Ende März hatte Marktbeobachter Bernecker die 4.000-Dollar-Marke als Kursziel für Gold ausgegeben. Das Niveau ist inzwischen erreicht und überschritten. Die Frage, die sich jetzt stellt: Ist das der Start einer echten Erholung oder nur eine Verschnaufpause vor dem nächsten Rücksetzer?
Am Montagvormittag notierte Gold bei 4.150,79 Dollar je Feinunze, ein Minus von 0,60 Prozent. Damit bewegt sich der Preis knapp unterhalb der viel beachteten Widerstandszone zwischen 4.180 und 4.235 Dollar — jener Bereich, in dem die 50- und 61,8-Prozent-Fibonacci-Retracements liegen. In der vergangenen Woche hatte das Edelmetall noch deutlich zugelegt, begünstigt von schwächer als erwarteten US-Arbeitsmarktdaten. Das Beschäftigungswachstum im Juni verlangsamte sich merklich, zudem wurden die Zahlen der beiden Vormonate nach unten revidiert.
Bullen stoßen an die Fibonacci-Wand
Die Marktreaktion war eindeutig: Die Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung der Fed im September sank laut CME-FedWatch-Tool von über 60 auf rund 55 Prozent. Weniger Zinsfantasie bedeutet in der Regel Rückenwind für das zinslose Edelmetall. Technisch zeigt sich das Bild gespalten: Kurzfristige Indikatoren wie gleitende Durchschnitte sprechen für die Käufer, doch der 200-Perioden-Durchschnitt bei 4.327,60 Dollar liegt noch immer deutlich über dem aktuellen Kurs — ein Hinweis darauf, dass der übergeordnete Trend nach wie vor angeschlagen ist. Fällt der Preis unter die Unterstützungszone bei 4.080 bis 4.127 Dollar, dürfte die kurzfristige Erholung schnell wieder infrage stehen.
Parallel dazu sorgen geopolitische Spannungen rund um die Straße von Hormus für zusätzliche Nachfrage nach dem US-Dollar als sicherem Hafen. Das bremst Gold tendenziell, wird aber durch die nachlassenden Zinserhöhungserwartungen der Fed weitgehend ausgeglichen. Die Kombination aus beiden Kräften erklärt, warum sich der Goldpreis trotz Dollar-Stärke bislang stabil hält, ohne dass den Bären eine überzeugende Abwärtsbewegung gelingt.
Notenbanken als entscheidender Faktor
Bernecker sieht die Auffanglinie für eine Stabilisierung zwischen 3.850 und 4.100 Dollar. Entscheidend sei, wie sich die Notenbanken künftig verhalten — sie waren zuletzt die verlässlichsten Käufer am Markt, während der breite Goldrausch des vergangenen Jahres spürbar abgeflaut ist. Lässt die Nachfrage der Zentralbanken erkennbar nach, rechnet Bernecker mit einem zweiten Boden bei rund 3.400 bis 3.500 Dollar — jenem Niveau, das die Ausgangsbasis des vergangenen Sommers markierte.
Klarheit dürfte laut Bernecker in den kommenden vier bis sechs Wochen entstehen, wenn neue Zahlen des World Gold Council zur Nachfrageentwicklung vorliegen. Bis dahin bleibt die Zone zwischen 4.080 und 4.235 Dollar der Bereich, an dem sich entscheidet, ob die jüngste Rally Bestand hat oder ob Gold zunächst weiter konsolidiert.
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