Die Notenbanken der Welt greifen weiter massiv nach Gold – und setzen damit ein Gegengewicht zu den Zinssorgen, die den Preis zuletzt belastet haben. China kaufte im August mit 20,2 Tonnen so viel Gold wie seit Oktober 2023 nicht mehr, wie Medienberichten zufolge bekannt wurde.

Polen legte im gleichen Monat rund 8 Tonnen zu und führt damit die weltweite Rangliste der offiziellen Goldkäufe 2026 mit 90 Tonnen an, dicht gefolgt von China mit 80 Tonnen.

Der Trend ist kein Ausreißer einzelner Monate. Bereits im zweiten Quartal 2026 kauften Zentralbanken laut dem World Gold Council netto 288,9 Tonnen Gold – ein Anstieg von 62 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum und ein Rekordwert.

Parallel dazu wuchsen die globalen Bestände der Gold-ETFs seit Jahresbeginn um netto 160 Tonnen auf ein Rekordhoch von 4.189 Tonnen. Institutionelle wie private Investoren bauen ihre physischen Positionen also gleichzeitig aus.

Käufer gegen Zinssorgen

Diese strukturelle Nachfrage trifft auf ein Marktumfeld, das kurzfristig eher gegen Gold spricht. Nach dem Angriff auf Schiffe im Persischen Golf am vergangenen Donnerstag legte der Preis zunächst zu, seither steht ein Plus von 0,7 Prozent zu Buche.

Seit ein Fed-Gouverneur vor gut einer Woche unveränderte Zinsen signalisierte, hat der Goldpreis dagegen 1,8 Prozent verloren – ein Zeichen dafür, wie stark geldpolitische Erwartungen derzeit auf den Markt wirken.

Die Zentralbankkäufe zeigen jedoch, dass viele Reserveverwalter über solche kurzfristigen Schwankungen hinwegblicken. Für sie ist Gold vor allem ein Instrument zur Diversifikation weg vom US-Dollar – eine Strategie, die sich unabhängig von der jeweiligen Zinsentscheidung der Fed verfolgen lässt.

Dass ausgerechnet Polen und China, zwei Länder mit unterschiedlichen geopolitischen Interessen, gemeinsam die Käuferliste anführen, unterstreicht diesen Charakter als übergreifenden Trend und nicht als Reaktion einzelner Akteure auf Tagesnachrichten.

Konjunkturdaten als Belastungsfaktor

Zuletzt drückten auch handfeste Konjunkturdaten auf die Stimmung. Stärker als erwartet ausgefallene US-Produzentenpreise – plus 0,4 Prozent im August, plus 5,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr – ließen Marktteilnehmer die Wahrscheinlichkeit einer Fed-Zinserhöhung am 16. September auf über 70 Prozent steigen. Höhere Zinsen verteuern das Halten von Gold, das selbst keine Zinsen abwirft, und belasten damit tendenziell den Preis.

Am Freitag schloss Gold bei 4.348,89 US-Dollar je Feinunze, ein Plus von 0,7 Prozent zum Vortag. Der Kurs bewegt sich damit in einer Zone, in der sich kurzfristiger Gegenwind durch Zinserwartungen und langfristige Unterstützung durch offizielle Käufer die Waage halten.

Für Anleger bleibt entscheidend, ob die Fed-Entscheidung am kommenden Mittwoch die kurzfristige Richtung bestimmt – während die strukturelle Nachfrage der Zentralbanken im Hintergrund weiterläuft.