Gold-Prognosen explodieren: JP Morgan ruft 4.500 Dollar aus

JP Morgan hebt seine langfristige Goldpreisprognose deutlich an. Das Edelmetall profitiert von geopolitischen Spannungen, Handelskonflikten und einer Verschiebung der globalen Währungsreserven.

Gold-Prognosen explodieren: JP Morgan ruft 4.500 Dollar aus
Kurz & knapp:
  • Langfristprognose um 15 Prozent erhöht
  • Paradigmenwechsel bei Währungsreserven als Treiber
  • Breiter Analystenkonsens für steigende Kurse
  • Geopolitik und Handelskonflikte als Katalysatoren

Die Goldpreis-Rallye scheint kein Ende zu nehmen – und jetzt legen die Experten nach. JP Morgan erhöht seine langfristige Prognose für das Edelmetall um satte 15 Prozent auf 4.500 Dollar je Unze. Die Begründung? Eine fundamentale Verschiebung im globalen Währungssystem, gepaart mit geopolitischen Spannungen und einer Flucht aus dem Dollar. Während sich die Aufmerksamkeit auf die heutigen Nvidia-Zahlen richtet und die Märkte nervös auf die Ergebnisse des KI-Giganten warten, vollzieht sich im Hintergrund eine tektonische Verschiebung in der Finanzwelt.

Paradigmenwechsel bei Währungsreserven treibt Gold

Die New Yorker Investmentbank begründet ihre optimistische Einschätzung mit strukturellen Veränderungen im internationalen Finanzsystem. Zentral seien dabei verstärkte Goldkäufe durch Notenbanken, öffentliche Ankündigungen zum Abbau von US-Staatsanleihen sowie die Verlagerung von Währungsreserven weg vom Dollar hin zum chinesischen Renminbi. JP Morgan hat deshalb die Gewichtung für einen „Paradigmenwechsel bei Reservewährungen“ und eine „signifikante Diversifizierung durch Investoren“ in ihren Modellen deutlich erhöht.

Die Bank belässt ihre Jahresendeprognose für 2026 bei 6.300 Dollar – ein Niveau, das noch vor wenigen Jahren utopisch erschienen wäre. Doch der Goldpreis hat bereits in diesem Jahr um etwa 20 Prozent zugelegt und erreichte am Dienstag ein Drei-Wochen-Hoch von 5.248,89 Dollar je Unze. Das Allzeithoch vom 29. Januar bei 5.594,82 Dollar rückt damit wieder in Reichweite. Allein 2025 hatte das gelbe Metall um mehr als 64 Prozent zugelegt – eine Performance, die selbst Tech-Aktien blass aussehen lässt.

Breiter Analystenkonsens: Der Aufwärtstrend ist intakt

JP Morgan steht mit seiner bullishen Einschätzung nicht allein. Macquarie Group hat Anfang Februar ihre durchschnittliche Prognose für das erste Quartal 2026 auf 4.590 Dollar angehoben und erwartet für das Gesamtjahr einen Durchschnittspreis von 4.323 Dollar. Wells Fargo Investment Institute rechnet bis Jahresende mit 6.100 bis 6.300 Dollar, UBS setzt für März, Juni und September ein Ziel von 6.200 Dollar an.

Goldman Sachs prognostiziert 5.400 Dollar bis Dezember 2026, während Morgan Stanley im bullishen Szenario sogar 5.700 Dollar für die zweite Jahreshälfte für möglich hält. Selbst konservativere Stimmen wie HSBC erwarten zum Jahresende 4.450 Dollar. Der Konsens ist eindeutig: Gold bleibt der sichere Hafen in unsicheren Zeiten.

Geopolitik und Handelskriege als Katalysatoren

Die makroökonomischen Rahmenbedingungen spielen dem Edelmetall in die Karten. Nach einem Rücksetzer am Dienstag – Gewinnmitnahmen nach vier Gewinntagen in Folge – kletterte der Spotpreis am Mittwoch wieder um 0,9 Prozent auf 5.190,21 Dollar. Die Unsicherheit rund um die US-Handelspolitik wirkt als Brandbeschleuniger. Präsident Donald Trump hat temporäre globale Importzölle von 10 Prozent eingeführt, nachdem der Oberste Gerichtshof seine weitreichenden „reziproken“ Zölle gekippt hatte. Die Administration arbeitet bereits daran, den Satz formell auf 15 Prozent zu erhöhen.

Parallel dazu steigen die geopolitischen Spannungen. Die USA und Iran treffen sich am Donnerstag in Genf zur dritten Verhandlungsrunde über das Atomprogramm Teherans. Trump positionierte Streitkräfte im Nahen Osten und ließ in seiner State-of-the-Union-Rede am Dienstag durchblicken: „Meine Präferenz ist es, dieses Problem diplomatisch zu lösen. Aber eines ist sicher: Ich werde es dem weltweiten Terrorsponsor Nummer eins niemals erlauben, eine Atomwaffe zu besitzen.“ Solche Drohkulissen lassen Anleger reflexartig zu Gold greifen.

Wirtschaftliche Unsicherheit in Europa und Asien

Während Gold glänzt, verdüstern sich die Aussichten in wichtigen Wirtschaftsregionen. In Deutschland verschlechterte sich die Verbraucherstimmung im März unerwartet auf minus 24,7 Punkte, nachdem Analysten mit einer Verbesserung gerechnet hatten. Die Kaufbereitschaft sank deutlich von minus 4,0 auf minus 9,3 Punkte. „Geopolitische Spannungen, aber auch Herausforderungen in der Sozialpolitik dürften die Unsicherheit und damit auch die Sparbereitschaft hoch halten“, erklärte Rolf Buerkl vom Nürnberg Institut für Marktentscheidungen.

Auch Thailands Zentralbank reagierte auf die unsichere Lage: Sie senkte den Leitzins überraschend um 25 Basispunkte auf 1,0 Prozent – die sechste Zinssenkung seit Oktober 2024. Die Notenbank verwies auf Wachstum unterhalb des Potenzials, die Stärke des Baht sowie die Unsicherheit durch US-Zölle als Begründung. Solche geldpolitischen Lockerungen schwächen typischerweise Währungen und machen Gold als Wertaufbewahrungsmittel attraktiver.

Nvidia im Rampenlicht: KI-Boom oder Seifenblase?

Während Gold von Unsicherheit profitiert, steht die Tech-Welt heute Abend vor einem Lackmustest. Nvidia veröffentlicht nach US-Börsenschluss seine Quartalszahlen – ein Ereignis, das weit über den Chipkonzern hinaus Bedeutung hat. „Es sind nicht nur Nvidia-Investoren, die vor den Zahlen nervös sein werden; der gesamte globale Aktienmarkt dürfte angespannt sein, angesichts der Bedeutung des KI-Handels“, warnte Laurence Booth von CMC Markets.

Analysten erwarten einen Gewinnanstieg um 62 Prozent im Quartal bis Ende Januar und ein Umsatzplus von 68 Prozent. Die Prognose für das erste Quartal liegt bei einem Umsatzsprung von 64 Prozent auf 72 Milliarden Dollar. Nvidia hat die Erwartungen in 13 aufeinanderfolgenden Quartalen übertroffen – doch diesmal muss der Beat mindestens 2 Milliarden Dollar betragen, um die Märkte zu beeindrucken. Optionen implizieren eine Kursbewegung von plus/minus 4,8 Prozent, was bei einer Marktkapitalisierung von 4,7 Billionen Dollar einem Wertschwung von 226 Milliarden Dollar entspricht.

Die Sorgen um KI sind vielschichtig. Meta kündigte gerade einen 100-Milliarden-Dollar-Deal mit AMD an, bei dem der Instagram-Mutterkonzern 6 Gigawatt KI-Rechenleistung kauft und möglicherweise 10 Prozent an AMD erwirbt. Solche kreisförmigen Deals, bei denen Tech-Giganten massiv in KI-Infrastruktur investieren und sich gegenseitig finanzieren, wecken Skepsis: Wann zahlen sich diese Ausgaben aus? Und wer profitiert wirklich?

Politische Reibungen in Japan und den USA

In Japan mahnt der frühere Notenbankchef Haruhiko Kuroda weitere Zinserhöhungen und eine straffere Fiskalpolitik an. Die Wirtschaft sei bereits in „großartiger Verfassung“, sagte Kuroda in einem Interview. Er kritisierte Premierministerin Sanae Takaichis expansive Ausgabenpläne, die eine Aussetzung der Lebensmittel-Mehrwertsteuer um zwei Jahre vorsehen. „Geld auszugeben, um den Schlag steigender Lebenshaltungskosten abzufedern, wäre kontraproduktiv, da dies die Inflation anheizen würde“, warnte der Architekt der „Abenomics“.

In den USA hingegen kämpft Trump mit sinkenden Zustimmungswerten. In seiner State-of-the-Union-Rede am Dienstag beschwor er zwar das „goldene Zeitalter Amerikas“, doch Umfragen zeigen: Nur 36 Prozent der Amerikaner billigen sein wirtschaftliches Handeln. Die Demokraten, angeführt von Virginias Gouverneurin Abigail Spanberger, attackierten ihn scharf wegen hoher Preise und einer aggressiven Einwanderungspolitik, bei der sogar US-Bürger versehentlich festgenommen wurden. Die Midterm-Wahlen im November könnten zum Referendum über Trumps Wirtschaftspolitik werden – und damit für weitere Unsicherheit sorgen, die wiederum Gold in die Hände spielt.

Das Edelmetall profitiert von einem toxischen Mix aus Handelskriegen, geopolitischen Spannungen, schwächelnden Volkswirtschaften und einem schwindenden Vertrauen in den Dollar als alleinige Weltleitwährung. JP Morgans neue Prognose ist mehr als nur eine Zahl – sie ist ein Signal dafür, dass sich die Finanzwelt neu ordnet.

Über Felix Baarz 1869 Artikel
Mit über fünfzehn Jahren Erfahrung als Wirtschaftsjournalist hat sich Felix Baarz als Experte für internationale Finanzmärkte etabliert. Seine Leidenschaft gilt den Mechanismen globaler Finanzmärkte und komplexen wirtschaftspolitischen Zusammenhängen, die er für seine Leserschaft verständlich aufbereitet.In Köln geboren und aufgewachsen, entdeckte er früh sein Interesse für Wirtschaftsthemen und internationale Entwicklungen. Nach seinem Studium startete er als Wirtschaftsredakteur bei einer renommierten deutschen Fachpublikation, bevor ihn sein Weg ins Ausland führte.Ein prägendes Kapitel seiner Karriere waren die sechs Jahre in New York, wo er direkten Einblick in die globale Finanzwelt erhielt. Die Berichterstattung von der Wall Street und über weltweite wirtschaftspolitische Entscheidungen schärfte seinen Blick für globale Zusammenhänge.Heute ist Felix Baarz als freier Journalist für führende Wirtschafts- und Finanzmedien im deutschsprachigen Raum tätig. Seine Arbeit zeichnet sich durch fundierte Recherchen und präzise Analysen aus. Er möchte nicht nur Fakten präsentieren, sondern auch deren Bedeutung erklären und seinen Lesern Orientierung bieten – sei es zu wirtschaftlichen Trends, politischen Entscheidungen oder langfristigen Veränderungen in der Finanzwelt.Zusätzlich moderiert er Diskussionen und nimmt an Expertenrunden teil, um sein Wissen einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Dabei liegt sein Fokus darauf, komplexe Themen informativ und inspirierend zu vermitteln. Felix Baarz versteht seine journalistische Aufgabe darin, in einer sich schnell wandelnden Welt einen klaren Blick auf wirtschaftliche Zusammenhänge zu ermöglichen und seine Leser bei fundierten Entscheidungen zu unterstützen – beruflich wie privat.