Sinkende Ölpreise verschaffen Gold heute Entlastung. Reuters zufolge dämpfen sie die Inflationssorgen, die das Edelmetall zuletzt belastet hatten. Damit kehrt sich ein wichtiger Belastungsfaktor vorerst um. Eine dauerhafte Trendwende ist daraus allerdings nicht abzuleiten: Am Terminmarkt haben spekulative Anleger ihre Wetten auf steigende Goldpreise zuletzt zurückgenommen.

Der Spotpreis steigt heute um 0,6% auf 4.019,59 USD je Feinunze. Der Zuwachs passt zur nachlassenden Belastung durch den Ölmarkt, beseitigt aber nicht die Sorgen über eine restriktivere US-Geldpolitik.

Der Ölmarkt wirkt in beide Richtungen

Noch am Mittwoch hatte Reuters den vierten aufeinanderfolgenden Rückgang des Goldpreises mit höheren Ölpreisen und verstärkten Inflationssorgen erklärt. Zusätzlich belasteten ein stabilisierter US-Dollar und die Erwartung einer strafferen Geldpolitik der US-Notenbank. Die Ölverteuerung stand dabei im Zusammenhang mit eskalierenden Spannungen im Nahen Osten.

Die heutige Entlastung folgt derselben Wirkungskette mit umgekehrtem Vorzeichen. Günstigeres Öl nimmt den Inflationsbefürchtungen etwas Schärfe. Reuters zufolge könnte die Neupositionierung der Marktteilnehmer vor der Notenbanksitzung den Auftrieb beim Gold allerdings begrenzen.

Hinzu kam zuletzt Verkaufsdruck aus einem anderen Marktsegment. Medienberichten zufolge verkauften Anleger am Donnerstag Gold, um Nachschussforderungen nach einer technologiegetriebenen Aktienliquidation zu bedienen. Gold geriet damit nicht nur wegen der Zinsaussichten unter Druck, sondern auch durch den kurzfristigen Liquiditätsbedarf von Investoren.

Spekulative Anleger reduzieren ihre Wetten

Die Positionierung am Terminmarkt unterstreicht die vorsichtige Haltung. Nach CFTC-Daten sank die Netto-Longposition der nicht-kommerziellen Händler in der Woche zum 20. Oktober um 8.014 auf 199.865 Kontrakte.

Damit überwogen zwar weiterhin die auf steigende Preise ausgerichteten Positionen. Ihr Rückgang zeigt aber, dass diese Anlegergruppe ihr Engagement zuletzt reduzierte. Die heutige Entlastung durch niedrigere Ölpreise trifft somit auf einen Markt, in dem spekulative Investoren zuvor vorsichtiger geworden waren.

Auch die am Freitag veröffentlichte Analystenumfrage zeichnete kein einheitliches Erholungsbild. Medienberichten zufolge erwarteten 41 % der Befragten für diese Woche weitere Verluste. 24 % rechneten mit steigenden Preisen, während 35 % eine Seitwärtsbewegung oder keine klare Richtung sahen. Die Erhebung bildet kurzfristige Stimmung ab und ist keine Bankprognose.

Gesenkte Prognosen begrenzen den Optimismus

Wie stark sich die Erwartungen verschoben haben, zeigt die Prognosesenkung von CIBC Capital Markets am Mittwoch. Die Analysten Anita Soni und Cosmos Chiu reduzierten ihre Erwartung für das Schlussquartal 2026 auf 4.500 US-Dollar je Feinunze statt zuvor 6.500 US-Dollar.

Medienberichten zufolge begründeten sie die vorsichtigere Einschätzung unter anderem mit hohen Energiepreisen, einer restriktiveren Fed-Politik, höheren Realzinsen und einem stärkeren US-Dollar. Ein Rückgang der Ölpreise entschärft damit einen Belastungsfaktor, nicht automatisch das gesamte Umfeld.

Die nächsten Prüfsteine sind die Fed-Sitzung am 27.–28. Oktober 2026 und die US-PCE-Inflationsdaten am 29. Oktober 2026. Für eine belastbarere Erholung müsste die Entspannung beim Öl auch die Inflations- und Zinssorgen nachhaltig mindern. Der heutige Anstieg allein liefert dafür noch keinen Beleg.