Goldman Sachs äußert sich gleich auf zwei Ebenen zum US-Aktienmarkt, und beide Male fällt der Tenor zuversichtlich aus. Die Strategen der Bank haben ihre Dreimonatssicht angehoben. Zugleich halten sie die Flut neuer Aktien nicht für gefährlich genug, um die Rally zu stoppen. Am Dienstag legt das Institut zudem selbst Zahlen vor.

Von neutral auf übergewichten

Das Team um Christian Mueller-Glissmann stuft Aktien für die kommenden drei Monate nun mit „übergewichten“ ein, zuvor stand dort „neutral“. Damit gleicht es die kurzfristige Sicht an die positive Zwölfmonatsprognose an. Als Gründe nennen die Strategen günstigere Bewertungen und einen robusten Gewinnausblick. Steigende Ölpreise und Anleiherenditen hatten die Rekordrally zuletzt gebremst.

Die jüngste Korrektur bei den Bewertungen habe das Chance-Risiko-Verhältnis für die Berichtssaison zum dritten Quartal verbessert. Analysten erwarten bei den S&P-500-Konzernen einen Gewinnsprung von 25 Prozent, eine der höchsten Raten, die je gemessen wurden. Goldman geht davon aus, dass die Unternehmen diese Erwartungen übertreffen.

Ein Risiko bleibt die KI-Nachfrage. Berichte über schwächere OpenAI-Umsätze hatten den Nasdaq vergangene Woche so stark belastet wie zuletzt im August. UBS hält dagegen und verweist auf aktuelle Branchendaten, die für robuste Nachfrage sprächen.

Aktienangebot: Druck ja, Bruch nein

Eine zweite Studie, geführt von Ben Snider, widmet sich dem Angebot an neuen Aktien. 2026 steuert auf ein Rekordjahr bei Emissionen zu: US-Unternehmen haben bislang 431 Milliarden Dollar eingesammelt, fast doppelt so viel wie vor einem Jahr. Seit dem Rekordquartal im Frühjahr hat sich das Tempo deutlich abgeschwächt. Goldman führt das auf den kräftigen Zinsanstieg zurück.

Für 2027 rechnen die Strategen mit 600 Milliarden Dollar Emissionsvolumen. Das könne die Bewertungen belasten, die Hausse aber nicht kippen. Aktienrückkäufe dürften auf rund 1,7 Billionen Dollar steigen, hinzu kommen Käufe privater und ausländischer Investoren. Eine Warnung gibt es dennoch: Die Marktbreite ist so schwach wie zuletzt zur Dotcom-Blase, der typische S&P-500-Titel notiert 16 Prozent unter seinem Hoch.

Eigene Zahlen am Dienstag

Goldman Sachs eröffnet am Dienstag gemeinsam mit Citigroup, JP Morgan Chase und Wells Fargo die US-Berichtssaison. Marktteilnehmer lesen aus den Bankzahlen oft ab, wie es der Wirtschaft geht. Am Mittwoch folgen wichtige Inflationsdaten. Die Märkte preisen für die Fed-Sitzung am 28. Oktober mit etwa 80 Prozent Wahrscheinlichkeit stabile Zinsen ein.