Zwei Tage nach der Zinserhöhung der Federal Reserve zeigt sich der Goldmarkt widerstandsfähiger, als es das Lehrbuch vermuten ließe. Eigentlich müssten höhere Zinsen dem zinslosen Edelmetall zusetzen. Stattdessen klettert Gold am Freitag wieder in Richtung seiner jüngsten Hochs — und der Grund liegt überraschenderweise nicht am Anleihemarkt, sondern am Ölmarkt.

Der Preis für Comex-Gold zur Lieferung im Oktober legte um 22,20 Dollar auf 4.387,70 Dollar je Feinunze zu, ein Plus von rund 0,5 Prozent. Silber zog sogar deutlich stärker an und sprang um 1,66 Prozent auf 66,65 Dollar je Feinunze. Rückenwind kam von sinkenden Rohölpreisen: WTI-Öl fiel um über ein Prozent auf rund 100,76 Dollar je Barrel, nachdem Anleger auf eine Deeskalation im Nahost-Konflikt setzen.

Nahost-Diplomatie bewegt die Ölpreise

Hintergrund ist ein für Dienstag angekündigtes Treffen zwischen US-Präsident Donald Trump und den Staatschefs von sechs Golfstaaten in New York, bei dem die nächste Phase im Konflikt mit dem Iran besprochen werden soll. Die Hoffnung auf Gespräche drückte zuletzt die Ölpreise — was wiederum den Inflationsdruck dämpft und Gold als Absicherung attraktiver macht.

Trump selbst sorgte allerdings für Verunsicherung, als er von einer „großen Entscheidung“ zum Iran sprach und eine mögliche Eskalation nicht ausschloss. Die Houthi-Angriffe auf eine wichtige saudische Pipeline in der vergangenen Woche sowie ein Vorfall mit einem Tanker in der Straße von Hormuz zeigen, wie fragil die Lage bleibt.

Fed bremst, Dollar und Renditen drücken

Die Fed hatte am Mittwoch die erste Zinserhöhung seit 2023 vollzogen und den Leitzins um 25 Basispunkte auf eine Spanne von 3,75 bis 4,00 Prozent angehoben. Fed-Chef Kevin Warsh äußerte sich hawkish und verwies auf anhaltend hohe Inflation, getrieben von den hohen Energiekosten.

Der daraus resultierende feste Dollar und die Rendite zehnjähriger US-Anleihen, die sich der Marke von 5 Prozent nähert, begrenzen das Aufwärtspotenzial von Gold spürbar. Der Zinsschritt selbst war am Markt allerdings bereits eingepreist, weshalb die Reaktion moderater ausfiel als bei einer echten Überraschung.

Charttechnisch bleibt XAU/USD unterhalb des mittleren Bollinger-Bands bei 4.422 Dollar, Momentum-Indikatoren deuten eher auf eine Konsolidierungsphase hin als auf einen klaren Trend.

Die kommende Woche dürfte die Richtung vorgeben: Das Treffen zwischen Trump und den Golfstaaten am Dienstag sowie weitere Aussagen von Fed-Vertretern zur Wahrscheinlichkeit einer erneuten Zinserhöhung im Oktober werden entscheiden, ob Gold die 4.400-Dollar-Marke nachhaltig zurückerobern kann.