GSK greift tief in die Tasche — und die Aktionäre reagieren verhalten. Mit der angekündigten Übernahme des US-Biotechunternehmens Nuvalent für 10,6 Milliarden Dollar setzt der britische Pharmariese auf einen Einstieg in den Lungenkrebsmarkt, der das Portfolio grundlegend verändern soll.

40 Prozent Prämie — und kein Wort der Entschuldigung

Der Angebotspreis von 124 Dollar je Nuvalent-Aktie entspricht einem Aufschlag von 40 Prozent auf den letzten Schlusskurs. CEO Luke Miels räumte ein, der Deal sei „größer als üblich“ — rechtfertigte das jedoch mit dem seltenen Umstand, gleich mehrere Produkte in einer einzigen Transaktion zu erhalten. Nach Abzug der übernommenen Barmittel liegt die Nettoinvestition bei 9,4 Milliarden Dollar.

Im Mittelpunkt stehen zwei Krebsmedikamente, die bereits bei der FDA zur Zulassung eingereicht sind: Zidesamtinib, ein hochselektiver ROS1-Inhibitor, sowie Neladalkib, der auf ALK-Mutationen zielt — beide für nicht-kleinzelligen Lungenkrebs und beide mit FDA-Breakthrough-Therapy-Designation. Für Neladalkib ist eine FDA-Entscheidung bis zum 27. November 2026 geplant, für Zidesamtinib früher im Jahr. Ein dritter Kandidat, NVL-330 für HER2-veränderten Lungenkrebs, befindet sich noch in Phase-I-Studien.

Gegenwind bei EPS, Rückenwind ab 2027

Die finanzielle Einordnung fällt nüchtern aus. Für 2026 bis 2028 erwartet GSK eine Verwässerung des Kern-EPS im niedrigen einstelligen Prozentbereich. Die Jahresprognose 2026 — Wachstum des operativen Kernergebnisses zwischen 7 und 9 Prozent — bleibt unverändert. Ab 2027 soll die Übernahme zum Umsatzwachstum beitragen, profitabel wird sie laut GSK erst 2029 — inklusive Synergien und Umschichtungen im Portfolio.

Ein strategischer Hintergrund macht den Zeitpunkt erklärbar: Das HIV-Mittel Dolutegravir, ein wichtiger Umsatzträger, verliert zwischen 2028 und 2030 seinen Patentschutz. Die Nuvalent-Pipeline soll diese Lücke zumindest teilweise schließen. Miels betonte, GSK benötige den Deal nicht, um das £40-Milliarden-Umsatzziel bis 2031 zu erreichen — das Unternehmen sieht ihn jedoch als Verstärker dieser Ambition.

Finanziert wird die Transaktion überwiegend über neue und bestehende Kreditfazilitäten. GSK bekräftigte ein Investment-Grade-Rating und hielt an der geplanten Dividende von 70 Pence für 2026 fest. Obendrein fließen niedrige einstellige Royalties an Royalty Pharma unter bestehenden Vereinbarungen.

Der Deal ist als Übernahmeangebot für alle ausstehenden Nuvalent-Aktien strukturiert und soll innerhalb von zehn Geschäftstagen gestartet werden. Das Closing hängt noch von der Freigabe unter dem US-amerikanischen Hart-Scott-Rodino-Kartellrecht ab. Bis diese Hürde genommen ist, bleibt die Investorenreaktion das klarste Signal: Die GSK-Aktie verlor am Dienstag rund drei Prozent.