Höhere Ölpreise und hartnäckige US-Inflation haben Gold gestern belastet. Die Tagesveränderung betrug -3,6%. Laut Reuters verstärkten überraschend starke US-Wirtschaftsdaten und die beschleunigte Teuerung die Erwartungen einer möglichen Zinserhöhung im Dezember. Damit geriet das unverzinste Edelmetall unter Druck: Höhere Zinsen schwächen seine Attraktivität.

Energiepreise verschärfen den Inflationsdruck

Reuters zufolge trieben auch Versorgungsrisiken nach einem Angriff auf einen Tanker in der Straße von Hormus die Ölpreise nach oben. Für Gold erwies sich damit vor allem die Wirkung höherer Energiepreise auf Inflation und Zinserwartungen als Belastung.

Hinzu kamen stärker als erwartet ausgefallene Daten zum US-Bruttoinlandsprodukt. Zusammen mit der beschleunigten PCE-Inflation verstärkten sie nach dem Reuters-Bericht die Sorge, dass die US-Notenbank die Zinsen im Dezember anheben könnte. Eine solche Entscheidung ist damit nicht bestätigt.

Der PCE-Preisindex stieg im September gegenüber dem Vormonat um 0,5 %. Im Vergleich zum Vorjahresmonat betrug der Anstieg 3,6 %, wie das U.S. Bureau of Economic Analysis mitteilte.

Der Inflationsdruck beschränkte sich dabei nicht auf die schwankungsanfälligen Bereiche Nahrungsmittel und Energie. Auch ohne diese Komponenten legten die Preise zu. Das unterstreicht die Bedeutung der Inflationsdaten für die weitere Zinsdebatte.

Bei dieser Kernrate meldete die Behörde einen monatlichen Anstieg von 0,3 % und eine Jahresteuerung von 3,1 %. Die Fed hatte am Mittwoch die Leitzinsen unverändert gelassen und zugleich erklärt, die Inflation bleibe erhöht.

Nachfrage stützt, Zinsumfeld belastet

Die jüngste Reuters-Umfrage unter Analysten und Händlern vom Dienstag spiegelte bereits vorsichtigere Erwartungen wider. Der Median der Goldpreisprognosen für 2026 sank auf 4.495 US-Dollar je Feinunze. Drei Monate zuvor hatte er bei 4.509 US-Dollar gelegen.

Als Belastungen nannte Reuters hohe US-Staatsanleiherenditen, einen starken Dollar und die Erwartung länger hoher Zinsen. Zentralbankkäufe und physische Nachfrage galten dagegen als Stützen. Die Prognosen zeichnen damit kein ausschließlich negatives Bild, zeigen aber den Gegenwind durch das Zinsumfeld.

Ein Gegengewicht liefern die am Donnerstag gemeldeten chinesischen Importzahlen. Chinas Netto-Goldimporte über Hongkong stiegen im September gegenüber August um mehr als 28 % auf den höchsten Stand seit fünf Monaten.

Die stärkere physische Nachfrage verhinderte den jüngsten Rückgang jedoch nicht. Für Anleger steht damit der Gegensatz zwischen Nachfrageunterstützung und Zinsbelastung im Mittelpunkt: Gestern überwogen die Inflationssorgen und die damit verbundenen Erwartungen an die Fed.