Hält der MDAX-Ausbruch auf Vierjahreshoch — oder war es nur der Feiertag?

Der MDAX erreicht den höchsten Stand seit vier Jahren. Analysten prüfen, ob die Kursgewinne bei normalem Handelsvolumen Bestand haben.

Hält der MDAX-Ausbruch auf Vierjahreshoch — oder war es nur der Feiertag?
Kurz & knapp:
  • MDAX steigt auf höchstes Niveau seit vier Jahren
  • Delivery Hero legt zweistellig zu
  • JENOPTIK notiert über Analystenzielen
  • Bitcoin wartet auf großen Optionsverfall

Liebe Leserinnen und Leser,

gestern schrieb ich, die klarsten Setups lägen bei den Einzeltiteln, nicht beim Index. Der Pfingstmontag hat diese These eindrucksvoll bestätigt — und gleichzeitig verschoben. Denn der DAX durchbrach die 25.000er-Marke, die ich am Wochenende noch als entscheidenden Widerstand markiert hatte, mit +2,01 Prozent auf 25.389,10 Punkte. Doch die eigentliche Nachricht steht eine Etage tiefer: Der MDAX legte 2,18 Prozent auf 32.807,90 Punkte zu und erreichte damit den höchsten Stand seit vier Jahren. Der SDAX markierte sogar ein neues Rekordhoch. Das ist mehr als ein Feiertagseffekt — das ist Marktbreite.

MDAX: Die Gewinner und die Warnsignale

Drei Werte stachen am Montag im MDAX heraus: Delivery Hero mit +11,55 Prozent auf 37,47 Euro, Fraport mit +4,42 Prozent auf 70,85 Euro und TRATON mit +4,33 Prozent auf 33,76 Euro. Auf der Verliererseite notierten IONOS mit -2,76 Prozent bei 27,50 Euro, K+S mit -1,77 Prozent bei 14,45 Euro und PUMA mit -1,49 Prozent bei 28,35 Euro. Das höchste Handelsvolumen verzeichnete Lufthansa mit über 3 Millionen gehandelten Stücken; Porsche vz blieb mit 41,7 Milliarden Euro Marktkapitalisierung die schwerste MDAX-Position.

Seit Jahresanfang summiert sich der MDAX-Zuwachs auf 5,65 Prozent, der Gesamtbörsenwert der Indexmitglieder liegt bei 376,7 Milliarden Euro. Entscheidend ist aber nicht die Rückschau, sondern die Frage: Halten diese Signale bei normalisierter Liquidität? Denn am Montag blieben sowohl die US-Börsen (Memorial Day) als auch London (Spring Bank Holiday) geschlossen. In dieser dünnen Marktphase wirken Ausbrüche stärker — aber sie sind auch anfälliger für schnelle Gegenbewegungen, sobald die großen Handelsplätze zurückkehren. NYSE und Nasdaq öffnen am Dienstag um 9:30 Uhr ET.

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Delivery Hero: Warum der Kurs über dem Uber-Angebot notiert

Der auffälligste Einzeltrade des Tages war Delivery Hero. Die Aktie stieg am 25. Mai um 10,7 Prozent auf rund 37 Euro — und damit deutlich über das bekannte Uber-Angebot von 33 Euro je Aktie. Der Markt preist bereits ein, was die Financial Times berichtet: Der Uber-Verwaltungsrat berät über eine Anhebung des Gebots, weil Aktionäre offenbar mehr als 40 Euro je Aktie anstreben. Oberhalb dieser Schwelle läge die Bewertung bei rund 13 Milliarden Euro.

Die Aktionärsstruktur macht den Deal komplex. Uber hält bereits 19,5 Prozent direkt und weitere 5,6 Prozent über Optionen. Prosus sitzt auf 17 Prozent, Aspex auf 15 Prozent. Zusätzlich wird DoorDash als Interessent für das Nahost-Geschäft genannt. Jefferies empfiehlt die Aktie zum Kauf mit Kursziel 42,50 Euro, verweist aber auf erhebliche regulatorische Hürden: Es gibt Überschneidungen in 22 beziehungsweise 18 Märkten. Das Risiko eines Rückzugs der Bieter bleibt real. Für Trader gilt: Der Spread zwischen aktuellem Kurs (37 Euro) und dem spekulierten Angebotspreis (40+ Euro) definiert das Chance-Risiko-Verhältnis dieses Trades.

JENOPTIK: Kurs über Analysten-Ziel — ein Warnsignal?

Weniger spektakulär, aber technisch bemerkenswert: JENOPTIK stieg am Montag um 1,1 Prozent auf 44,96 Euro und bewegt sich damit nahe am 52-Wochen-Hoch von 46,02 Euro vom 18. Mai. Zur Einordnung: Das 52-Wochen-Tief lag am 13. September 2025 bei 16,04 Euro. Die Aktie hat sich also fast verdreifacht.

Im ersten Quartal 2026 verdiente JENOPTIK 0,29 Euro je Aktie nach 0,16 Euro im Vorjahr, bei leicht rückläufigem Umsatz von 241,21 Millionen Euro (minus 0,98 Prozent). Für das Gesamtjahr wird ein EPS von 1,74 Euro erwartet, die Dividende soll von 0,40 auf 0,45 Euro steigen. Die Krux: Das durchschnittliche Analysten-Kursziel liegt bei 40,90 Euro — und damit unter dem aktuellen Kurs. Deutsche Bank, Warburg Research und Berenberg stufen die Aktie dennoch mit „Buy“ ein, UBS bleibt bei „Neutral“. Wer hier einsteigt, wettet darauf, dass die Analysten ihre Ziele nachziehen. Das passiert häufig — aber nicht immer.

Energie: Brent unter 100 Dollar, RWE stabil, Uniper schwächelt

Der Makro-Rückenwind am Montag kam vom Ölmarkt. Brent fiel um 4,99 Prozent auf 98,55 Dollar je Barrel — der Auslöser waren Hoffnungen auf eine Entspannung im Iran-Konflikt. Eine iranische Delegation reiste zu Gesprächen nach Katar, im Raum steht ein 14-Punkte-Memorandum für eine 60-tägige Rahmenvereinbarung. Trump sprach von Fortschritten, dämpfte aber Erwartungen an eine schnelle Lösung. Europäisches Erdgas gab parallel nach: Der TTF-Frontmonat sank um 5,6 Prozent auf 45,945 Euro je Megawattstunde. Der Euro stieg auf 1,1642 Dollar.

Im deutschen Energiesektor zeigte sich ein gespaltenes Bild. RWE gewann 0,9 Prozent auf 57,14 Euro, das Analysten-Kursziel liegt bei 62,83 Euro — allerdings fiel das operative erste Quartal schwach aus: Das EPS sank auf 0,03 Euro nach 1,07 Euro im Vorjahr, der Umsatz ging um 32,81 Prozent auf 4,29 Milliarden Euro zurück. Für 2026 erwarten Analysten dennoch 2,70 Euro Gewinn je Aktie. Uniper dagegen verlor 0,9 Prozent auf 49,50 Euro im Tradegate-Handel und rutschte vom 52-Wochen-Hoch bei 56,30 Euro ab. Das EPS stieg zwar auf 0,80 Euro nach 0,20 Euro, aber der Umsatz fiel um 18,43 Prozent auf 17,34 Milliarden Euro. Für Trader, die gestern noch das Uniper-Momentum spielten: Die relative Stärke hat vorerst gewechselt.

Bitcoin: Seitwärts vor dem großen Optionsverfall

Bitcoin handelte am 25. Mai um 77.343 Dollar und bleibt damit im Wartemodus. Der entscheidende Termin liegt am 29. Mai: Dann laufen Optionen im Volumen von 3,7 Milliarden Dollar aus. Die Max-Pain-Zone auf Deribit liegt zwischen 76.000 und 79.000 Dollar. Calls dominieren dort mit 56,79 Prozent gegenüber 43,21 Prozent Puts — an der CME überwiegen dagegen Puts, was auf institutionelle Absicherung hindeutet. ETF-Abflüsse von mehr als 2 Milliarden Dollar in zwei Wochen bremsen den Aufwärtsdrang zusätzlich. Bitcoin ist derzeit keine Momentum-Story, sondern ein Level-Trade: Wer die Grenzen der Max-Pain-Zone kennt, kann sich positionieren.

Was diese Woche zählt

Die nächsten Tage entscheiden, ob der MDAX-Ausbruch auf Vierjahreshoch Anschlusskäufe bekommt oder als Feiertagsimpuls in dünner Liquidität verpufft. Vier Termine bestimmen den Rhythmus: die Wiedereröffnung der US-Märkte am Dienstag, die Entwicklung der Iran-Gespräche, der Bitcoin-Optionsverfall am 29. Mai und die US-PCE-Daten am 30. Mai — der Inflationsbericht, den ich bereits am Wochenende als wichtigsten Termin der Woche markiert hatte.

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Für kurzfristige Anleger bleibt die Kernfrage einfach: Bestätigen Delivery Hero, JENOPTIK und die MDAX-Gewinner ihre Stärkesignale auch bei vollem Orderbuch? Wenn ja, hat die zweite Reihe einen echten Trendwechsel eingeleitet. Wenn nicht, war Montag ein Geschenk der dünnen Volumina. Handeln Sie entsprechend.

Herzlichst, Ihr Andreas Sommer

Über Andreas Sommer 4616 Artikel

Über mich: Erfahrung für Ihren Anlageerfolg

Als Finanzanalyst und Börsenjournalist beschäftige ich mich seit über vier Jahrzehnten intensiv mit den Finanzmärkten. Meine Spezialisierung liegt auf der Analyse wachstumsstarker Aktien und der Entwicklung von Anlagestrategien, die fundamentale Bewertung mit technischer Analyse kombinieren.

Ein zentraler Aspekt ist das Timing („Timing is Money“), denn Risikobegrenzung ist essenziell („Vermeiden ist besser als Verlieren!“). Mein Ziel ist es, Ihnen klare Orientierung in dynamischen Märkten zu bieten.

Mein Weg an die Börse: Vom Bankberater zum Analysten

Meine Faszination für die Finanzmärkte entwickelte sich schon früh. Wichtige Stationen meines Weges sind:

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  • Wendepunkt 1987: Der Börsencrash weckte mein tiefes Interesse an der technischen Analyse als wichtiges Instrument zur Risikosteuerung.
  • Finanzjournalismus: Als Finanzredakteur und Chefredakteur für Börsenpublikationen vertiefte ich meine Marktkenntnisse.
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Meine Arbeit: Analysen, Strategien und Einblicke

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