Gold notiert nach dem jüngsten Rekordlauf weiterhin auf hohem Niveau. Der Schlusskurs vom Freitag lag bei 4.661,60 US-Dollar, ein Plus von 1,9 Prozent zum Vortag und 5,2 Prozent auf Wochensicht. Während die Marktbewegung selbst bereits ausführlich eingeordnet wurde, rückt nun ein strukturelles Thema in den Vordergrund: die anhaltenden Käufe der Notenbanken, die dem Goldpreis auch nach der jüngsten Rally ein Fundament geben.
Polen baut Position massiv aus
Die polnische Zentralbank hat ihre Goldreserven in den ersten fünf Monaten des laufenden Jahres um 63,6 Tonnen auf insgesamt 613,85 Tonnen erhöht. Damit überholte Polen die Bestände der Niederlande und der Türkei und zählt nun zu den größten offiziellen Goldhaltern Europas.
Der Schritt reiht sich in einen Trend ein, bei dem mehrere mittel- und osteuropäische Notenbanken ihre Devisenreserven diversifizieren, um sich gegen geopolitische Risiken und Währungsschwankungen abzusichern.
Gegenläufig bewegte sich Russland: Die russische Zentralbank war im zweiten Quartal mit einem Volumen von 22 Tonnen der weltweit größte Nettoverkäufer von Gold unter den Notenbanken. Das zeigt, dass die offizielle Nachfrage kein Einbahnstraßenphänomen ist, sondern von Land zu Land unterschiedlich motiviert bleibt.
Auf globaler Ebene bestätigt der World Gold Council in seinem Bericht „Gold Demand Trends“ für das zweite Quartal eine stabile Gesamtnachfrage von 1.269 Tonnen inklusive OTC-Geschäften. Während die Schmucknachfrage auf ein Pandemie-Tief von 278 Tonnen fiel, erholten sich die Zentralbankkäufe auf 289 Tonnen.
Die Verschiebung von privater Konsumnachfrage hin zu offiziellen Reserven unterstreicht, dass Gold zunehmend als geopolitisches Absicherungsinstrument denn als Schmuckrohstoff nachgefragt wird.
Produzenten profitieren von hohen Preisen
Die anhaltend hohen Notierungen schlagen sich auch in den Bilanzen der Minenkonzerne nieder. Newmont erwirtschaftete im zweiten Quartal einen Rekord-Free-Cashflow von 2,2 Milliarden US-Dollar bei einer zurechenbaren Produktion von 1,3 Millionen Unzen Gold.
Der australische Produzent Alkane Resources meldete für das abgelaufene Geschäftsjahr einen Sprung des Nettogewinns um 592 Prozent auf 228,7 Millionen australische Dollar, getragen von einer um 140 Prozent gesteigerten Goldäquivalent-Produktion.
Auch auf der Angebotsseite tut sich etwas: In Mali stieg die industrielle Goldproduktion im ersten Halbjahr um 30 Prozent auf 23,5 Tonnen, maßgeblich getrieben durch den beschleunigten Wiederhochlauf des Minenkomplexes Loulo-Gounkoto unter Barrick Mining. Steigende Fördermengen bei gleichzeitig hohen Preisen verschaffen den Produzenten derzeit ungewöhnlich hohe Margen.
Was das für Anleger bedeutet
Der Kurs bewegt sich mit einem RSI von 70,5 in überkauftem Terrain und liegt gut 11 Prozent über dem 50-Tage-Durchschnitt von 4.200,22 US-Dollar. Die strukturelle Nachfrage der Zentralbanken relativiert dieses kurzfristige Risiko jedoch: Käufe wie jene Polens sind selten kurzfristig motiviert, sondern Teil langfristiger Reservestrategien.
Sollte sich der Trend zur Diversifizierung fortsetzen, dürfte er dem Goldpreis auch nach etwaigen Konsolidierungsphasen eine stabile Nachfragebasis erhalten.
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