Fast 25 Prozent unter seinem Januarhoch – Gold hat eine harte Korrektur hinter sich. Aktuell notiert das Edelmetall bei 4.223 US-Dollar je Feinunze, gut sechs Prozent tiefer als noch vor einem Monat. Drei Faktoren bremsen den Preis gleichzeitig.

Fed hält Zinsen hoch

An der Spitze steht die US-Geldpolitik. Fed-Chef Kevin Warsh hat klargemacht: Inflationsbekämpfung hat Vorrang. Zinssenkungen rücken damit in weite Ferne.

Das trifft Gold direkt. Hohe Zinsen erhöhen die Opportunitätskosten für das unverzinsliche Metall. US-Staatsanleihen werfen Rendite ab – Gold nicht. Der starke Dollar verstärkt diesen Effekt und hat das Edelmetall in den vergangenen Wochen bereits belastet.

Schmucknachfrage bricht ein

Hinzu kommt ein strukturelles Problem auf der Nachfrageseite. Im ersten Quartal 2026 brach die Goldnachfrage im Schmucksektor um mehr als 23 Prozent ein. Der Grund: Das hohe Preisniveau schreckt private Käufer ab.

Zentralbanken – vor allem aus den BRICS-Staaten – kaufen weiterhin zu. Sie sichern ihre Reserven gegen geopolitische Risiken ab. Kurzfristig können sie den Einbruch im Konsumbereich jedoch nicht ausgleichen.

Charttechnik sendet Warnsignal

Aus technischer Sicht verdichten sich die Warnsignale. Die 50-Tage-Linie und die 200-Tage-Linie nähern sich einem „Death Cross“ – ein als bärisch geltendes Chartmuster. Der RSI liegt bei 39,4 und zeigt damit schwache Dynamik, ohne bereits überverkauft zu sein.

Fällt der Kurs unter 4.100 Dollar, könnte weiterer Verkaufsdruck entstehen. Der Bereich zwischen 4.000 und 4.050 Dollar gilt als nächste Unterstützungszone – und liegt nicht weit entfernt.

Goldman Sachs hat bereits reagiert. Die Bank senkte ihr Jahresendziel für Gold auf 4.900 Dollar je Feinunze. Begründung: ein restriktiverer Fed-Ausblick und schwächere ETF-Nachfrage. Für die Sommermonate warnt Goldman vor erhöhter Volatilität.

Geopolitik liefert weniger Rückhalt

Der vierte Belastungsfaktor kommt aus der Geopolitik – oder vielmehr aus deren Beruhigung. Das Abkommen zwischen den USA und dem Iran entspannte die Lage in der Straße von Hormus. Der Schiffsverkehr läuft wieder. Die Krisennachfrage nach Gold als sicherem Hafen lässt nach.

Langfristig bleibt die geopolitische Unsicherheit hoch. Spannungen in anderen Regionen und die Neuausrichtung des globalen Finanzsystems halten Gold für viele Zentralbanken attraktiv. Kurzfristig aber gibt die Fed den Takt vor – und der klingt für Goldanleger wenig melodisch.