Steigende Ölpreise setzen Gold heute erneut unter Druck. Reuters berichtet über den vierten Rückgang in Folge: Sorgen vor anhaltender Inflation stärken die Erwartung länger restriktiver US-Zinsen. Damit überlagert die Geldpolitik derzeit die Nachfrageimpulse durch Goldfonds und Zentralbanken. Für Anleger ist entscheidend, ob diese Käufe den Gegenwind von der Zinsseite abfedern können.
Warum teureres Öl Gold belastet
Auslöser der jüngsten Ölverteuerung sind laut Reuters Sorgen um Lieferungen aus dem Nahen Osten. Dazu zählen Risiken für die Schifffahrt im Roten Meer und Bedrohungen saudischer Ölinfrastruktur. Am Goldmarkt steht damit nicht allein die geopolitische Unsicherheit im Mittelpunkt, sondern auch deren mögliche Wirkung auf Inflation und Geldpolitik.
Der Zusammenhang belastet das zinslose Edelmetall: Höhere Energiepreise nähren Inflationssorgen und sprechen aus Marktsicht gegen eine baldige geldpolitische Entlastung. Bereits am Montag hatten laut Reuters ein fester US-Dollar und steigende US-Staatsanleiherenditen auf Gold gedrückt. Gestern schloss der Spotpreis bei 4.122,23 USD je Feinunze und spiegelte damit den anhaltenden Verkaufsdruck wider.
Der World Gold Council beschrieb am Montag allerdings ein gemischtes Bild. Stärkere Inflation und ein festerer Dollar belasten Gold. Nachgebende US-Renditen könnten dagegen Unterstützung liefern, falls zugleich die Risiken am Aktienmarkt zunehmen. Die geopolitische Anspannung wirkt somit nicht eindeutig zugunsten des Edelmetalls.
Käufergruppen senden unterschiedliche Signale
Auf der Nachfrageseite fehlt es nicht an Unterstützung. Physisch hinterlegte globale Gold-ETFs verzeichneten im September laut World Gold Council Zuflüsse von 10 Milliarden US-Dollar. Ihre Bestände stiegen um 67 Tonnen auf 4.256 Tonnen.
Diese Käufe zeigen, dass der jüngste Preisdruck nicht mit einem generellen Rückzug der Anleger aus Gold gleichzusetzen ist. Zugleich unterscheiden sich die Signale der finanziellen und der physischen Nachfrage deutlich.
Die People’s Bank of China meldete für September einen Goldzukauf von 23 Tonnen. Nach Angaben des World Gold Council war dies der größte monatliche Kauf seit Oktober 2023. Chinas Großhandelsnachfrage blieb dagegen deutlich unter dem Vorjahresniveau und dem langjährigen Durchschnitt.
Auch Indien liefert kein einheitliches Bild. Das Zusammenspiel von Importen, inländischem Angebot und saisonalen Käufen erschwert dort eine einfache Deutung der Nachfrageentwicklung.
Gestern berichtete der World Gold Council für September von indischen Goldimporten im Wert von 1,8 Milliarden US-Dollar beziehungsweise geschätzt rund 20 Tonnen. Als Gründe für den Rückgang nannte er ein größeres inländisches Angebot, darunter recyceltes Altgold. Zugleich zog die saisonale Nachfrage an.
Geldpolitik bleibt der nächste Prüfstein
Die Käufe von Fonds und Zentralbanken bilden damit ein Gegengewicht, aber keinen verlässlichen Schutz vor weiterem Zinsdruck. Die jüngste Marktbewegung zeigt, dass derzeit die Inflations- und Zinserwartungen stärker ins Gewicht fallen.
Als nächste geldpolitische Signale stehen die US-Notenbanksitzung am 27.–28.10.2026 und die US-PCE-Daten in der Folgewoche im Fokus. Anfang November 2026 will der World Gold Council zudem seinen nächsten Bericht zur Goldnachfrage veröffentlichen. Während die US-Termine den geldpolitischen Rahmen prägen können, dürfte der Nachfragebericht die Unterschiede zwischen den Käufergruppen genauer beleuchten.
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