Die globalen Finanzmärkte stehen unter erheblichem Druck, nachdem US-Präsident Donald Trump seine Handelspolitik dramatisch verschärft hat. Mit Zöllen von bis zu 50 Prozent auf Dutzende Handelspartner zeigt Washington seine neue Härte – und die Märkte reagieren nervös.

Massive Zollerhöhungen erschüttern Welthandel

Trump hat sein Versprechen wahrgemacht und die Zollschrauben erheblich angezogen. Kanada trifft es mit 35 Prozent besonders hart, nachdem Ottawa nach Ansicht Washingtons nicht ausreichend gegen den Fentanyl-Schmuggel vorgegangen ist. Brasilien muss sogar 50 Prozent verkraften, während Indien mit 25 Prozent bestraft wird, nachdem Gespräche über Agrarmarktzugang gescheitert sind.

Bemerkenswert ist die unterschiedliche Behandlung der Nachbarn: Während Kanada zusätzliche Strafzölle erhält, gewährte Trump Mexiko eine 90-tägige Gnadenfrist für weitere Verhandlungen. "Die Kanadier haben nicht das gleiche konstruktive Verhalten gezeigt wie die mexikanische Seite", begründete ein US-Regierungsvertreter die harte Linie.

Einige Länder konnten durch Verhandlungen glimpflicher davonkommen: Südkorea akzeptierte 15 Prozent und verpflichtete sich zu 350 Milliarden Dollar Investitionen in den USA. Thailand erhielt moderate 19 Prozent, deutlich weniger als die ursprünglich angedrohten 36 Prozent. Australien blieb bei den niedrigsten 10 Prozent – ein Privileg, das der positive Handelsbilanzüberschuss der USA mit Down Under begünstigt haben dürfte.

Asiatische Märkte unter Druck

Die Börsen in Asien reagierten prompt mit Verlusten. Der MSCI Asia-Pacific Index fiel um 0,4 Prozent, womit sich die Wochenverluste auf 1,5 Prozent summieren. Südkoreas KOSPI brach um 1,6 Prozent ein, während Japans Nikkei 0,6 Prozent verlor.

Besonders dramatisch entwickelt sich die Lage am Devisenmarkt: Der Yen stürzte auf ein Vier-Monats-Tief von 150,89 je Dollar ab. Japans Finanzminister Katsunobu Kato zeigte sich "alarmiert" über die jüngsten Währungsbewegungen und warnte vor spekulativen Attacken. Die Bank of Japan hatte zuvor signalisiert, dass die aktuellen Wechselkurse keinen unmittelbaren Einfluss auf die Inflationsaussichten hätten – ein Statement, das Händler als Toleranz für die Yen-Schwäche interpretierten.

Der Dollar-Index kletterte auf den höchsten Stand seit zwei Monaten und steuert auf das beste Wochenplus seit Ende 2022 zu. Fed-Zinssenkungserwartungen schwinden, nachdem die Inflation im Juni anzog und die Arbeitslosenzahlen stabil blieben.

Wirtschaftsdaten senden gemischte Signale

Während sich die Handelsspannungen verschärfen, zeigen Wirtschaftsdaten unterschiedliche Trends. Australiens Erzeugerpreise stiegen im zweiten Quartal weniger stark als erwartet, das Jahreswachstum fiel auf den niedrigsten Stand seit vier Jahren. Haupttreiber waren höhere Wohnungsmieten, während fallende Ölraffinerie-Preise dämpfend wirkten.

China meldet dagegen schlechte Nachrichten: Die Fabrikaktivität schrumpfte im Juli, der S&P Manufacturing PMI fiel auf 49,5 Punkte. Neue Exportaufträge kontrahierten den vierten Monat in Folge, ein deutliches Zeichen für die Auswirkungen der Handelsunsicherheit. Ökonomen warnen, dass der Exportschub zu Jahresbeginn – als Unternehmen vor erwarteten Zollerhöhungen vorproduzierten – nun nachlässt.

Unternehmen bereiten sich auf neue Realität vor

Die Auswirkungen der Zollpolitik werden bereits in den Verbraucherpreisen sichtbar. US-Daten zeigen sprunghafte Preisanstiege bei Haushaltswaren um 1,3 Prozent im Juni – der stärkste Anstieg seit März 2022. Freizeitgüter und Fahrzeuge verteuerten sich um 0,9 Prozent.

Apple berichtete überraschend starke Quartalszahlen und prognostiziert höhere Umsätze, da Kunden frühzeitig iPhones kauften, um Zöllen zu entgehen. Amazon enttäuschte hingegen die Erwartungen, die Aktie fiel nachbörslich um 6,6 Prozent.

Ausblick ungewiss

Fed-Zinssenkungserwartungen sind drastisch gesunken: Nur noch 39 Prozent Wahrscheinlichkeit für September, verglichen mit 65 Prozent vor der Fed-Sitzung. Die anstehenden US-Arbeitsmarktdaten könnten weitere Zinsspekulationen zunichte machen.

Finanzminister Scott Bessent deutete an, dass weitere Handelsabkommen in Vorbereitung seien, auch mit China steht das Datum 12. August für ein mögliches Abkommen. Doch die Unsicherheit bleibt hoch – und die Märkte dürften weiter volatil bleiben, bis sich die neue Handelsordnung etabliert hat.