Die Marke von 4.400 Dollar je Feinunze erweist sich als hartnäckiger Widerstand. Nachdem Gold am Dienstag zwischenzeitlich bis auf 4.443 Dollar geklettert war, drückten neue Verkäufer den Preis wieder darunter. Der Grund: Wetten auf eine Zinserhöhung der Fed und geopolitische Spannungen im Nahen Osten beleben die Nachfrage nach dem Dollar – und die belastet das Edelmetall direkt.

Am Terminmarkt sehen Investoren laut CME-FedWatch-Tool derzeit eine Wahrscheinlichkeit von 58 Prozent für einen Zinsschritt um 25 Basispunkte bei der kommenden Fed-Sitzung. Höhere Zinsen schmälern die Attraktivität von Gold, das weder Zinsen noch Dividenden abwirft. Händler halten sich deshalb merklich zurück und warten auf die US-Inflationsdaten, die am Donnerstag und Freitag veröffentlicht werden.

Warum die Rally trotzdem nicht ausgereizt ist

Der jüngste Anstieg auf rund 4.700 Dollar Ende August, den höchsten Stand seit Mitte Mai, wird oft mit der Ausweitung des Anleihe-Rückkaufprogramms des US-Finanzministeriums erklärt. Nach Einschätzung des World Gold Council war das aber nur ein Verstärker, kein Auslöser. Tragender war die Investmentnachfrage: Gold-ETFs verzeichneten im Juli Nettozuflüsse von 3 Milliarden Dollar, im August folgten weitere 17 Milliarden Dollar.

Auch die Zentralbanken bleiben ein struktureller Stützpfeiler. Im zweiten Quartal kauften sie netto rund 289 Tonnen Gold, ein Plus von 63 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal – angeführt von Polen und China, während Russland Bestände abgab. Diese Käufe erklären laut World Gold Council aber eher das langfristige Preisniveau als die kurzfristigen Ausschläge der vergangenen Wochen.

Geopolitik als zusätzlicher Unsicherheitsfaktor

Der Konflikt zwischen Iran und den USA verlagert sich zunehmend auf die wirtschaftliche Ebene. Blockaden in der Straße von Hormus treiben die Ölpreise und damit die Inflation weltweit nach oben, während Washington mit einer neuen Sanktionswelle reagiert.

Für Gold bedeutet diese Gemengelage aus Zinsunsicherheit und geopolitischem Risiko zwei gegenläufige Kräfte: Die Nachfrage nach sicheren Häfen stützt den Preis, während ein starker Dollar und steigende Realzinsen ihn deckeln.

Die US-Inflationsdaten am Donnerstag und Freitag dürften den nächsten Kursimpuls liefern. Fällt die Teuerung höher aus als erwartet, dürfte das die Zinserhöhungswette der Fed weiter befeuern und den Dollar stützen – mit entsprechendem Druck auf Gold. Eine schwächere Inflationszahl könnte dagegen neue Spielräume für steigende Notierungen öffnen.