Gold notiert am Mittwoch bei 4.342,24 US-Dollar je Feinunze und legt damit 0,3 Prozent zu. Die Erholung bleibt zaghaft, denn der Kurs kämpft noch immer mit den Nachwirkungen der Rede von Fed-Chair Kevin Warsh auf dem Notenbanktreffen in Jackson Hole. Auf Wochensicht steht bei Gold ein Minus von 5,6 Prozent zu Buche.
Warsh-Rede wirkt nach
Warsh hatte am 28. August signalisiert, dass die Notenbank weitere Zinsschritte erwägt, sollte die Inflation nicht zum Zwei-Prozent-Ziel zurückkehren. Der Goldpreis gab daraufhin rund 3 Prozent nach.
Am 1. September verschärfte sich der Ausverkauf: Das Edelmetall verlor laut Reuters 2,86 Prozent auf 4.325 US-Dollar je Unze, nachdem Zinserhöhungserwartungen auf rund 70 Prozent gestiegen waren. Am Folgetag drückte eine auf etwa 4,79 Prozent gekletterte Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen zusätzlich auf den Preis.
Trotz der jüngsten Schwäche bleibt der langfristige Trend intakt. Im Zwölfmonatsvergleich steht Gold noch immer 23 Prozent im Plus – ein Beleg dafür, dass die aktuelle Korrektur eher eine Verschnaufpause als eine Trendwende darstellt. Der August selbst hatte laut Trading Economics ein Plus von rund 10 Prozent gebracht, ausgelöst durch die Ankündigung des US-Finanzministeriums, Liquiditätsstützungskäufe längerfristiger Anleihen zu verdoppeln.
Zentralbanken kaufen wie nie
Während geldpolitische Töne kurzfristig belasten, liefert die strukturelle Nachfrageseite ein deutlich freundlicheres Bild. Nach Angaben des World Gold Council kauften Zentralbanken im zweiten Quartal 2026 mit 288,9 Tonnen so viel Gold wie in keinem anderen zweiten Quartal zuvor – ein Anstieg von 62 Prozent gegenüber dem Vorjahr und mehr als das Fünffache der 57 Tonnen aus dem ersten Quartal.
China treibt diese Entwicklung maßgeblich voran. Laut Goldman Sachs Nowcast beschleunigten sich die chinesischen Käufe auf saisonbereinigter Basis auf rund 100 Tonnen pro Monat, nach 66 Tonnen im Vormonat.
Die Reserven der Volksrepublik erreichten damit im Mai bereits rund 2.331 Tonnen – der 20. Monat in Folge mit steigenden Beständen. Eine Umfrage des World Gold Council unter Reserveverwaltern zeigt zudem, dass 89 Prozent der Befragten mit weiter wachsenden globalen Zentralbank-Goldreserven rechnen.
Geopolitik als zusätzlicher Faktor
Zur geldpolitischen Unsicherheit gesellt sich geopolitische Anspannung. US-Streitkräfte griffen laut Reuters eine iranische Insel in der Straße von Hormus an, Iran reagierte mit Angriffen auf die Vereinigten Arabischen Emirate und Jordanien. Normalerweise würde eine solche Eskalation Fluchtkapital in sichere Häfen wie Gold treiben – diesmal dominierten jedoch die Zinssorgen das Marktgeschehen.
Der Blick auf die Angebotsseite zeigt derweil eine gegenläufige Entwicklung: In Südafrika stieg die Goldproduktion im Juni gegenüber dem Vorjahresmonat um 6,2 Prozent.
S&P Global rechnet dennoch damit, dass das globale Angebot 2026 mit 110 Millionen Unzen seinen Höhepunkt erreicht und bis 2028 auf 103 Millionen Unzen zurückgeht – ein Faktor, der mittelfristig preisstützend wirken dürfte, sollte die Nachfrage der Zentralbanken auf hohem Niveau bleiben.
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