Ein zehntägiger Waffenstillstand in Nahost beruhigt die Märkte. Normalerweise ist das ein klares Verkaufssignal für sichere Häfen. Trotzdem schließt der Goldpreis die Woche im Plus und markiert den höchsten Stand seit März 2026. Hinter dieser paradoxen Entwicklung stecken handfeste strukturelle Veränderungen.

Die Ankündigung eines sicheren Korridors durch die Straße von Hormus drückte den Ölpreis sofort um zehn Prozent. Kurzfristig sinkt damit der globale Inflationsdruck. US-Präsident Trump hält jedoch an der Seeblockade fest. Die geopolitische Lage bleibt extrem fragil.

Anfänglich gab der Goldpreis nach. Zwei Faktoren fingen den Rücksetzer aber schnell auf. Der US-Dollar verbuchte den dritten Wochenverlust in Folge. Ein schwacher Dollar macht das Edelmetall für internationale Käufer billiger. Parallel dazu fielen die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen auf 4,31 Prozent.

Die heimliche Revolution im Hintergrund

Abseits der Tagespolitik bahnt sich eine tiefgreifende Veränderung an. Der World Gold Council und die LBMA drängen auf eine Neubewertung unter Basel III. Gold soll künftig als hochliquides Qualitätsaktivum gelten. Bisher schließen die Regeln das Edelmetall von den Liquiditätspuffern der Banken aus.

Aktuell trägt Gold einen Risikofaktor von 85 Prozent. Eine erfolgreiche Reklassifizierung würde diesen Malus streichen. Institutionelle Anleger könnten das Edelmetall dann massiv in ihre Reserven umschichten. Das Ziel: eine dauerhaft höhere strukturelle Nachfrage.

Zentralbanken kaufen weiter

Auch die Notenbanken stützen das Fundament. Im Februar kauften sie netto 27 Tonnen Gold. Polen, Usbekistan und Kasachstan führten die Liste an. Dieser Wert liegt leicht über dem monatlichen Durchschnitt des Vorjahres.

Bei den privaten Investoren zeigt sich eine geografische Spaltung. US-amerikanische Gold-ETFs verzeichneten im März massive Abflüsse. Asiatische Fonds sammelten zeitgleich frisches Kapital in Milliardenhöhe ein. Physische Käufe in Indien vor dem Akshaya-Tritiya-Fest stützen den Markt zusätzlich.

Ausblick: Analysten schrauben Ziele hoch

In der kommenden Woche stehen US-Einkaufsmanagerindizes und Inflationsdaten im Fokus. Der Markt rechnet fest mit gleichbleibenden US-Leitzinsen. Das begrenzt kurzfristige Kurssprünge.

Langfristig zeigen sich Großbanken extrem optimistisch. Goldman Sachs erwartet für 2026 einen Preis von 5.400 US-Dollar je Unze. Wells Fargo hob das Zielband sogar auf über 6.100 Dollar an. Die Experten begründen dies mit anhaltenden Zentralbankkäufen und politischer Unsicherheit.