Gold: Zentralbanken kaufen, Märkte drücken

Geopolitische Spannungen und starke US-Zinserwartungen belasten Gold kurzfristig, während Notenbanken weltweit ihre Reserven ausbauen.

Gold Aktie
Kurz & knapp:
  • Kurzfristiger Druck durch Dollarstärke
  • Zentralbanken setzen weiter auf Gold
  • Inflationssorgen treiben Ölpreise
  • Fed-Politik bleibt entscheidend für Erholung

Dass Gold gleichzeitig als wichtigste Reserveanlage der Zentralbanken gilt und im Tagesverlauf unter Druck steht, klingt nach einem Widerspruch. Ist es aber keiner — es sind schlicht zwei verschiedene Zeithorizonte, die gerade aufeinanderprallen.

Kurzfristig lastet ein Dreiklang aus Geopolitik, Ölpreisen und Zinswetten auf dem Preis. Die anhaltenden Spannungen im Nahen Osten — insbesondere rund um den seit Ende Februar andauernden Iran-Krieg — treiben Öl nach oben. Das wiederum verstärkt die Inflationserwartungen, was Marktteilnehmer dazu bringt, eine länger restriktive Fed einzupreisen. Höhere Zinserwartungen stärken den Dollar — und ein starker Dollar belastet Gold strukturell.

Strukturkraft contra Tagesrauschen

Der längere Blick zeichnet ein anderes Bild. Gold hat laut Julius Bär US-Staatsanleihen überholt und ist zur wichtigsten Anlage in den Reserven der Zentralbanken weltweit aufgestiegen. Käufe aus Schwellenländern treiben diese Entwicklung, und die Analysten der Schweizer Bank sehen darin nach wie vor die stärkste strukturelle Kraft auf dem Goldmarkt.

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Der Preisrückgang seit Kriegsbeginn beträgt rund 15 Prozent — ein deutlicher Einschnitt, der einige Beobachter aber gerade als Einstiegssignal werten. Das fundamentale Umfeld — Inflation, hohe Staatsschulden, geopolitische Unsicherheit — bleibt intakt.

Sommer-Erholung als Szenario

Manche Analysten gehen deutlich weiter und halten Preise jenseits von 8.000 Dollar für möglich, gestützt auf wachsendes Interesse an physischem Gold und goldgedeckten Investments weltweit. Das ist das bullische Extremszenario — realistischer ist zunächst, ob es dem Markt gelingt, die aktuellen technischen Schwächesignale zu überwinden.

Entscheidend dafür dürfte die Fed bleiben. Solange die Märkte eher mit einer Zinserhöhung als mit Zinssenkungen rechnen, bleibt der Aufwärtsdruck auf den Dollar bestehen — und Gold hat es schwer, neuen Schwung aufzubauen. Der nächste US-Datenpunkt zur Inflation wird zeigen, ob die Erwartungen weiter in diese Richtung driften oder ob Raum für eine Neubewertung entsteht.

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