Liebe Traderinnen und Trader,
für Europas Banken beginnt eine Woche, in der fast alle großen Häuser ihre Zahlen vorlegen.
Am Freitag nach US-Börsenschluss beließ Moody’s Frankreichs Bonitätsnote unverändert, allerdings mit negativem Ausblick. Der Anleihemarkt hatte eine Herabstufung schon eingepreist, also in den Kursen vorweggenommen. Am Samstag gingen in Frankreich erneut Hunderttausende auf die Straße.
Warum zählt das für die Deutsche Bank, die am Mittwoch um 7 Uhr berichtet, mehr als der Fed-Entscheid am Mittwoch um 19 Uhr? Die Banken legen ihre Zahlen ausgerechnet in einer Woche vor, in der der Risikoaufschlag auf französische Staatsanleihen so hoch ist wie seit 2011 nicht. Gemeint ist der Zusatzzins, den Anleger dafür verlangen, einem Staat Geld zu leihen.
Deutsche Bank: Die Messlatte für Mittwoch
Die Deutsche Bank muss sich am Mittwoch, 28. Oktober, um 7 Uhr an starken Vorquartalen messen lassen. Im Vorjahresquartal verdiente sie 2,4 Milliarden Euro vor Steuern, im zweiten Quartal 2026 waren es 2,68 Milliarden Euro. Die Pressekonferenz folgt um 8 Uhr.
Die Deutsche Bank ist nicht allein. HSBC berichtet am Dienstag um 8 Uhr, BNP Paribas am Mittwoch um 7 Uhr, Société Générale am Donnerstag um 6.30 Uhr. ING folgt am Donnerstag um 7 Uhr, Intesa Sanpaolo am Freitag um 12 Uhr.
Dazu kommt London. Schatzkanzler John Healey stellt laut Bloomberg am Mittwoch seinen ersten Haushalt vor. Das Finanzministerium erwägt demnach höhere Steuern für Banken, um Haushalte bei den Energiekosten zu entlasten.
Frankreich: Zwei Kräfte zerren an der Bankbilanz
Steigt der Risikoaufschlag eines Staates, fallen die Kurse seiner Anleihen, und Banken mit solchen Papieren müssen die Verluste in der Bilanz zeigen. Steigende Zinsen vergrößern zugleich den Abstand zwischen Kredit- und Einlagenzins, und genau daran verdient eine Bank ihr Grundgeschäft. Beide Wirkungen laufen diese Woche gegeneinander.
Die Renditen französischer Staatsanleihen liegen über 5 Prozent, die Bauzinsen in Deutschland bei 4,5 Prozent, beides Mehrjahreshochs. Andrew Kenningham von Capital Economics erwartet eine sich zuspitzende Haushaltskrise in Frankreich mit weiter steigenden Risikoaufschlägen. Den Schaden hält er aber für weitgehend auf den französischen Anleihemarkt begrenzt.
Droht daraus eine echte Finanzkrise? Ismael García Puente von Mapfre AM nennt die Bedingungen dafür: eine Regierung, die ihre Lage leugnet, europäische Partner, die sie fallen lassen, und fehlende Kriseninstrumente. Keine davon sei derzeit erfüllt.
Meine Folgerung: Die Quartalszahlen zeigen ein abgeschlossenes Quartal, der Risikoaufschlag auf Paris ist dagegen ein Preis, der sich noch während der Pressekonferenz ändern kann, und auf diesen Preis reagiert die Bankaktie.
Bankaktien: Jedes Haus hat sein eigenes Risiko
Für BNP Paribas und Société Générale liegt das Risiko im Heimatmarkt, dessen Haushalt für 2027 durch die Proteste gefährdet ist. Für HSBC liegt es laut Bloomberg im Londoner Haushalt mit den erwogenen Bankensteuern. Und die Deutsche Bank? Für sie liegt es aus meiner Sicht im Zinspfad.
Die Fed entscheidet am Mittwoch um 19 Uhr, Volkswirte erwarten im Schnitt eine unveränderte Obergrenze des Leitzinses von 4 Prozent. Der Entscheid fällt nach Xetra-Schluss, der DAX kann also erst am Donnerstag darauf reagieren. Die EZB entscheidet am Donnerstag um 14.15 Uhr, erwartet wird ein unveränderter Hauptrefinanzierungssatz von 2,65 Prozent. Zu diesem Zins leihen sich Banken Geld bei der Notenbank.
Zögern Notenbanken Zinssenkungen hinaus, bleibt der Zinsüberschuss der Banken hoch. Kredite werden aber teurer, und die Ausfallrisiken wachsen. Genau diese Spannung handeln Händler in den Bankaktien dieser Woche.
Ifo, Porsche, Fed: Die Woche in drei Terminen
Montag, 26. Oktober, 10 Uhr: Ifo-Geschäftsklimaindex für Oktober, Volkswirte erwarten kaum Veränderung zum Vormonat. Er zählt für den DAX, der zum Wochenschluss über seinem langfristigen Durchschnittskurs bei 24.856 Punkten stand, aber unter dem kürzerfristigen bei 25.637 Punkten. Solche Durchschnittslinien glätten die Kurse vieler Handelstage und dienen Tradern als Orientierung.
Dienstag, 27. Oktober, 7.30 Uhr: Porsche legt die Zahlen für die ersten neun Monate vor, nachdem die weltweiten Auslieferungen deutlich zurückgegangen sind. Was muss Porsche zeigen? Die Strategie „Sportwagenschmiede ’35“ soll belegen, wie Porsche mit weniger Stückzahlen höhere Renditen erreicht. Die Aktie schloss die Woche nahe 42 Euro.
Mittwoch, 28. Oktober, 19 Uhr: Fed-Entscheid, Pressekonferenz um 19.30 Uhr. Reuters beschreibt die KI-Rally als wackelig, nachdem Meta und Lam Research enttäuschten, und zählt in dieser Woche Zahlen von Alphabet, Microsoft und Amazon. „Es sind viele Bälle in der Luft“, sagt Stratege Nick Giorgi. Für den Nasdaq 100 ist dieser Abend der Stresstest.
Audi und Saudi-Arabien: Was das Wochenende brachte
Audi will für vier Milliarden Dollar ein Werk in Macon, Georgia, bauen und dort jährlich 200.000 SUV der Reihen Q7, Q8 und Q9 fertigen. Präsident Trump verkündete das auf einer Wahlkampfveranstaltung, Audi-Chef Gernot Döllner kam dafür auf die Bühne. Laut Bloomberg hofft Volkswagen auf Erleichterung bei den Importzöllen, die Scout-Fabrik in South Carolina soll wachsen.
Szenenwechsel an den Golf. Die Huthis meldeten Angriffe auf Aramco-Anlagen in Janbu, die Raffinerie Rabigh und saudische Flughäfen, das Ölfeld Schaiba lief laut Energieministerium weiter. Die Ölsorte Brent schloss die Woche bei rund 117 Dollar, nahe dem Jahreshoch von 118,35 Dollar aus dem März.
Bitcoin: Der Fed-Entscheid als Richtungsgeber
Bitcoin stand am Samstagabend bei rund 80.800 Dollar und damit kaum verändert seit Freitag. Zwischenzeitlich fiel der Kurs am Samstag auf 79.146 Dollar, den tiefsten Stand seit über einem Monat. Dabei wurden in großem Stil Positionen aufgelöst, also Wetten zwangsweise geschlossen.
Worauf setzen die Optimisten? Abhebungen großer Adressen und Zuflüsse in Fonds von Fidelity und BlackRock nähren die Hoffnung auf 84.000 Dollar. Ether verlor seit Freitag etwas mehr als Bitcoin.
Marschroute
Die Antwort auf die Leitfrage fällt am Mittwoch um 7 Uhr. Sie steht nicht in der Gewinnzeile der Deutschen Bank, sondern im Kurs der französischen Staatsanleihe daneben. Am Mittwoch um 19 Uhr folgt die Fed, erwartet wird eine Obergrenze von 4 Prozent.
Beim DAX bleiben 24.856 und 25.637 Punkte die Grenzen. Porsche geht vom Wochenschlusskurs aus in den Dienstag, bei Bitcoin markiert das Samstagstief die Marke nach unten. Starten Sie wach in diese Woche.
Gute Trades,
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