Nach einem Wochenverlust von 1,5 Prozent notierte das Edelmetall zum Handelsschluss am Freitag bei 4.127,60 US-Dollar je Feinunze, ein Minus von 0,12 Prozent zum Vortag. Auf Sicht von sieben Tagen steht ein Rückgang von 1,43 Prozent zu Buche, seit Jahresbeginn hat Gold 4,93 Prozent verloren. Auf 30-Tage-Sicht zeigt sich dagegen ein leichtes Plus von 0,81 Prozent – ein Hinweis darauf, dass der jüngste Abwärtsdruck erst in den vergangenen Handelstagen zugenommen hat.
Im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen die US-Inflationsdaten, die am Dienstag veröffentlicht werden, gefolgt von den Erzeugerpreisen am Mittwoch. Beide Termine gelten als richtungsweisend für die Frage, ob sich eine Sommerrallye beim Gold noch ausgeht. Parallel dazu belasten steigende Anleiherenditen das Edelmetall: Die zweijährige US-Rendite liegt über 4,2 Prozent, die zehnjährige über 4,5 Prozent. Auch der US-Dollar-Index hat die Marke von 100 Punkten überschritten und entzieht Gold damit zusätzliche Unterstützung. Steigende Ölpreise infolge des Nahost-Konflikts treiben zugleich die Anleiherenditen weiter nach oben.
Charttechnik zeigt Erholungsansätze
Der Analyst Jens Chrzanowski von XTB sieht trotz des Wochenverlusts „Zeichen auf leichte Erholung“. Seine Prognose für die kommende Handelswoche liegt bei 60 Prozent bullisch gegenüber 40 Prozent bearish. Als Widerstand nennt er den gleitenden 20-Tage-Durchschnitt bei 4.129,80 US-Dollar, als Unterstützung die Marke von 4.102 US-Dollar. Eine breitere Einschätzung sieht die entscheidende Unterstützungszone bei 3.950 US-Dollar: Bleibt Gold darüber, besteht Potenzial in Richtung 4.500 bis 4.800 US-Dollar. Fällt der Preis darunter, drohe ein Rutsch auf 3.800 bis 3.500 US-Dollar.
Die aktuellen Marktdaten stützen dieses gemischte Bild. Mit einem RSI von 44,0 ist Gold weder überkauft noch überverkauft. Zum 50-Tage-Durchschnitt von 4.365,48 US-Dollar beträgt der Abstand minus 5,45 Prozent, zum 200-Tage-Durchschnitt von 4.539,11 US-Dollar liegt der Rückstand bei 9,07 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei 5.626,80 US-Dollar, erreicht am 29. Januar 2026, trennen den aktuellen Kurs 26,64 Prozent. Zum 52-Wochen-Tief von 3.901,30 US-Dollar vom 28. Oktober 2025 beträgt der Puffer dagegen nur 5,80 Prozent – die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bei 27,01 Prozent. Auch Goldproduzenten wie Barrick, Newmont und Agnico Eagle zeigen laut Marktbeobachtern erste Anzeichen einer Bodenbildung.
Zentralbanken kaufen weiter unbeirrt
Während der Preis schwankt, bleibt die strukturelle Nachfrage der Notenbanken intakt. Die chinesische Zentralbank PBOC hielt Ende Juni 2026 rund 75,44 Millionen Feinunzen Gold, ein Anstieg um 480.000 Unzen gegenüber Mai – der 20. Monat in Folge mit Zukäufen und der größte monatliche Zuwachs seit Oktober 2023. Der Korea-Investment-&-Securities-Researcher Jeong Jeong-Young ordnet die Käufe als Strategie zur Diversifizierung weg vom Dollar und zur Stützung des Yuan ein. Im ersten Halbjahr 2026 kaufte China insgesamt 1,29 Millionen Unzen, umgerechnet 36,6 Tonnen – Gold macht damit erst rund 8 Prozent der chinesischen Devisenreserven aus, verglichen mit einem globalen Notenbank-Durchschnitt von 27 Prozent.
China steht damit nicht allein. Der World Gold Council berichtet, dass 45 Prozent der befragten Zentralbanken planen, ihre Goldreserven in den kommenden zwölf Monaten weiter aufzustocken – ein Rekordwert. Im Mai 2026 kauften Notenbanken netto 41 Tonnen, Polen allein rund 82 Tonnen im ersten Halbjahr. Die Bank of Tanzania erwarb in den vergangenen 18 Monaten etwa 28 Tonnen im Wert von rund 3,68 Milliarden US-Dollar. Auch Indien stockte auf: Die Goldreserven der Reserve Bank of India stiegen in der Woche bis zum 4. Juli 2026 um 2,67 Milliarden US-Dollar auf 105,21 Milliarden US-Dollar, während die gesamten Devisenreserven um 7,26 Milliarden auf 674,19 Milliarden US-Dollar zulegten.
Zusätzliche Infrastruktur entsteht in Hongkong: Am 7. Juli 2026 startete dort ein Pilotprojekt für ein zentrales Gold-Clearing- und Abwicklungssystem, an dem elf Banken beteiligt sind, darunter HSBC, JPMorgan und die Bank of China. Das System soll über eine „Delivery Connect“-Anbindung mit der Shanghai Gold Exchange verknüpft werden. Die Region peilt an, ihre Goldlagerkapazität auf 2.000 Tonnen auszubauen – Teil eines nationalen Fünfjahresplans zum Aufbau eines Rohstoffhandels-Ökosystems. Analysten von J.P. Morgan sehen den Goldpreis bis 2027 bei 6.000 US-Dollar je Feinunze, sofern sich der Trend der Notenbankkäufe fortsetzt – eine Prognose, die angesichts der aktuellen Konsolidierung unter der 4.200-Dollar-Marke noch deutlichen Spielraum lässt.
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