Hapag-Lloyd unternimmt einen massiven Vorstoß, um die ins Stocken geratene Übernahme der israelischen Reederei ZIM Integrated Shipping Services zu retten. Die Hamburger Reederei hat gemeinsam mit dem Partner FIMI einen überarbeiteten Vorschlag vorgelegt, der weitreichende Zugeständnisse an den israelischen Staat vorsieht.

Das Ziel ist es, die erheblichen Bedenken innerhalb der Regierung in Jerusalem auszuräumen und den rund 4,2 Milliarden USD schweren Bar-Deal doch noch zum Abschluss zu bringen.

Drastische Senkung der Beteiligungsschwellen

Das Herzstück des neuen Angebots ist eine deutliche Verschärfung der Kontrollmechanismen zugunsten Israels. Wie Medienberichten zu entnehmen ist, sieht der Plan vor, die Meldeschwelle für ausländische Einzelinvestoren drastisch von bisher 24 Prozent auf nun 10 Prozent zu senken. Damit reagieren die Partner auf Forderungen nach einem stärkeren Schutz vor ausländischer Einflussnahme auf die maritime Infrastruktur des Landes.

Ein weiterer zentraler Punkt des verbesserten Angebots betrifft den Verbleib strategisch wichtiger Kapazitäten unter nationaler Kontrolle. Der Partner FIMI soll demnach einen Geschäftsbereich mit 16 Schiffen übernehmen, der als „ZIM Israel“ fungieren und unter voller israelischer Kontrolle verbleiben wird.

Zudem ist vorgesehen, dass das Unternehmen ZIM Israel nicht an Börsen außerhalb Israels gelistet wird. Hapag-Lloyd-CEO Rolf Habben Jansen betonte in diesem Zusammenhang heute, dass der neue Vorschlag den Zugang Israels zu kritischen Schifffahrtsverbindungen, insbesondere den Routen nach Asien, dauerhaft sicherstellen werde.

Politischer Widerstand in Jerusalem

Trotz dieser Zugeständnisse steht die Übernahme vor einer schwierigen Hürde. Derzeit lehnen sechs von acht betroffenen Regierungsstellen das Vorhaben ab.

Insbesondere Verteidigungsminister Israel Katz sowie Premierminister Netanjahu hatten sich in der Vergangenheit kritisch geäußert oder gar eine Annullierung der Pläne gefordert. Auch die Belegschaft von ZIM leistet Widerstand gegen den bereits im Februar angekündigten Deal, der einen Kaufpreis von 35 USD je Aktie vorsieht.

Die israelischen Behörden fordern für eine Genehmigung nicht nur eine „Goldene Aktie“ für den Staat, sondern auch einen erweiterten Zugang zu Schifffahrtslinien. Während der ursprüngliche Entwurf den Zugriff auf drei Linien vorsah, verlangt der Staat nun die Absicherung von mindestens sechs Linien sowie getrennte IT-Systeme für die nationalen Einheiten.

Hapag-Lloyd und FIMI haben nun eine Frist bis zum 27. September erhalten, um das Angebot in der Weise umzustrukturieren, dass eine verstärkte staatliche Aufsicht gewährleistet ist.

Strategische Synergien und Marktreaktion

Sollte der Zusammenschluss gelingen, würde eine kombinierte Flotte von mehr als 400 Schiffen mit einer Kapazität von über 3 Millionen TEU (Standardcontainer) entstehen. Hapag-Lloyd rechnet durch die Integration von ZIM mit jährlichen Synergieeffekten in einer Größenordnung von 300 bis 500 Millionen USD. Diese Einsparungen sollen vor allem durch eine optimierte Netzplanung und gemeinsam genutzte Logistikressourcen erzielt werden.

An der Börse reagierte das Papier heute verhalten auf die Nachrichten über die Nachbesserungen und notiert mit einem leichten Plus von 0,1 Prozent bei 134,50 Euro. Die Aktie stabilisiert sich damit weiter oberhalb ihres 200-Tage-Durchschnitts, der aktuell bei 122,45 Euro verläuft.

Während die Aktionäre von ZIM bereits ihre Zustimmung zu dem 4,2 Milliarden USD schweren Gebot gegeben haben, bleibt die finale behördliche Entscheidung in Israel der entscheidende Faktor für den Erfolg der Transaktion.