Der Goldpreis findet keinen Boden. Steigende Ölpreise halten die Inflationssorgen hoch und nähren Wetten auf eine weitere Zinserhöhung der US-Notenbank. Für das zinslose Edelmetall ist das ein ungemütliches Umfeld.

Öl und Zinsen drücken auf den Preis

Gold gab am Dienstag weiter nach und rutschte in Richtung 4.100 Dollar je Unze. Händler rechnen bis Dezember mit einem weiteren Zinsschritt der Fed. Das stärkt Renditen und Dollar, beides belastet Gold.

Technisch bleibt das Bild angeschlagen: Der Kurs notiert unter seinen wichtigen gleitenden Tagesdurchschnitten, der breitere Ausblick gilt damit als bärisch. Auch Silber kommt nicht aus der Defensive, und die Minenwerte stehen unter Druck.

Kurzzeitig hatten die Renditen der US-Staatsanleihen nach einer Entspannung ausgesehen. Der Anleihemarkt kommt jedoch weiterhin nicht zur Ruhe, wie Marktexperte Markus Bußler beobachtet.

Zwei US-Termine als Weichensteller

In den USA stehen zwei Großereignisse an: die Fed-Sitzung in der kommenden Woche und die Zwischenwahlen in zwei Wochen. Vor allem die Wahlen bergen Überraschungspotenzial. Gut möglich, dass einige Investoren vorab Cash halten und sich erst danach neu positionieren.

Sinkende Renditen könnten dann wieder Kapital in Gold und Silber lenken. Bislang fehlt dafür das Signal.

Newmont liefert am Donnerstag

Einen Hinweis auf die Lage der Branche gibt der weltgrößte Goldproduzent Newmont. Das Unternehmen legt am Donnerstag Zahlen zum dritten Quartal vor, erwartet werden 1,95 Dollar Gewinn je Aktie. Der schwächere Goldpreis dürfte die Zahlen etwas belastet haben.

Wichtiger als der Gewinn ist die Frage, ob Newmont seine Produktions- und Kostenprognose bestätigt. Bislang kalkuliert das Unternehmen mit Förderkosten (AISC) von 1.680 Dollar je Unze für das laufende Jahr.

Artemis Gold liegt derweil mit einer Jahresproduktion von rund 260.000 Unzen auf Kurs. Außerdem kündigte der Konzern die Übernahme von Vista Gold an, die das Mt-Todd-Projekt in Australien entwickelt. Das Vorhaben soll in den ersten 15 Jahren jährlich 150.000 Unzen beisteuern können.

Tödliches Unglück in Kolumbien

Aus dem Südwesten Kolumbiens kommt eine traurige Meldung: Bei einem Erdrutsch in einer Goldmine starben mindestens 14 Menschen, sieben wurden verletzt. Die Ursache ist unklar. Behörden verweisen auf die mangelnde Regulierung im Bergbau der Pazifikregion, wo viel Gold ohne Genehmigung gefördert wird. Preisrelevant ist das Unglück kaum.

Am Donnerstag zeigt sich mit den Newmont-Zahlen, wie stark der Preisrückgang die Branche trifft. Eine Woche später folgt die Fed-Sitzung, deren Ton für die Zinserwartungen bis Dezember maßgeblich sein dürfte.