Der Goldpreis kämpft sich zurück. Nach einem Achtmonatstief hat das Edelmetall die Marke von 4.100 US-Dollar je Feinunze zurückerobert. Am Donnerstag schloss Gold bei 4.131,20 US-Dollar, ein Plus von 0,67 Prozent binnen einer Woche.
Auf Monatssicht bleibt der Trend schwach. Der Kurs verlor 7,42 Prozent in 30 Tagen und liegt seit Jahresbeginn 4,85 Prozent im Minus. Zum Rekordhoch von 5.626,80 Dollar aus dem Januar fehlt noch gut ein Viertel des Werts. Zum Tief von Ende Oktober bei 3.901,30 Dollar sind es dagegen nur noch 5,89 Prozent.
Warsh-Kommentare stützen den Kurs
Ein wichtiger Auslöser für die Erholung: Aussagen von Fed-Chef Kevin Warsh. Er sagte diese Woche, die Inflationserwartungen würden sich abschwächen. Zugleich bekräftigte er das Bekenntnis der Notenbank zur Preisstabilität.
Diese Aussage nahm dem Markt einen Teil der Sorge vor weiteren Zinsstraffungen. Das wirkte stützend auf den Goldpreis.
Parallel dazu hellte sich das Bild an den Ölmärkten auf. Fortschritte bei den US-Iran-Gesprächen ließen den kommerziellen Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus sich weiter erholen. Eine Entspannung an dieser strategisch wichtigen Route dämpft tendenziell Energiepreise und damit Inflationserwartungen. Paradoxerweise kommt genau das dem Gold zugute, weil es die Zinserwartungen der Fed drückt.
Zinserwartungen sinken, Dollar schwächelt
Die Markterwartungen für eine geldpolitische Straffung haben sich binnen weniger Tage merklich verschoben. Schwache Arbeitsmarktdaten senkten die Erwartungen an eine Zinserhöhung im September deutlich. Laut CME FedWatch-Tool fiel die Wahrscheinlichkeit auf knapp 51 Prozent, vor dem Arbeitsmarktbericht lag sie noch bei 66 Prozent.
Diese veränderte Zinserwartung schlägt sich direkt auf den Dollar nieder. Die US-Währung gab gegenüber einem Währungskorb um 0,7 Prozent nach. Ein schwächerer Dollar macht Gold für Anleger mit anderen Währungen günstiger und steigert so die Nachfrage.
Schwacher Arbeitsmarkt als Auslöser
Der Arbeitsmarktbericht selbst zeigte deutliche Schwächesignale. Die US-Wirtschaft schuf im Juni lediglich 57.000 neue Stellen, deutlich unter der Prognose von 110.000 und die wenigsten seit vier Monaten. Der Freizeit- und Gastgewerbesektor baute trotz eines WM-bedingten Tourismusschubs 61.000 Stellen ab.
Die Arbeitslosenquote fiel überraschend auf 4,2 Prozent, weil viele Arbeitnehmer den Arbeitsmarkt verließen. Das Lohnwachstum legte im Jahresvergleich auf 3,5 Prozent zu. Bereits ein Bericht vom Mittwoch hatte gezeigt: Auch das Beschäftigungswachstum im privaten Sektor blieb schwächer als erwartet.
Geopolitisches Restrisiko bleibt bestehen
Trotz der positiven Signale aus den US-Iran-Verhandlungen ist die Lage an wichtigen Handelsrouten nicht vollständig entspannt. Die jüngsten Gespräche haben die Schifffahrtsrouten der Region eher von akuter Blockadegefahr in einen Zustand dauerhafter, aber geringerer Gefährdung verschoben. Widersprüchliche Signale beider Seiten sorgen weiter für Vorsicht an den Märkten.
Einordnung
Gold bewegt sich damit im Spannungsfeld zwischen sinkenden Zinserwartungen, einem schwächeren Dollar und fortbestehenden geopolitischen Risiken. Der RSI von 42,6 signalisiert dabei weder Überkauft- noch Überverkauft-Zustand. Mit einer annualisierten Volatilität von 27,2 Prozent bleiben scharfe Ausschläge in beide Richtungen wahrscheinlich.
Der Kurs notiert derzeit 6,65 Prozent unter seinem 50-Tage-Durchschnitt von 4.425,61 Dollar. Erst ein Rückeroberung dieser Marke dürfte die kurzfristige Schwächephase technisch beenden. Bis dahin bleibt der nächste US-Arbeitsmarktbericht der wichtigste Termin für die Zinserwartungen und damit für den Goldpreis.
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