Der Gegenwind durch die US-Notenbank bläst eisig. Physische Käufer halten allerdings vehement dagegen. Nach einem massiven Preisverfall in den vergangenen Wochen ringt das Edelmetall um Bodenhaftung. Die wichtige Marke von 4.000 US-Dollar dient dabei als Bastion.

Aktuell notiert die Feinunze bei 4.092 US-Dollar. Auf Monatssicht steht ein sattes Minus von gut 13 Prozent auf der Anzeigetafel. Damit notiert der Kurs mehr als 27 Prozent unter seinem Allzeithoch vom Januar.

Strukturwandel stützt den Kurs

Ein grundlegender Wandel auf der Nachfrageseite stabilisiert den Markt. Barren und Münzen überholen in diesem Jahr voraussichtlich erstmals Schmuck als größten Posten. Besonders Anleger in China und Indien kaufen den Kursrücksetzer aggressiv. Dort stieg die Nachfrage zuletzt um 28 beziehungsweise 17 Prozent. Die teure Schmucknachfrage schrumpft indes.

Zentralbanken im Kaufrausch

Staatliche Akteure greifen ebenfalls kräftig zu. Im ersten Quartal erwarben die globalen Zentralbanken netto 244 Tonnen Gold. Die polnische Nationalbank trat dabei als größter Einzelkäufer auf. Sie stockte ihre Reserven im April auf 595 Tonnen auf.

Auch die chinesische Zentralbank kauft unermüdlich weiter. Sie erwarb im April weitere acht Tonnen. Die offiziellen Bestände Pekings steigen damit auf über 2.300 Tonnen. Das Ziel: Weniger Abhängigkeit vom US-Dollar.

Zinsangst bremst Erholung

Diesem physischen Kaufdruck steht die harte Linie der US-Notenbank entgegen. Die am Mittwoch veröffentlichten US-Verbraucherpreise stiegen um 4,2 Prozent. Parallel dazu überraschte der amerikanische Arbeitsmarkt im Mai mit 172.000 neuen Stellen.

Händler rechnen nun fest mit dauerhaft hohen Zinsen. Der Markt preist eine Wahrscheinlichkeit von 70 Prozent für eine weitere Zinserhöhung bis Dezember ein. Steigende Anleiherenditen machen das zinslose Gold für Investoren unattraktiver. Dieser Gegenwind am Anleihemarkt bleibt das größte Risiko für steigende Kurse.

Technisch ist das Edelmetall stark überverkauft. Der Relative-Stärke-Index liegt bei extrem niedrigen 23,8 Punkten. Solche Niveaus lösten in der Vergangenheit oft Gegenbewegungen aus.

Analysten von Goldman Sachs blicken langfristig optimistisch auf den Markt. Sie rufen bis zum Jahresende ein Kursziel von 5.400 US-Dollar aus. Die starke Nachfrage aus den Schwellenländern stützt diese Prognose.