Tage-Linie fällt rasch in Richtung des 200-Tage-Durchschnitts. Analysten warnen vor einem nahenden Todeskreuz. Ein Bruch der Marke von 4.000 US-Dollar löst laut Marktexperten sehr wahrscheinlich weitere Verkäufe aus.
Geopolitische Spannungen wie der Rücktritt des britischen Premierministers Keir Starmer helfen dem Kurs derzeit nicht. Die Korrelation zum starken Dollar überwiegt klar. Fällt der Goldpreis unter die aktuelle Unterstützung, rückt das nächste Kursziel in den Fokus. Dieses liegt im Bereich von 3.800 bis 3.900 US-Dollar.
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