Gold kommt nicht von der Stelle – und das trotz eines Konflikts, der eigentlich für Rückenwind sorgen müsste. Die erneuten Angriffe zwischen den USA und dem Iran an der Straße von Hormus treiben zwar den Ölpreis, doch der klassische Sicherer-Hafen-Reflex bleibt beim Edelmetall aus. Der Grund liegt in Washington, nicht am Persischen Golf.

Warsh bringt Zinsfantasie zurück

Fed-Chef Kevin Warsh hatte in Jackson Hole einen unerwartet falkenhaften Ton angeschlagen. Seine Botschaft: Die Notenbank müsse eingreifen, sollte sich die Inflation nicht in Richtung des Zielwerts von zwei Prozent bewegen. Die Märkte reagierten prompt – laut CME FedWatch Tool preisen Händler mittlerweile eine Wahrscheinlichkeit von rund 66 Prozent für eine Zinserhöhung im September ein, bis Dezember steigt die Quote sogar auf 90 Prozent.

Steigende Zinsen verteuern das Halten von Gold, das selbst keine Zinsen abwirft. Genau das erklärt, warum der Goldpreis trotz eskalierender Kämpfe im Nahen Osten unter Druck bleibt. Am Montag war der Dezember-Future zeitweise um mehr als ein Prozent auf rund 4.450 Dollar je Feinunze gefallen, bevor er sich am Dienstagmorgen bei etwa 4.475 Dollar stabilisierte.

Auch der starke Dollar spielt eine Rolle. Er profitiert parallel von den Zinserwartungen und macht Gold für Käufer außerhalb der Dollarzone teurer – ein Effekt, der sich auch in Indien zeigte, wo die Notierungen am Dienstag nachgaben.

Kriegsrisiko gegen Zinssignal

Der Konflikt zwischen den USA und dem Iran läuft inzwischen im siebten Monat. US-Präsident Donald Trump drohte am Montag erneut mit weiteren Angriffen, nachdem amerikanische Streitkräfte iranische Raketenwerfer auf der Insel Larak in der Straße von Hormus getroffen hatten.

Iran antwortete mit Angriffen auf US-Luftwaffenstützpunkte in Jordanien und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Diese Eskalation treibt vor allem Öl und Inflationserwartungen nach oben – und verschärft damit ausgerechnet jenes geldpolitische Dilemma, das dem Goldpreis derzeit im Weg steht.

Die Woche bringt mit offenen Stellen, dem ADP-Bericht und dem offiziellen Arbeitsmarktbericht gleich mehrere Datenpunkte, die die Zinserwartungen weiter verschieben können. Fällt der Arbeitsmarkt schwächer aus als erwartet, könnte das die Zinserhöhungswetten dämpfen und Gold Spielraum nach oben verschaffen. Bestätigen die Daten dagegen die robuste Verfassung der US-Wirtschaft, dürfte der Gegenwind für das Edelmetall vorerst bestehen bleiben.