Geopolitische Spannungen drücken den Goldpreis, doch Zentralbanken kaufen unbeirrt weiter. Zwei Kräfte ziehen in entgegengesetzte Richtungen. Die kommende Woche könnte zeigen, welche sich durchsetzt.
Der Goldpreis schloss die Handelswoche bei 4.127,60 US-Dollar je Feinunze, ein Minus von 0,12 Prozent zum Vortag und 1,43 Prozent auf Wochensicht.
Seit Jahresbeginn liegt das Edelmetall 4,93 Prozent im Minus und damit 26,64 Prozent unter dem Rekordhoch von 5.626,80 Dollar aus dem Januar.
Auslöser für den Wochenverlust waren neue Spannungen zwischen den USA und dem Iran. Die Rohölpreise sprangen daraufhin um mehr als 7 Prozent nach oben. Das schürte Inflationsängste und stärkte die Erwartung einer strafferen Fed-Politik.
Zum Wochenschluss mehrten sich dann Anzeichen einer Entspannung. Der US-Dollar legte zu. Gold geriet dadurch zusätzlich unter Druck.
Zentralbankkäufe stützen den Markt
Trotz des kurzfristigen Verkaufsdrucks bleibt eine Stütze bestehen: die Nachfrage der Zentralbanken. Polens Zentralbank bestätigte am 9. Juli den Kauf von 82 Tonnen Gold in diesem Jahr.
Sie nutzte dabei gezielt Kursrückgänge zum Einstieg. Aktuell hält die Bank 632,4 Tonnen und peilt langfristig 700 Tonnen an.
Auch global bauen Notenbanken ihre Reserven aus. Im Mai kauften sie laut World Gold Council netto 41 Tonnen. Solche Käufe dienen der Absicherung gegen geopolitische Risiken. Dazu wollen viele Notenbanken ihre Abhängigkeit vom Dollar verringern.
Fed-Auftritt und Inflationsdaten im Blick
Die kommende Woche dreht sich um zwei Termine: neue US-Inflationsdaten und die Kongress-Anhörung von Fed-Chef Kevin Warsh am 14. und 15. Juli. Die Marktteilnehmer preisen eine Zinserhöhung im September inzwischen mit 63 Prozent Wahrscheinlichkeit ein. Vor einer Woche lag der Wert noch bei 54 Prozent.
Höhere Zinsen schmälern die Attraktivität von Gold. Das Edelmetall wirft schließlich keine Zinsen ab.
Analysten uneins über die Richtung
Die Einschätzungen zur kurzfristigen Richtung gehen weit auseinander:
- HSBC senkte am 10. Juli die Preisprognosen für 2026 und 2027. Begründung: eine restriktivere Fed und ein stärkerer Dollar.
- Bernstein hob das Kursziel für 2026 auf 4.533 US-Dollar an, gestützt auf anhaltende Notenbank-Nachfrage und eine wohl mildere Zinspolitik.
- Metals Focus erwartet eine Konsolidierung im Sommer, gefolgt von einer möglichen Rallye in der zweiten Jahreshälfte.
- World Gold Council sieht den fairen Wert bei rund 4.100 US-Dollar, mit einer Schwankungsbreite von plus/minus 5 Prozent für das zweite Halbjahr.
Die Kongress-Anhörungen am 14. und 15. Juli dürften den Ton für die Zinsdebatte setzen. Fallen die Inflationsdaten in derselben Woche heißer aus als erwartet, dürfte der Druck auf Gold zunächst anhalten.
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