Der Goldpreis gibt nach, und der Grund heißt einmal mehr US-Anleiherendite. Die Verzinsung zehnjähriger Staatsanleihen liegt bei 5,3 Prozent, so hoch wie seit 2002 nicht mehr. Gold, Silber und Minenaktien leiden darunter.
Dollar und Renditen setzen zu
Am Mittwoch verlor Gold zeitweise fast 1,2 Prozent. Der US-Dollar und die Treasury-Renditen zogen vor der Veröffentlichung des FOMC-Protokolls wieder an. Händler suchen darin neue Hinweise, ob die Fed vor Jahresende erneut an der Zinsschraube dreht. Das Edelmetall driftet in Richtung der Unterstützung bei 4.100 Dollar je Unze.
Selbst ein schwächerer US-Arbeitsmarktbericht stoppte den Renditeanstieg nicht. Für die nächste Fed-Sitzung im Oktober rechnen rund 80 Prozent der Marktteilnehmer mit unveränderten Zinsen. Anders sieht es für die letzte Sitzung des Jahres am 9. Dezember aus: Dort erwartet eine Mehrheit von etwa 70 Prozent einen Schritt nach oben. Bis dahin stehen weitere Inflationszahlen und zwei Arbeitsmarktberichte an.
Notenbanken stützen, Spekulanten fehlen
Ein Boden zeichnet sich durch die Käufe der Notenbanken ab, die weiter Gold aufstocken. Für einen echten Anstieg fehlt jedoch ein Baustein. „Wir benötigen die Rückkehr der Spekulanten und ein sich langsam aufhellendes Sentiment“, sagt Markus Bußler. Die Stimmung bezeichnet er als schlecht.
Technisch sieht er vor allem bei den Minen eine interessante Lage. Eine Trendwende gebe es noch nicht, doch im Bereich des 50-Prozent- und des 61,8-Prozent-Fibonacci-Retracements bestehe eine gute Chance zu drehen. Mutige Anleger könnten den Rücksetzer nutzen, am ehesten gestaffelt.
Standard Chartered argumentiert ähnlich, allerdings aus makroökonomischer Sicht. Die Bank hält die Zinserwartungen der Märkte für zu falkenhaft und rechnet bis Ende November mit einem Höhepunkt beim Dollar und bei den kurz- bis mittelfristigen US-Renditen. Das würde Gold Luft verschaffen. Als wichtige technische Unterstützung nennt sie 4.000 Dollar je Unze.
Den Ausschlag dürften die Inflationsdaten für September bis November geben. Fallen sie schwächer aus als befürchtet, schwindet der Druck auf eine Dezember-Erhöhung. Bricht dagegen die Marke von 4.100 Dollar, rückt die Zone um 4.000 Dollar in den Blick.
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