Nach einer Rally von mehr als 13 Prozent allein im August gönnt sich der Goldpreis eine Pause. Am Freitagmorgen rutschte das Edelmetall unter die Marke von 4.600 Dollar je Feinunze — der Blick der Märkte richtet sich auf Jackson Hole, wo Fed-Chef Kevin Warsh am Nachmittag seine erste große Rede seit Amtsantritt hält.
Der Rücksetzer kommt nach einem Dreimonatshoch von knapp 4.700 Dollar, das Gold in dieser Woche noch markiert hatte. Getrieben wurde die Rally von Sorgen um die US-Fiskalpolitik und Maßnahmen des Finanzministeriums zur Stützung länger laufender Anleihen. Nun sorgen frische Inflationsdaten für Gegenwind: Der PCE-Index, das bevorzugte Preismaß der Fed, stieg im Juli im Jahresvergleich um 3,7 Prozent — mehr als der Notenbank lieb sein dürfte.
Zinserwartungen drücken auf die Stimmung
Die Terminmärkte preisen inzwischen eine Wahrscheinlichkeit von rund 34 Prozent für eine Zinserhöhung im September ein, bis Dezember liegt sie bei etwa 74 Prozent. Höhere Zinsen schmälern die Attraktivität von Gold, das selbst keine Zinsen abwirft. Mehrere Fed-Vertreter hatten sich bereits am Donnerstag zum Auftakt des Notenbank-Symposiums besorgt über die hartnäckige Inflation geäußert, ohne dass Gold darauf stark reagierte.
Am Abend dürfte zusätzlich der wöchentliche Report der US-Aufsichtsbehörde CFTC zur Positionierung der Terminhändler Beachtung finden. Er gibt Aufschluss darüber, wie stark spekulative Investoren aktuell auf oder gegen den Goldpreis setzen.
Der Blick nach vorn: 10.000 Dollar als Fernziel
Trotz der aktuellen Konsolidierung bleibt das langfristige Bild für viele Beobachter intakt. Steigende Staatsverschuldung in den USA, Europa und Japan, anhaltende Zentralbankkäufe sowie eine wachsende Zahl geopolitischer Krisenherde — vom Krieg in der Ukraine über die Spannungen um die Straße von Hormus bis zum Konflikt zwischen China und Taiwan — sprechen strukturell für Gold als Absicherung.
Langfristige Modellrechnungen, etwa von Yardeni Research, halten eine Marke von 10.000 Dollar je Feinunze bereits bis Ende des Jahrzehnts für möglich, andere Szenarien rechnen erst nach 2040 damit. Verlässliche Kursziele sind das nicht, eher Orientierungspunkte für eine Entwicklung über viele Jahre.
Kurzfristig bleibt der Handel jedoch von der Fed-Kommunikation abhängig. Fällt Warshs Rede in Jackson Hole hawkischer aus als erwartet, dürfte der Druck auf den Goldpreis zunächst anhalten.
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