Gold notiert am Donnerstag bei 4.313,43 US-Dollar je Feinunze und legt damit um 1,2 Prozent zu. Die Erholung nach der Fed-Zinserhöhung vom Mittwoch überlagert derzeit ein strukturelles Thema, das dem Markt seit Monaten Rückhalt gibt: Notenbanken kaufen so kräftig Gold wie lange nicht mehr.

Zentralbanken kaufen im großen Stil

Im zweiten Quartal 2026 erwarben Notenbanken weltweit 288,9 Tonnen Gold – ein Plus von 62,4 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal, wie der World Gold Council mitteilte. Polen war mit 51 Tonnen der größte Einzelkäufer.

Im August legte die chinesische Notenbank mit 20,2 Tonnen den größten monatlichen Zukauf seit Oktober 2023 hin und erhöhte damit ihre Goldreserven den 22. Monat in Folge. Der Wert dieser Reserven erreichte 350,1 Milliarden US-Dollar.

Über das Gesamtjahr 2026 gesehen führt Polen mit 90 Tonnen die Rangliste der Käuferländer an, gefolgt von China mit 80 Tonnen. Allerdings fällt das Gesamtvolumen seit Jahresbeginn mit rund 130 Tonnen niedriger aus als die etwa 160 Tonnen im Vorjahreszeitraum.

Eine im Juni veröffentlichte Bloomberg-Umfrage unter 74 Zentralbanken zeigt dennoch, wohin die Reise geht: 45 Prozent der Institute planen auf Jahressicht weitere Goldkäufe – der höchste Anteil seit 2018.

ETFs verzeichnen kräftige Zuflüsse

Auch bei börsengehandelten Fonds fließt Kapital in großem Stil in das Edelmetall. Im August summierten sich die Zuflüsse in Europa auf 7,9 Milliarden US-Dollar und in Asien auf 2 Milliarden US-Dollar.

Seit Jahresbeginn wuchsen die globalen ETF-Bestände netto um 160 Tonnen auf ein Rekordhoch von 4.189 Tonnen. Diese breite Nachfrage aus institutioneller wie privater Seite trifft auf ein Angebot, das strukturell begrenzt bleibt.

Während Ghana, Kanada, Australien und Chile ihre Produktion zweistellig ausweiteten, verzeichneten Argentinien, Indonesien, Mexiko und Mali teils deutliche Rückgänge. Seit 2020 wurden laut S&P Global lediglich fünf größere Goldfunde mit zusammen 17 Millionen Unzen identifiziert – ein Hinweis darauf, dass neue große Lagerstätten selten geworden sind.

Nachfrage insgesamt stabil, Kurs unter Druck der Geldpolitik

Die weltweite Goldnachfrage inklusive Over-the-Counter-Geschäften lag im zweiten Quartal bei 1.268,9 Tonnen, praktisch auf Vorjahresniveau und ein Prozent über dem ersten Quartal. Die klassische Nachfrage nach Barren und Münzen ging leicht auf 307,1 Tonnen zurück, was der World Gold Council als Rückkehr zu normaleren Handelsvolumina wertet, nachdem die Vorjahre von Sondereffekten geprägt waren.

Kurzfristig bleibt der Kurs jedoch stärker von der Geldpolitik als von der langfristigen Angebots-Nachfrage-Bilanz getrieben. Nach der ersten Zinserhöhung der US-Notenbank seit drei Jahren am Mittwoch setzte die aktuelle Erholung ein.

Mit einem Abstand von 4,2 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 4.500,42 US-Dollar bleibt der mittelfristige Trend angeschlagen, während der Kurs den 50-Tage-Durchschnitt von 4.296,11 US-Dollar knapp überschreitet. Die strukturelle Nachfrage der Notenbanken dürfte den Preis mittelfristig stützen, kurzfristig bleibt die Zinspolitik der Fed der entscheidende Taktgeber.