Haleon reagiert auf das schwache Umsatzwachstum nicht nur mit einer niedrigeren Jahresprognose. Vorstandschef Brian McNamara hat die Beschäftigten heute laut Reuters auch auf schwierige Investitionsentscheidungen vorbereitet. Schnellere Innovationen, eine bessere kommerzielle Umsetzung und effizientere Werbung sollen das Geschäft voranbringen. Die unveränderte Gewinnprognose steht damit einer zunehmend anspruchsvollen Wachstumsaufgabe gegenüber.
China belastet über das Quartal hinaus
Besonders schwer kalkulierbar ist die Entwicklung in China. Eine geänderte Rohstoffklassifizierung hat Haleon gezwungen, Importe betroffener rezeptfreier Centrum-Produkte bis auf Weiteres auszusetzen. Laut Reuters zeichnet sich keine kurzfristige Lösung ab. Die Störung könnte auch 2027 anhalten.
Haleon betont, dass es sich nicht um eine Qualitäts- oder Sicherheitsfrage handelt. Als Lebensmittel eingestufte Produkte sind nicht betroffen. Für Anleger ist diese Abgrenzung wichtig: Die Unterbrechung betrifft einen bestimmten Teil des Centrum-Geschäfts und nicht sämtliche Produkte der Marke.
Die betroffenen Produkte erzielten im Geschäftsjahr 2025 einen Umsatz von rund 75 Millionen Pfund. Im dritten Quartal belastete das Klassifizierungsproblem das Konzernwachstum um etwa 50 Basispunkte. Damit erklärt China einen Teil der Umsatzschwäche, aber nicht deren gesamte Ursache.
Hinzu kommt die schwache Nachfrage nach Husten-, Erkältungs- und Grippemitteln in Nordamerika. Sie führte zu geringeren Bestellungen. Das Management muss somit gleichzeitig auf saisonale Nachfrageschwäche und regulatorische Hindernisse reagieren.
Gewinnziel bleibt trotz Wachstumslücke bestehen
Für 2026 erwartet Haleon jetzt rund 2,5% organisches Umsatzwachstum statt bisher 3–5%. Der von Reuters genannte Analystenkonsens lag bei 3,2%. Die neue Prognose unterschreitet damit sowohl die bisherige Zielspanne als auch die Markterwartung.
Beim bereinigten Betriebsgewinn hält Haleon dagegen an einem hohen einstelligen Wachstum zu konstanten Wechselkursen fest. Die angekündigten Verbesserungen bei Innovation, Vertrieb und Werbeeffizienz erhalten vor diesem Hintergrund besonderes Gewicht. Konkrete neue Sparmaßnahmen oder Investitionskürzungen hat das Unternehmen damit noch nicht benannt.
Im dritten Quartal 2026 erreichte der Umsatz 2,868 Milliarden Pfund. Das organische Wachstum betrug 2,6% und blieb hinter den Erwartungen zurück. Die Mundgesundheit setzte mit einem organischen Plus von 8,8% einen deutlichen Gegenakzent.
Die robuste Entwicklung dieses Bereichs konnte die Belastungen im übrigen Geschäft allerdings nicht vollständig ausgleichen. Auch regional verlief die Entwicklung uneinheitlich: Während Nordamerika und Asien-Pazifik wuchsen, schrumpfte das Geschäft in Europa organisch.
RBC-Analyst James Edwardes Jones sieht das mittelfristige jährliche Wachstumsziel von 4–6% inzwischen als schwer erreichbar an. Die Börse reagiert deutlich auf die verschlechterte Perspektive: Die Tagesveränderung der Aktie beträgt -15%.
Brasilien-Umbau und Rückkauf setzen weitere Akzente
Zusätzlichen Gegenwind erwartet Haleon durch den beschleunigten Wechsel des Vertriebsmodells in Brasilien. Die Umsetzung im vierten Quartal 2026 soll den Konzernnettoumsatz voraussichtlich um 15–20 Millionen Pfund belasten. Diese geplante Umstellung kommt zu den Problemen in China und der schwachen Erkältungsnachfrage hinzu.
Parallel setzt Haleon auf Kapitalrückflüsse an die Aktionäre. Das heute gestartete Rückkaufprogramm ändert jedoch nichts an der operativen Herausforderung: Entscheidend bleibt, ob das Unternehmen seine Wachstumsdynamik wieder verbessern kann.
Das Programm umfasst bis zu 500 Millionen Pfund und soll spätestens am 19.02.2027 enden. Rund 80% der erworbenen Aktien sollen anschließend eingezogen werden. Die vollständige Umsetzung ist nicht garantiert; die übrigen Aktien sind für Mitarbeiteraktienpläne vorgesehen.
Mit den Jahresergebnissen am 25.02.2027 folgt der nächste wichtige Prüfpunkt. Dann wird sich zeigen, ob Haleon die niedrigere Umsatzprognose und das unveränderte Gewinnziel zusammen erreichen konnte. Für die längerfristige Perspektive zählen vor allem Fortschritte bei Centrum in China und die Umsetzung der von McNamara benannten Verbesserungen.
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