Nach wochenlangem Abgabedruck erfährt der Goldpreis zur Wochenmitte eine spürbare Atempause. Beruhigende Töne aus den Reihen der US-Notenbank Federal Reserve haben die Furcht vor unmittelbar bevorstehenden weiteren Zinsschritten spürbar gedämpft. Am Kassamarkt notiert die Feinunze am heutigen Mittwoch bei 4.187,05 US-Dollar, was einem leichten Tagesplus von 0,3 Prozent entspricht.
Zurückhaltende Fed-Töne dämpfen Zinserwartungen
Auslöser der Entspannung waren Äußerungen von New-York-Fed-Präsident John Williams. In einer Rede an der Universität in Buffalo betonte Williams gestern, es gebe für die Währungshüter nach der Zinsanhebung Anfang September „keine Eile“ bei weiteren Schritten. Ein einziger zusätzlicher Zinsschritt spät im laufenden Jahr könnte voraussichtlich ausreichen, um die Inflation wieder in Richtung des Ziels von zwei Prozent zu bewegen.
Diese Einschätzung veränderte die Erwartungen an den Terminmärkten schlagartig. Lag die Wahrscheinlichkeit für eine erneute Straffung auf der anstehenden Sitzung Ende Oktober vor Williams’ Auftritt noch bei rund 70 Prozent, sank dieser Wert laut Daten der Terminbörse CME prompt auf unter 50 Prozent.
Verstärkt wurde die Zinsberuhigung durch maue Konjunkturdaten aus Übersee. Das vom Conference Board ermittelte US-Verbrauchervertrauen sackte im September auf 81,9 Punkte ab, den tiefsten Stand seit dem Jahr 2014. Eine schwächere Konsumstimmung signalisiert den Notenbankern eine nachlassende Wirtschaftsdynamik und verringert den Spielraum für aggressive Zinserhöhungen.
Physische Käufe bilden tragfähiges Fundament
Während die Zinsdebatte das kurzfristige Handelsgeschehen diktiert, bleibt die fundamentale Nachfrage aus Asien ein verlässlicher Pfeiler für das Edelmetall. Chinesische Zolldaten belegen, dass das Land in den ersten acht Monaten dieses Jahres bereits mehr als 1.000 Tonnen Gold importiert hat. Dieser Zukauf übertrifft bereits den gesamten Einfuhrwert des Vorjahres.
Zudem zeichnen sich neue industrielle Absatzchancen ab. Nach Einschätzung des World Gold Council bleibt Gold in modernen High-End-Halbleitern und Hochleistungsrechenzentren für Künstliche Intelligenz nahezu unersetzbar. Zwar hielt Kostendruck die Nachfrage aus dem Technologiesektor im Vorjahr mit 323 Tonnen stabil, doch Zukunftstechnologien wie optische Verbindungselemente für Hochfrequenzchips könnten neue Nachfrageschübe auslösen.
Anleger richten den Blick nach vorne
Gleichwohl hinterlässt der zurückliegende Verkaufsdruck Spuren im Monatsverlauf: Binnen 30 Tagen verzeichnet Gold einen Rückgang von 6,0 Prozent. Vor gut einer Woche hatten noch falkenhafte Fed-Signale die Notierungen belastet und den jüngsten Abwärtstrend beschleunigt.
Aakash Doshi von State Street hält kurzfristig einen Test der runden Marke von 4.000 US-Dollar je Feinunze für denkbar, sieht auf diesem Niveau jedoch eine solide Unterstützungszone. Auf Sicht der kommenden sechs Monate bis zum zweiten Quartal 2027 hält der Experte eine Erholung in Richtung 5.000 US-Dollar für erreichbar.
Für kurzfristig orientierte Investoren richtet sich die Aufmerksamkeit nun auf die anstehenden US-Inflationsdaten sowie den am Freitag folgenden monatlichen Arbeitsmarktbericht. Bestätigen die Zahlen eine abkühlende Preis- und Beschäftigungsdynamik, dürfte das dem Edelmetall weiteren Rückhalt verleihen.
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