Kevin Warsh hat heute die Erwartungen an eine Zinspause der US-Notenbank gestärkt – für eine nachhaltige Gold-Erholung reicht das bislang nicht. Der Fed-Chef legte sich bei seinem Auftritt in Bangkok nicht auf einen weiteren Zinsschritt fest. Gold profitierte zunächst davon, gab die Gewinne aber wieder ab. Entscheidend bleibt, ob die Entlastung nur bis zur nächsten Fed-Sitzung trägt.
Oktober-Pause ist keine Entwarnung
Warsh erklärte bei den Jahrestreffen von IWF und Weltbank, er wolle den Sitzungsentscheidungen nicht vorgreifen. Die Märkte verstanden seine Zurückhaltung als Signal gegen eine unmittelbar bevorstehende Zinserhöhung. Zugleich gaben US-Anleiherenditen nach. Laut Reuters linderten sinkende Ölpreise zusätzlich die Inflationssorgen und stützten Gold im Tagesverlauf.
Für die Sitzung am 27.–28.10. weist CME FedWatch eine Wahrscheinlichkeit von 15 % für eine Zinserhöhung aus. Für Dezember liegt sie dagegen bei 89 %. Die Erwartung einer Pause betrifft damit vor allem den nächsten Termin, nicht zwingend den weiteren geldpolitischen Kurs.
Diese Unterscheidung ist für Goldanleger zentral. Eine Vertagung des nächsten Zinsschritts nimmt kurzfristig Druck aus dem Markt. Sie bedeutet aber weder eine Abkehr von möglichen Erhöhungen noch eine Aussicht auf baldige Zinssenkungen. Auch Goldman Sachs erwartet nach einer Oktober-Pause weiterhin eine weitere Erhöhung im Dezember.
Am Tagesschluss kostet Gold 4.143,31 USD je Feinunze; die Tagesveränderung von -0,6% zeigt, dass die anfängliche Entlastung keinen Bestand hatte.
Inflationsdaten begrenzen den Spielraum
Der vorsichtige Kurs der Fed hat einen konkreten Hintergrund: Die US-Verbraucherpreise stiegen im September um 3,7 % gegenüber dem Vorjahr. Die Kernrate ohne Lebensmittel und Energie lag bei 2,6 %. Beide Größen halten die Debatte über weiteren geldpolitischen Handlungsbedarf offen.
Damit steht Gold zwischen zwei gegenläufigen Einflüssen. Nachlassende Ölpreise und niedrigere Anleiherenditen können unterstützen. Höher als erwartete Verbraucher- und Erzeugerpreise halten dagegen die Aussicht auf eine weitere Straffung bis Jahresende im Spiel.
Die Fed hatte den Leitzins am 16. September um 0,25 Prozentpunkte auf eine Spanne von 3,75–4,00 % angehoben. Eine Pause würde diesen Schritt zunächst wirken lassen, ihn aber nicht zurücknehmen.
Vor der nächsten Entscheidung warten Anleger zudem auf die US-PCE-Inflationsdaten. Neben der Zinsentscheidung selbst dürfte deshalb die begleitende Kommunikation wichtig werden: Ein restriktiverer Ton könnte Gold auch dann belasten, wenn die Notenbank die Zinsen unverändert lässt.
Bodenbildung bleibt an Bedingungen geknüpft
BNP Paribas sieht eine abgeschlossene Bodenbildung erst oberhalb von 4.225 USD je Feinunze. Gelingt der Ausbruch, nennt das Haus mögliche Ziele bei 4.264 und 4.381 USD. Diese Marken beschreiben ein bedingtes Erholungsszenario, keine bereits bestätigte Trendwende.
Auf der Nachfrageseite gibt es zugleich Unterstützung jenseits kurzfristiger Zinswetten. Bloomberg berichtet von anhaltend steigenden Gold-ETF-Beständen. Das spricht dafür, dass Anleger trotz der Preisschwäche weiter Positionen aufbauen.
Laut World Gold Council flossen in den ersten beiden Oktoberwochen über 16 Tonnen in Gold-ETFs. Die Bestände stiegen damit 13 Wochen in Folge.
Für eine tragfähige Erholung müssen diese Käufe jedoch auf ein günstigeres Zinsumfeld treffen. Warshs Zurückhaltung erleichtert die Ausgangslage für die nächste Sitzung. Solange eine Dezember-Erhöhung fest in den Erwartungen verankert bleibt, ist die Oktober-Pause allein noch kein belastbares Trendwendesignal.
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