Nach anfänglichen Sorgen über ein langsameres Tempo bei künstlicher Intelligenz greifen Anleger am heutigen Mittwoch wieder beherzt bei europäischen Chip- und Infrastrukturwerten zu. Der Grund für den Stimmungsumschwung liegt in angehobenen Marktprognosen und der Erkenntnis, dass selbst strengere Sicherheitsanforderungen den Bedarf an Rechenleistung weiter antreiben.

Vor allem Papiere von Ausrüstern und Chipherstellern wie ASML, Infineon und STMicroelectronics verzeichneten zur Wochenmitte deutliche Gewinne. Auch Titel aus dem MDAX wie Aixtron, Siltronic und Elmos legten kräftig zu. Bei Elmos stützte zusätzlich eine frische Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 175 Euro. Die Aktie kletterte um rund 7 Prozent auf fast 145 Euro.

Breiteres Fundament für den Chipsektor

Hinter der Zuversicht steht eine Neubewertung des langfristigen Wachstums. Die Bank of America hob ihre Schätzung für das weltweite Halbleitermarktvolumen im Jahr 2030 von 2,7 auf 3,2 Billionen Dollar an. Das entspricht für den Zeitraum von 2026 bis 2030 einem jährlichen Zuwachs von 18 Prozent statt der bislang erwarteten 14 Prozent.

Der Boom stützt sich längst nicht mehr nur auf reine Rechenzentren für Sprachmodelle. Zunehmend ziehen die Bereiche Speicher, Industrie und Automobilelektronik mit. Bei DRAM-Speichern wird für 2026 ein Investitionssprung um 50 Prozent auf 45 Milliarden Dollar erwartet.

Besonders stark profitieren die Ausrüster von Halbleiterfabriken. Der Markt für dieses Equipment soll 2026 um 33 Prozent auf 156 Milliarden Dollar zulegen und 2027 bereits 210 Milliarden Dollar erreichen. Unternehmen mit Schlüsseltechnologien für moderne Fertigungsverfahren bleiben daher in einer komfortablen Position.

Steigender Chipbedarf pro Fahrzeug

Im Automobilsektor zeigt sich eine bemerkenswerte Entkopplung. Zwar bleibt die reine Fahrzeugproduktion schwach, der verbaute Halbleiterwert pro Auto steigt jedoch kontinuierlich. Fahrerassistenzsysteme und softwaredefinierte Fahrzeuge treiben diesen Trend voran.

Für das Segment der Automobilelektronik wurde die Halbleiterprognose für 2026 deshalb um 12 Prozent auf 60 Milliarden Dollar angehoben. Der Industriemarkt soll im selben Jahr um 32 Prozent auf 66 Milliarden Dollar wachsen. Dagegen bleiben Smartphones und PCs mit einem prognostizierten Rückgang von jeweils 9 Prozent vorerst die Schwachstellen der Branche.

Zuletzt aufgekommene Befürchtungen, Sicherheitsbedenken großer Entwickler könnten die Investitionen bremsen, verflüchtigen sich derweil an den Märkten. Analysten der Citigroup verweisen darauf, dass die Überprüfung und Absicherung komplexer KI-Modelle extrem rechenintensiv ist. Strengere Sicherheitsvorgaben dürften die Nachfrage nach Rechenleistung und Infrastruktur mittelfristig folglich weiter vergrößern.