Die Vorzeige-Wette der Hedgefonds-Branche gerät unter Druck. Seit Wochen verkaufen Profi-Investoren ihre Lieblingsaktien aus Tech und Halbleitern. Das spürt auch der Goldman Sachs Hedge Industry VIP ETF.

Ausverkauf bei den Favoriten

Der Ausstieg aus momentumgetriebenen Titeln hat sich beschleunigt. Hedgefonds waren netto-Verkäufer von US-Tech-Hardware und Halbleitern – und das bereits den vierten Monat in Folge. Systematische Fonds, die auf Trendfolge setzen, haben ihre Jahresrendite von 14,4 Prozent Ende Juni auf 10,8 Prozent einbrechen sehen.

Besonders hart trifft es die Halbleiterbranche. Die Volatilität ist dort deutlich gestiegen. Hedgefonds haben ihr Engagement reduziert – die gesamte Kreditaufnahme liegt auf dem niedrigsten Niveau seit einem Jahr. Für Anleger im VIP-ETF zeigt sich: Wenn Profis ihre Lieblingspositionen abstoßen, hat das Konsequenzen für den gesamten Fonds.

Der ETF schloss am Donnerstag bei 181,65 US-Dollar. Das sind noch 5,5 Prozent unter dem Rekordhoch von 192,13 Dollar. Der RSI liegt mit 52,6 im neutralen Bereich – weder überkauft noch überverkauft.

Institutionelles Vertrauen

Goldman Sachs Asset Management bleibt dennoch optimistisch. Die Vermögensverwaltung sieht langfristiges Wachstum in der KI-Infrastruktur und Enterprise-Software. Zwei Großmandate untermauern diesen Glauben: Verizon und Lockheed Martin haben 70 Milliarden Dollar bei Goldman Sachs angelegt. Die Sparte verwaltet insgesamt rund 480 Milliarden Dollar in OCIO-Mandaten.

Kein direkter Kurstreiber für den VIP-ETF. Aber ein Signal: Institutionelle Anleger setzen weiter auf langfristiges Wachstum, selbst wenn kurzfristig die Stimmung kippt.

Die nächsten Wochen entscheiden

Jetzt richten sich alle Blicke auf die Quartalszahlen der Tech-Riesen ab Mitte Juli. Dann zeigt sich: War der Ausverkauf bei Halbleitern eine technische Korrektur? Oder ändern sich die Gewinnerwartungen grundlegend?

Die Hedgefonds haben ihre Hebel reduziert. Das könnte weitere Verkaufe abfedern. Oder es verstärkt die Bewegung, falls neue schlechte Nachrichten kommen.

Der ETF bleibt ein Spiegel der Hedgefonds-Stimmung. Kurz gesagt: ein Seismograf für institutionelle Launen.