Die Notenbanken der Welt kaufen so viel Gold wie nie zuvor in einem zweiten Quartal. Diese strukturelle Nachfrage bildet derzeit das Fundament unter dem Goldpreis – während geldpolitische Nachrichten für kurzfristige Ausschläge sorgen.
Der World Gold Council meldete Ende Juli Nettokäufe der Zentralbanken von 288,9 Tonnen für das zweite Quartal 2026 – ein Anstieg von 62 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum und der stärkste je in der Datenhistorie erfasste Wert für ein zweites Quartal.
Polen führte die Käufe mit 51 Tonnen an und bewegt sich damit auf sein selbstgesetztes Ziel von 700 Tonnen zu. Die chinesische Notenbank kaufte im selben Zeitraum 33 Tonnen – der größte Einzelquartalskauf seit Ende 2023. Bloomberg berichtete zudem, dass die People’s Bank of China ihre Goldreserven inzwischen seit 21 Monaten in Folge aufstockt.
Südkorea und Umfragewerte deuten auf anhaltenden Trend
Auch kleinere Notenbanken reihen sich ein: Usbekistan kaufte im ersten Halbjahr 16,5 Tonnen, Kasachstan 6,5 Tonnen. Bemerkenswert ist der Kurswechsel der Bank of Korea, die im August eine strategische Neuausrichtung ankündigte. Sie kauft künftig verstärkt über Gold-ETFs und bereitet den ersten physischen Zukauf seit 13 Jahren vor – zugleich sollen Lagerorte von London aus diversifiziert werden.
Diese Ankündigung passt zum Bild einer laut World Gold Council befragten Gruppe von Reserveverwaltern: 89 Prozent der Teilnehmer der aktuellen Umfrage erwarten für die kommenden zwölf Monate steigende globale Zentralbank-Goldreserven, ein Rekordanteil von 45 Prozent rechnet sogar mit einem Anstieg in der eigenen Institution.
Gegenläufig bewegt sich einzig die Türkei, die aus innenpolitischen Gründen zur Währungsstützung ihren Bestand im Januar und Februar um 8,1 Tonnen reduzierte.
Auf der Angebotsseite zeigt sich unterdessen wenig Entlastung: Die Minenproduktion legte im zweiten Quartal nur leicht um 1,9 Prozent auf 965,6 Tonnen zu, während das Recycling um 5,9 Prozent auf 326,1 Tonnen zurückging.
Die Gesamtnachfrage blieb im Quartal mit 1.269 Tonnen nahezu unverändert, für das erste Halbjahr ergibt sich ein Plus von 2 Prozent auf geschätzte 2.522 Tonnen im Wert von 380 Milliarden US-Dollar.
ETFs zeigen gemischtes Bild, Schmucknachfrage weicht Barren
Bei den börsengehandelten Goldfonds kam es im zweiten Quartal insgesamt zu Nettoabflüssen von 45 Tonnen, vor allem aus Nordamerika. Einzelne Fonds zeigten dennoch kräftige Zuflüsse: Der SPDR Gold Trust verzeichnete allein am 7. August Nettoinflows von 637 Millionen US-Dollar.
Die Nachfrage nach Goldbarren und -münzen lag mit 307,1 Tonnen leicht unter dem Vorjahreswert von 315,6 Tonnen – der World Gold Council wertet dies als Rückkehr zu normaleren Volumina nach zwei außergewöhnlich starken Quartalen.
Die Schmucknachfrage schrumpfte mengenmäßig deutlich, während die Ausgaben dafür um 14 Prozent auf 40 Milliarden US-Dollar stiegen – Verbraucher kaufen weniger, zahlen aber höhere Preise. Auf der industriellen Seite wuchs der Goldverbrauch in der Elektronik um 3,8 Prozent auf 68,3 Tonnen, getragen von KI-Anwendungen, die die Schwäche der klassischen Unterhaltungselektronik ausgleichen.
Ausblick: FOMC-Sitzung im September als nächster Prüfstein
Für die kommenden Wochen richtet sich der Blick auf die FOMC-Sitzung am 15. und 16. September, die als kritischer Termin für die weitere Goldpreisentwicklung gilt.
Die strukturelle Nachfrage der Zentralbanken dürfte dem Markt dabei unabhängig von kurzfristigen Zinsentscheidungen ein stabiles Fundament geben – ein Trend, der sich über mehrere Quartale verfestigt hat und nach den aktuellen Umfragewerten der Reserveverwalter kaum an Schwung verlieren dürfte.
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