Liebe Traderinnen und Trader,
der Metallmarkt zerfällt zum Wochenschluss in zwei Lager. Kupfer notiert vor der LME-Week nahe seinem Rekord, Gold hält sich über 4.100 Dollar, und Goldman Sachs versieht zwei afrikanische Goldförderer mit Kaufurteilen. Lithium dagegen hat sich seit dem Mai-Hoch halbiert.
Über allem steht die Zinsfrage. Fed-Chef Kevin Warsh hat in Bangkok kein Signal gegeben, die Märkte sehen zu 85 Prozent eine Pause am 27./28. Oktober. Warsh hat sich allerdings bewusst Spielraum für eine Erhöhung gelassen. Die Erzeugerpreise stiegen im September um 1,3 Prozent zum Vormonat, so stark wie seit 2022 nicht.
Goldförderer mit Kursziel, Lithium ohne Boden
Bei den Metallen zählt derzeit, wer aus hohen Preisen Cashflow macht, nicht der Preis allein. Goldman Sachs hat am Freitag Endeavour Mining und AngloGold Ashanti mit Kaufempfehlungen versehen. Für Endeavour Mining lautet das Zwölfmonatsziel 47 Pfund beziehungsweise 90 kanadische Dollar.
Die Produktion soll von derzeit 1,1 Millionen Unzen auf 1,5 Millionen Unzen pro Jahr bis 2030 steigen, Goldman rechnet sogar mit 1,6 Millionen. Das Assafou-Projekt liefert allein 320.000 Unzen jährlich bei einer internen Verzinsung von über 45 Prozent. Über drei Jahre plant Endeavour Ausschüttungen von rund 1,8 Milliarden Dollar, die Free-Cashflow-Rendite 2027 schätzt Goldman auf 13 Prozent.
Für AngloGold Ashanti liegt das Ziel bei 104 Dollar beziehungsweise 1.720 Rand (rund 93 Euro). Die Erweiterungen bestehender Minen sollen bis 2030 zwischen 300.000 und 450.000 Unzen pro Jahr bringen.
Für die Geschäftsjahre 2027 bis 2029 erwartet Goldman bei AngloGold Ausschüttungen von rund 8,5 Milliarden Dollar, das entspricht einer Dividendenrendite von 4 bis 5 Prozent.
Gold selbst notiert nahe 4.180 Dollar je Unze mit Blick auf die 4.200er-Marke, die nächsten Widerstände liegen bei der 50-Tage-Linie um 4.255 Dollar. Die These dahinter: Wer das Edelmetall zu Rekordpreisen fördert und die Kosten je Unze senkt, verwandelt jeden Dollar Goldpreis in Cashflow – deshalb ist die Dividendenrendite der Förderer das eigentliche Argument, nicht der Spotpreis.
Kupfer arbeitet sich an seine Bestmarke heran. Der Dreimonatskontrakt an der LME legte um 0,9 Prozent auf 14.480 Dollar je Tonne zu. Seit Jahresbeginn beträgt das Plus 17 Prozent, der Rekord von 14.875 Dollar liegt fünf Wochen zurück. Kupfer, Zink, Aluminium und Zinn handeln vor der LME-Week in Backwardation, kurzfristige Lieferung ist also teurer als spätere.
Citigroup bleibt auf drei Monate neutral und erwartet den Kupfermarkt 2027 nahe ausgeglichen, bei Aluminium einen Angebotsüberschuss. Ein Warnzeichen kommt aus China: Die Kupferbestände an der Shanghaier Börse stiegen binnen einer Woche um 15.218 Tonnen.
Ganz anders die Lage bei Lithium. Die Lithiumcarbonat-Futures in China fielen am Donnerstag um 4 Prozent unter 100.000 Yuan je Tonne, umgerechnet rund 13.300 Euro. Vom Mai-Hoch bei 200.000 Yuan hat sich der Preis halbiert, allein im Oktober ging es bislang 16 Prozent abwärts.
Goldman Sachs erwartet für 2027 ein weltweites Angebotswachstum von 32 Prozent und damit einen Überschuss, nach einem geschätzten Defizit von 16 Prozent im laufenden Jahr. Citic hat die Preisspanne für das vierte Quartal auf 100.000 bis 150.000 Yuan gesenkt.
Für die Batteriekette verteilt das die Gewichte neu. Zellhersteller und Autobauer bekommen billigere Rohstoffe, Förderer verlieren die Preismacht. Ein Boden ist erst in Sicht, wenn die Produktion an die Kostenbasis von durchschnittlich 52.700 Yuan heranrückt. Beim Wolframförderer Almonty Industries steht nach dem Kurssturz ein Wochenminus von 13,5 Prozent – ein Wert, der weiter auf eine Erklärung wartet.
Die jüngsten Entwicklungen bei Metallen und Rohstoffen zeigen deutlich, wie schnell sich Angebotsschocks auf Preise und Förderaktien durchschlagen – bei Energie kann ein solcher Schock noch unmittelbarer wirken. Genau mit diesem Szenario beschäftigt sich das Live-Webinar „Gas-Notstand 2026“, das Jörg Mahnert am 18.10.2026 um 18:00 Uhr hält. Er ordnet darin ein, warum das 80-Prozent-Speicherziel verfehlt wird, welche Rolle die Straße von Hormus als größte Störung der Energieversorgung seit den 1970ern spielt, und zieht Parallelen zu den Krisenjahren 1973 und 2022. Im Mittelpunkt stehen drei konkrete Profiteure einer möglichen Gas-Notstandslage: ein norwegischer Pipeline-Betreiber, ein LNG-Anbieter und ein US-Ölförderer. Ergänzt wird das Ganze durch einen 3-Stufen-Filter, mit dem sich solche Energiewerte systematisch einordnen lassen. Jetzt kostenlos zum Webinar „Gas-Notstand 2026“ anmelden
Autos: Der Rebound vom Sechsjahrestief hat einen Termin
Die Autowerte erholen sich auf eine politische Zusage, die noch nicht beschlossen ist. Berlin und Paris haben sich auf eine Aufweichung des Verbrenner-Verbots geeinigt. Das CO2-Flottenziel für 2035 sinkt von 100 auf 90 Prozent, die restlichen 10 Prozent müssen nicht kompensiert werden.
Im Gegenzug kommen „Made in Europe“-Quoten für Förderungen: 70 Prozent der Komponenten ohne Batterie und 10 Prozent des Batterieinhalts müssen aus Europa stammen.
Der europäische Autosektor gewann am Mittag 2,3 Prozent und erholt sich vom Sechsjahrestief der Vorwoche. BMW notiert bei 57,14 Euro, im Verlauf gut 3 Prozent fester. Das 52-Wochen-Tief von 52,00 Euro stammt vom 8. Oktober und ist die Marke, die halten muss – seit Jahresbeginn liegt die BMW-Aktie 39 Prozent im Minus. Bei den Zulieferern sprangen Aumovio um 5,8 Prozent und Schaeffler um 4,9 Prozent.
Die Bewertungen bleiben extrem niedrig. Volkswagen-Vorzüge kommen laut FactSet-Schätzung für 2026 auf ein KGV von 4,15, Mercedes-Benz auf eine Dividendenrendite von 7,69 Prozent.
Der Haken: EU-Rat und EU-Parlament müssen zustimmen, die Abstimmung in Straßburg ist für den 23. November angesetzt. Branchenforscher Dudenhöffer warnt zugleich vor einer Abwanderung von bis zu 10 Prozent der EU-Neuwagenproduktion in die USA. Bis zum Votum bleibt der Sektor ein politischer Trade, kein fundamentaler.
Neoclouds: CoreWeave testet das Jahrestief
Bei den KI-Rechenzentrumsvermietern entscheidet derzeit der Anleihemarkt über die Aktienkurse. Die Kreditsorgen gehen in die dritte Sitzung. CoreWeave liegt im Verlauf rund 11 Prozent tiefer bei 55,60 Euro, das 52-Wochen-Tief von 52,89 Euro vom 29. Juli ist in Reichweite. Nebius notiert bei 152,60 Euro, gut 9 Prozent unter dem Vortag.
Auslöser war eine Gartner-Studie vom Mittwoch. Mehr als 80 Prozent der Anbieter von GPU-Mietkapazität werden demnach bis 2030 nicht mehr als eigenständige Unternehmen existieren. Gartner begründet das damit, dass Einnahmen und Kapitalkosten strukturell nicht zusammenpassen.
Die Anleihen sprechen dieselbe Sprache. CoreWeaves im Juni mit 9,675 Prozent Rendite begebene Papiere rentieren inzwischen bei 15 Prozent, die Kreditausfallversicherungen stiegen auf über 1.000 Basispunkte. Der Markt preist damit eine Ausfallwahrscheinlichkeit von über 60 Prozent binnen fünf Jahren ein.
Nvidia-Chef Jensen Huang verteidigte CoreWeave, Nvidia hält rund 10 Prozent. Laut Goldman weiteten sich die Risikoaufschläge hochverzinslicher KI-Anleihen seit Montag um 25 Basispunkte auf 360 Basispunkte aus, bei Nicht-KI-Anleihen nur um 2 Basispunkte.
Das ist der Kern: Der Kreditmarkt sortiert bereits, wer die KI-Infrastruktur finanziert bekommt und wer nicht – und solange die Spreads steigen, ist jeder Rebound der Aktien ein Verkaufsfenster, kein Boden.
Schneider Electric: Guidance rauf, Kurs runter, die Blaupause für SAP
Gute Zahlen reichen in dieser Berichtssaison nicht, wenn sie schon im Kurs stecken. Schneider Electric hat nach einem starken dritten Quartal die Umsatz- und Gewinnziele für 2026 zum zweiten Mal angehoben. Die Aktie fiel trotzdem, am Mittag um 1,5 Prozent, aktuell notiert sie bei 254,65 Euro.
JPMorgan verweist auf bereits eingepreiste Ziele und eine drohende Kapitalerhöhung für die PTC-Übernahme. Über 30 Tage hat Schneider Electric knapp 9 Prozent verloren, das Hoch von 313,15 Euro stammt vom 13. August.
Genau dieses Muster droht nächste Woche im DAX: Deutsche Börse berichtet Dienstagabend, SAP am Mittwoch. Für den S&P 500 erwartet LSEG ein Gewinnplus von über 30 Prozent, für Europa Quintet 21 bis 23 Prozent – hohe Erwartungen sind das Risiko, nicht die Zahlen.
Das Gegenbeispiel kommt aus den USA. Piper Sandler hob das Kursziel für ServiceNow von 140 auf 175 Dollar bei Overweight, die Aktie notiert bei 146,79 Dollar. Treiber ist das Sicherheitsgeschäft mit über einer Milliarde Dollar Jahresvertragswert im zweiten Quartal.
Krypto: XRP reißt die 1,32, Ripple baut Terminhandel
Bei XRP laufen Charttechnik und Fundamentaldaten auseinander. XRP notiert bei 1,31 Dollar und hat die vielbeachtete Unterstützung bei 1,32 Dollar unterschritten.
Ein Analyst sieht nun 1,28 Dollar und nächste Woche eine Korrektur bis 1,22 Dollar, im Extremfall 1,15 bis 1,18 Dollar. Zwischen dem 12. und 15. Oktober flossen 84 Millionen XRP auf Börsen-Wallets, ein klassisches Verkaufssignal.
Fundamental liefert Ripple. Seit Donnerstag bietet Ripple Prime unbefristete Terminkontrakte auf über 100 traditionelle Märkte über die Hyperliquid-Infrastruktur an. Als Sicherheit dient der Stablecoin RLUSD, Erstnutzer ist Virtu. Für US-Anleger ist der Dienst vorerst gesperrt. Hyperliquids Token HYPE notiert bei 81,15 Dollar, Unterstützung 75,14, Widerstand 85,19 Dollar.
Weitere Signale im Altcoin-Segment: TRX bestätigt einen Ausbruch über 0,338 Dollar mit Zielen bei 0,3518 und 0,3775 Dollar. Solana liegt bei 103,85 Dollar, das Alpenglow-Upgrade am Mittwoch soll die Finalität auf 150 Millisekunden drücken.
Vorsicht bei Jupiters neuem Produkt YOLO: eine Milliarde Dollar Volumen in 24 Stunden bei bis zu 1.000-fachem Hebel, aber ungeprüfte Beta ohne feste Auszahlungsfristen.
Bitcoin notiert bei 81.366 Dollar. Michael Saylor erklärt den Boden unter 60.000 Dollar für gesehen, Strategy kaufte 250 Bitcoin zu durchschnittlich 86.194 Dollar.
Die Wahrscheinlichkeit einer Fed-Erhöhung im Oktober fiel von 27 auf 15 Prozent, dennoch zogen Anleger in der Woche 434 Millionen Dollar aus Krypto-Fonds ab.
Marschroute
Das Geld folgt heute dem Cashflow und flieht vor Überangebot und teurer Finanzierung. Daraus ergeben sich die Marken für die kommenden Sitzungen:
- Gold: 4.200 Dollar als Ziel, 4.255 Dollar an der 50-Tage-Linie als erster Widerstand.
- Kupfer: 14.875 Dollar je Tonne als Rekordmarke vor der LME-Week, die Shanghaier Lagerbestände im Blick behalten.
- Lithium: 100.000 Yuan ist gerissen, die Kostenbasis von 52.700 Yuan ist der fundamentale Anker.
- BMW: 52,00 Euro vom 8. Oktober ist die Linie, der 23. November der Termin.
- CoreWeave: 52,89 Euro Jahrestief, Nebius: 152 Euro. Solange die Spreads steigen, gilt: Rebounds sind Verkaufsfenster.
- SAP: Mittwoch, mit Schneider Electric als Warnung vor eingepreisten Erwartungen.
- Bitcoin: Unterstützung an der 50-Tage-Linie bei 80.436 Dollar, Widerstand 84.000 bis 84.600 Dollar.
- XRP: 1,28 Dollar, dann 1,22 Dollar.
- Fed am 27./28. Oktober: Konsens Pause, aber Warsh hat die Tür nicht zugemacht.
Legen Sie sich die Marken übers Wochenende zurecht, am Montag zählt die Ausführung.
Gute Trades,
Ihr Andreas Sommer
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