Turbulente Finanzmärkte und reges Kundengeschäft treiben die Erträge an der Wall Street an. Goldman Sachs und Citigroup haben im dritten Quartal kräftige Gewinnzuwächse erzielt, getragen von hoher Handelsaktivität und soliden Gebühreneinnahmen. Die jüngsten Zinsanhebungen und weltpolitischen Spannungen belasten zwar das Kredit- und Fusionsgeschäft, beflügeln aber das Handelsgeschäft der Großbanken.

Goldman Sachs steigerte den Quartalsgewinn auf 5,29 Milliarden Dollar nach 4,10 Milliarden Dollar im Vorjahr. Die Gesamterlöse des Instituts legten um 23 Prozent zu.

Aktienhandel treibt Goldman Sachs

Haupttreiber war das Aktiengeschäft. Die Erlöse im Handel mit Aktien sprangen um 72 Prozent auf 6,44 Milliarden Dollar empor. Schwankende Märkte nach dem Zinsschritt der US-Notenbank im September und steigende Treibstoffkosten veranlassten Investoren zu umfassenden Umschichtungen in ihren Portfolios, was den Handelstischen der Bank hohe Erträge einbrachte.

Im Investmentbanking behauptete sich das Institut gegen den Branchentrend. Während weltweite Fusionen und Übernahmen im Quartalsvergleich spürbar nachgaben, kletterten die Beratungserlöse von Goldman Sachs um 18 Prozent. Große Aktienplatzierungen im Technologiesektor fingen die allgemeine Zurückhaltung am Markt auf.

Umbau und Belastungen bei Citigroup

Auch die drittgrößte US-Bank legte beim Überschuss kräftig zu. Citigroup wies für das abgelaufene Vierteljahr einen Gewinn von 5,25 Milliarden Dollar aus — ein Zuwachs von 40 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Die Einnahmen im Investmentbanking stiegen im Jahresvergleich um neun Prozent auf 1,35 Milliarden Dollar.

Besonders stark entwickelte sich das Dienstleistungsgeschäft für multinationale Konzerne. Konzernchefin Jane Fraser treibt den mehrjährigen Umbau des Instituts weiter voran: Strukturen werden gestrafft und internationale Geschäftsbereiche veräußert, um bürokratische Defizite abzubauen und die Rentabilität nachhaltig zu heben.

Allerdings zeigen sich im Privatkundengeschäft erste Risse. Bei Citigroup sank der Gewinn im Kreditkartenbereich um acht Prozent. Für drohende Kreditausfälle in diesem Segment stellte die Bank 1,9 Milliarden Dollar zurück. Gedämpftes Lohnwachstum und hohe Zinsen machen sich bei US-Verbrauchern zunehmend bemerkbar.

Die Reaktionen am Aktienmarkt spiegelten diese gemischte Lage wider. Während die Anteile von Goldman Sachs vorbörslich zulegten, büßte die Citigroup-Aktie rund 1,4 Prozent ein. Für die kommenden Monate signalisieren steigende Anleiherenditen weiterhin Gegenwind für das Neugeschäft, während Citigroup für das nächste Jahr die Abspaltung und den Börsengang ihrer mexikanischen Tochter Banamex anpeilt.