Der Goldpreis hat seinen jüngsten Rücksetzer zum Wochenausklang zügig abgeschüttelt. Verantwortlich für die Erholung sind vor allem sinkende Renditen an den Anleihemärkten, schwindende Erwartungen an weitere Zinsschritte der Notenbanken sowie kräftige Zukäufe der chinesischen Zentralbank.
Am Freitagabend kostete die Feinunze am Kassamarkt 4.194 Dollar. Noch zur Wochenmitte war der Kurs auf 4.066 Dollar abgerutscht, den niedrigsten Stand seit Anfang August. Der Terminkontrakt für Dezember legte um 1,5 Prozent auf 4.218,10 Dollar zu. Auch Silber zog an und notierte bei 60,79 Dollar.
Entlastung an den Anleihemärkten
Rückenwind erhielt das Edelmetall vor allem durch fallende Marktzinsen in Europa und den USA. Da Gold keine laufenden Zinsen abwirft, verbessert ein solches Umfeld traditionell dessen Attraktivität. Zudem gaben die Ölpreise nach. Das dämpfte die Inflationserwartungen an den Märkten spürbar.
In den USA trübte sich die Verbraucherstimmung im Oktober unerwartet ein. Der entsprechende Index der Universität Michigan sank auf 46,3 Punkte. An den Terminmärkten wird die Wahrscheinlichkeit einer Zinspause der Federal Reserve im Oktober mittlerweile auf 80,6 Prozent taxiert. Für die Dezembersitzung rechnen Marktteilnehmer allerdings weiterhin mehrheitlich mit einer Anhebung um einen Viertelprozentpunkt.
Auch in Europa ließ der Zinserhöhungsdruck nach. Ein weiterer Zinsschritt der Europäischen Zentralbank bis zum Jahresende gilt nicht mehr als vollständig eingepreist. Parallel dazu beruhigte sich die Lage an den europäischen Anleihemärkten, nachdem französische Staatsanleihen zuvor fast fünf Prozent Rendite erreicht hatten.
Notenbankkäufe bieten ein Polster
Stützend wirkte zudem die physische Nachfrage aus Asien. Die chinesische Notenbank stockte ihre Goldreserven im September so kräftig auf wie seit drei Jahren nicht mehr. Marktbeobachter sehen in diesen anhaltenden Zentralbankkäufen einen wesentlichen Grund dafür, dass zwischenzeitlich gestiegene Zinsängste die Notierungen zuvor nicht noch tiefer gedrückt hatten.
In der kommenden Woche dürften neue Teuerungsdaten den Takt vorgeben. Das US-Arbeitsministerium veröffentlicht dann die Berichte zu den Verbraucher- und Erzeugerpreisen für September, die weiteren Aufschluss über den Zinspfad der Notenbanken liefern werden.


