Wenn die Kriegsgefahr steigt, flüchten Anleger normalerweise in Gold. Diesmal reagiert der Markt anders. US-Präsident Donald Trump hat die Waffenruhe mit dem Iran faktisch für beendet erklärt. Das Edelmetall geriet daraufhin hart unter Druck.

Am heutigen Donnerstag erholt sich der Spotpreis leicht. Er notiert aktuell bei rund 4.135 US-Dollar je Feinunze. Das entspricht einem Tagesplus von 1,16 Prozent.

Das ändert allerdings nichts am schwachen Gesamtbild. Seit Januar hat das Edelmetall knapp fünf Prozent eingebüßt. Das bisherige Rekordhoch liegt mittlerweile über 26 Prozent entfernt.

Ölpreis schürt Zinssorgen

Der scheinbare Widerspruch erklärt sich über den Zinskanal. Auslöser der Marktbewegung war ein Angriff auf einen katarischen LNG-Tanker nahe der Straße von Hormus. Die Folge: Öl verteuerte sich rasant.

Teures Öl schürt wiederum Inflationssorgen. Das nährt die Erwartung einer anhaltend restriktiven Geldpolitik der Notenbanken. David Meger von High Ridge Futures sieht genau hier den Grund für den Abverkauf. Risikoanlagen gaben auf breiter Front nach. Das zog auch das zinslose Gold mit nach unten.

Gegenseitige Militärschläge

Die Lage im Nahen Osten spitzt sich rasant zu. Das US-Militär hat Dutzende Ziele im Iran angegriffen. Parallel dazu setzten die Vereinigten Staaten harte Sanktionen auf iranisches Öl wieder in Kraft.

Teheran reagierte umgehend. Iranische Behörden meldeten Vergeltungsschläge gegen US-Militärstandorte in Bahrain und Kuwait. Die zuvor ohnehin brüchige Waffenruhe existiert damit faktisch nicht mehr.

Analysten kappen Kursziele

Große Banken passen ihre Modelle bereits an das veränderte Umfeld an. Die Bank of America kürzte ihre durchschnittliche Goldprognose für das Jahr 2026. Das neue Ziel liegt bei 4.360 US-Dollar. Die Experten begründen den Schritt direkt mit einer strengeren US-Notenbank. Erst wenn der Straffungszyklus endet, halten sie Kurse um 5.000 US-Dollar wieder für machbar.

Die Talfahrt trifft auf ein ohnehin angeschlagenes Asset. Gold verzeichnete im abgelaufenen zweiten Quartal einen massiven Einbruch. Ein Minus von rund 14 Prozent markiert den stärksten Quartalsverlust seit langer Zeit.

Für die kommenden Handelstage bleibt der Kurs extrem abhängig von zwei Faktoren. Einerseits bestimmen die anstehenden US-Makrodaten den Spielraum der Zentralbank. Andererseits lenken neue politische Signale aus dem Nahen Osten den Ölpreis. Beide Elemente diktieren die Zinserwartungen. Fallen die Wirtschaftsdaten robust aus und bleibt Öl teuer, droht dem Goldpreis weiterer Abwärtsdruck.