Eigentlich müsste eine Eskalation im Nahen Osten den Goldpreis beflügeln. Diesmal ist das Gegenteil der Fall. Der Grund liegt nicht im fehlenden Interesse an sicheren Häfen, sondern in den Zinserwartungen, die durch steigende Ölpreise neue Nahrung erhalten.
Auslöser der jüngsten Bewegung sind Aussagen von US-Präsident Donald Trump. Bei einem Treffen mit Nato-Generalsekretär Mark Rutte erklärte er, die Waffenruhe mit dem Iran sei aus seiner Sicht beendet — die Tür für weitere Verhandlungen ließ er allerdings offen. In der Nacht zuvor hatte das US-Militär als Reaktion auf Angriffe gegen Tanker Ziele im Iran bombardiert, zudem wurden Sanktionen auf iranisches Öl wieder in Kraft gesetzt. Trump drohte mit weiteren Angriffen und erwägt sogar eine erneute Blockade der Straße von Hormus.
Ölpreise treiben Zinserwartungen
Die Konsequenz: Die Ölpreise zogen deutlich an, was die Inflationserwartungen nach oben schickt. Das wiederum erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass wichtige Notenbanken ihre Leitzinsen anheben — eine schlechte Nachricht für Gold, das selbst keine Zinsen abwirft. Hinzu kommt ein etwas fester notierender Dollar, der das in der US-Währung gehandelte Edelmetall zusätzlich verteuert.
Die Feinunze Gold kostete am Nachmittag rund 4.062 Dollar, etwa 45 Dollar weniger als am Vortag. Bereits Anfang Juni hatte sich ein ähnliches Muster gezeigt, nur umgekehrt: Damals hatte das kurzzeitige Abkommen zwischen Iran und den USA die Ölpreise und Inflationserwartungen gedrückt — und Gold Aufwind verschafft.
Der Markt richtet den Blick nun auf das Protokoll der jüngsten Fed-Sitzung. Es soll zeigen, wie ernst die US-Notenbank die neu aufgeflammten Inflationsrisiken nimmt. Fällt das Protokoll restriktiver aus als erwartet, dürfte der Druck auf Gold zunächst bestehen bleiben.
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