Der World Gold Council hat seine Prognose für den Zuwachs der Goldinvestitionen im laufenden Jahr von 400 auf 200 Tonnen gesenkt. Zugleich hob er die Schätzung für Zentralbankkäufe an. Damit bleibt die institutionelle Nachfrage eine wichtige Stütze. Für eine nachhaltige Preiserholung reicht sie angesichts der hohen Zinserwartungen bislang jedoch nicht aus.
Die heute veröffentlichten Nachfragezahlen zeigen einen gespaltenen Markt: Zentralbanken und börsengehandelte Goldfonds kaufen kräftig zu. Bei Barren, Münzen und Schmuck fällt die Nachfrage dagegen schwächer aus. Die robuste Entwicklung einzelner Käufergruppen bedeutet deshalb nicht, dass der gesamte Goldmarkt gleichermaßen wächst.
Zentralbanken und Fonds stützen den Markt
Nach Angaben des World Gold Council kauften Zentralbanken im dritten Quartal 2026 netto 321 Tonnen Gold. Das entsprach einem Anstieg um 42 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Es war der höchste Quartalswert seit Ende des vorletzten Jahres.
Diese Käufe bilden ein Gegengewicht zum Verkaufsdruck am Finanzmarkt. Der World Gold Council erwartet für das Gesamtjahr Zentralbankkäufe mindestens auf dem Niveau des Vorjahres. Die angehobene Einschätzung für diese Käufergruppe steht damit im Kontrast zur reduzierten Prognose für den Zuwachs der Investmentnachfrage.
Auch physisch besicherte Gold-ETFs verzeichneten im Berichtsquartal Zuflüsse von 211 Tonnen. Ihre Bestände erreichten mit 4.256 Tonnen einen Rekord. Laut World Gold Council gehörten Inflationssorgen, die öffentliche Finanzlage und politische Unsicherheit zu den Nachfragetreibern in Europa.
Die Fondsnachfrage zeigt, dass Gold trotz der jüngsten Preisschwäche als Absicherung gefragt bleibt. Gleichzeitig reagieren andere Käufergruppen zurückhaltender auf das hohe Preisniveau. Besonders deutlich wird diese unterschiedliche Entwicklung beim Vergleich der Investmentprodukte mit Schmuck sowie Barren und Münzen.
Die weltweite Nachfrage nach Barren und Münzen sank im Berichtsquartal um 19 Prozent auf 268 Tonnen. Der Schmuckverbrauch ging um 17 Prozent zurück. Für Schmuck erwartet der World Gold Council bei hohen Preisen weiterhin eine schwache Nachfrage.
Zinserwartungen begrenzen die Erholung
Die Nachfragebilanz allein erklärt die aktuelle Preisrichtung deshalb nicht. Kurzfristig stehen die Erwartungen an die US-Geldpolitik im Vordergrund. Reuters berichtet, dass höhere Energiepreise erneut Inflationssorgen schüren und damit die Aussicht auf höhere Zinsen verstärken.
Laut CME FedWatch preisen Marktteilnehmer für Dezember mit einer Wahrscheinlichkeit von 74,9 Prozent eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte ein. Der World Gold Council führt den jüngsten Abbau von Goldpositionen auf gestiegene Erwartungen einer strafferen Geldpolitik zurück. Dadurch seien Anleihen relativ attraktiver geworden.
Die ING-Strategen Warren Patterson und Ewa Manthey erwarten zwar eine teilweise Erholung nach der Korrektur. Sie halten den kurzfristigen Ausblick aber für schwierig. Höhere Zinserwartungen und ein stärkerer Dollar begrenzen aus ihrer Sicht eine nachhaltige Aufwärtsbewegung.
Mit einem Tagesschlusskurs von 3.904,98 USD je Feinunze und einer Tagesveränderung von -1,0% bestätigt der Spotmarkt diese Zurückhaltung. Die Käufe von Zentralbanken und Fonds haben den erneuten Preisrückgang heute nicht verhindert.
Entscheidend ist die Entlastung bei den Zinsen
Die gestrige Erholung hatte von niedrigeren Ölpreisen und Hoffnungen auf eine diplomatische Entspannung zwischen den USA und Iran profitiert. Heute rückten nach Berichten über US-Angriffe auf die iranische Insel Qeschm wieder Eskalations- und Versorgungssorgen in den Vordergrund. Der erneute Ölpreisanstieg erschwert damit die Entlastung bei den Inflationserwartungen.
Als nächste Impulse nennt der World Gold Council das Ergebnis der heutigen US-Zwischenwahlen und die anstehenden amerikanischen Arbeitsmarktdaten für Oktober. Für Anleger liegt der entscheidende Unterschied zwischen stabiler Nachfrage und einer Preiswende: Zentralbanken und ETFs stützen den Markt bereits. Eine nachhaltigere Erholung setzt nach Einschätzung der ING aber voraus, dass der Druck durch Zinserwartungen und Dollar nachlässt.
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