Liebe Traderinnen und Trader,
der erste Handelstag des vierten Quartals war eine Lehrstunde in Umkehrkerzen. Der DAX rutschte am Vormittag unter 25.000 Punkte auf den tiefsten Stand seit Ende Juli, belastet von Brent über der 100-Dollar-Marke und Bundrenditen auf dem höchsten Niveau seit 2009. Am Nachmittag holte der Index einen Großteil der Verluste wieder auf, notiert aber weiter unter der runden Marke. Für Trader zählt an diesem Donnerstag nicht der Index, sondern die Frage, welche Einzelwerte am Tief gedreht haben und welche noch fallen.
Heidelberg Materials: Die sauberste Umkehr im DAX
Heidelberg Materials lieferte das klarste Umkehrsignal im Index. Die Aktie markierte am Vormittag bei 137,60 Euro ein neues 52-Wochen-Tief und notiert aktuell bei 146,95 Euro, ein Plus von 3,7 Prozent gegenüber dem Vortag. Der Vortagesschluss von 141,70 Euro ist damit zurückerobert.
Den Anstoß gab Jefferies: Analystin Glynis Johnson bestätigte das Kaufvotum mit Kursziel 286 Euro. Für das dritte Quartal erwartet sie ein organisches Wachstum von 4,6 Prozent und eine Bestätigung der Jahresziele; der Bericht kommt am 4. November. Das Kursziel entspricht vom aktuellen Niveau aus nahezu einer Verdopplung.
Zur Einordnung: Seit Jahresbeginn liegt Heidelberg Materials 34 Prozent im Minus, das Januarhoch bei 241,70 Euro ist weit entfernt. Eine Umkehr vom Jahrestief auf eine Analystenstudie hin ist noch kein Trendwechsel, aber sie liefert genau das, was seit Januar gefehlt hat: ein definiertes Tief als Stoppmarke und einen Prüftermin mit Datum. Wer einsteigt, sichert eng unter 137,60 Euro ab und weiß, dass am 4. November die These geprüft wird.
Gute Nachrichten, fallende Kurse
Bayer zeigt die Gegenseite. Die Aktie verliert aktuell 4,8 Prozent auf 45,46 Euro und ist der schwächste DAX-Wert des Tages. JPMorgan hält das Votum „Overweight“ mit Kursziel 61 Euro, warnt aber vor dem dritten Quartal: Die Markterwartungen seien wegen einer vorübergehenden Schwäche im Agrargeschäft zu hoch. Die Schätzungen für das Gesamtjahr lässt die Bank unverändert.
Das ist Erwartungsmanagement, keine Abstufung. Doch nach einem Anstieg von 53 Prozent in zwölf Monaten reicht ein solcher Hinweis für Gewinnmitnahmen. Das Juli-Hoch bei 53,86 Euro rückt in weite Ferne, das Tagestief bei 45,29 Euro ist nun die erste Marke, die halten muss. Eine Aktie mit einem angekündigt schwachen Quartal vor der Brust taugt nicht als Rebound-Kandidat, bevor die Zahlen auf dem Tisch liegen.
Bayer steht mit diesem Muster nicht allein. Vestas verliert aktuell 3,7 Prozent auf 25,26 Euro, obwohl JPMorgan das Votum „Overweight“ mit Kursziel 295 Kronen bestätigt, umgerechnet rund 39,50 Euro. Analyst Akash Gupta führt den Rückgang der Großaufträge im dritten Quartal auf Zollunsicherheit im US-Geschäft zurück.
Auch andere positive Meldungen verpuffen. Die Deutsche Bank bestätigt ihr Kaufvotum für Siemens Energy wegen eines neuen Batterieprojekts, die Aktie reagiert bei 142,56 Euro bislang nicht.
Fresenius übernimmt die verbleibenden 45 Prozent an mAbxience für bis zu 750 Millionen Euro, die Aktie gibt leicht nach. Micron übertraf mit 54,2 Milliarden Dollar Quartalsumsatz die eigene Prognose von höchstens 51 Milliarden und stellt 61,5 Milliarden in Aussicht; die Aktie notiert trotzdem etwas tiefer.
Selbst starke Meldungen aus Gesundheit, Energie und Hightech schützen kurzfristig nicht vor Abgaben – für die längere Linie lohnt der Blick auf die Branchen dahinter. Analyst Mike Rückert stellt in seinem kostenlosen PDF-Sonderreport fünf Aktien aus Energie, Gesundheit und Hightech vor, denen er für 2026 das größte Renditepotenzial zutraut. Fünf Aktien-Empfehlungen jetzt entdecken
Autos: Drei 52-Wochen-Tiefs, keine Umkehrkerze
Im Autosektor fallen drei Werte auf Jahrestiefs, und keiner dreht. Mercedes-Benz notiert mit 40,02 Euro knapp über dem im Tagesverlauf markierten 52-Wochen-Tief von 39,77 Euro. Seit Jahresbeginn beträgt das Minus 34 Prozent, allein im vergangenen Monat 14 Prozent.
Auf dem Papier ist Mercedes-Benz billig: FactSet schätzt für 2026 eine Dividendenrendite von 7,66 Prozent, die höchste im DAX, der Konsens sieht das Kursziel bei 59,89 Euro. Allerdings soll die Dividende 2026 laut Schätzungen auf 3,10 Euro sinken, nach 3,50 Euro.
Die Volkswagen-Vorzüge markierten im Tagesverlauf bei 67,82 Euro ein neues 52-Wochen-Tief. Sie notieren aktuell bei 68,18 Euro, gut 3 Prozent unter dem Vortagesschluss, und sind mit einem geschätzten KGV von 4,17 der günstigste Wert im Index.
Die Porsche SE notiert aktuell bei 24,74 Euro, 3 Prozent unter dem Vortagesschluss, nach einem im Verlauf markierten 52-Wochen-Tief von 24,61 Euro. Und das, obwohl die Holding am Mittwoch, 30. September, eine Schadensersatzklage in Milliardenhöhe im Kapitalanleger-Musterverfahren abgewehrt hat.
Ihre Beteiligung Porsche AG verbuchte im zweiten Quartal einen Umsatzrückgang um 5,1 Prozent auf 8,83 Milliarden Euro. Operativ ist das kein Einbruch, aber auch kein Argument, das den Markt derzeit vom Verkaufen abhält.
Drei Jahrestiefs ohne Umkehrsignal sind kein Kaufsignal, sondern die Bestätigung eines Trends – und ein KGV von 4 schützt nicht, solange der Markt die Gewinnschätzung dahinter selbst anzweifelt. Die Termine stehen: Mercedes berichtet am 28. Oktober, Volkswagen am 29. Oktober, Porsche SE am 10. November. Bis dahin gilt: keine Bodenbildung, kein Einstieg.
Banken: Steigende Renditen tragen die Aktien nicht mehr
Die Banken widerlegen eine alte Trader-Faustregel. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen stieg auf bis zu 3,65 Prozent, den höchsten Stand seit 2009; Frankreich zahlt 4,95 Prozent, Italien 4,72 Prozent. Trotzdem verliert die Deutsche Bank aktuell 1,9 Prozent auf 31,11 Euro.
Seit dem Mehrjahreshoch bei 35,84 Euro vom 8. September geht es für die Deutsche Bank fast nur abwärts, auf Monatssicht steht ein Minus von gut 9 Prozent. Die 50-Tage-Linie bei 33,13 Euro ist gerissen, die nächste Unterstützung liegt bei 29,50 bis 30,00 Euro.
Die Commerzbank hält sich mit 39,47 Euro besser, notiert aber unter ihrem Hoch von 43,34 Euro vom 16. September. Das mittlere Kursziel liegt bei 41 Euro, die Dividende soll laut Schätzungen 2026 deutlich steigen, nach 1,10 Euro für 2025. UniCredit verlor rund 3 Prozent.
Der Markt liest den Renditeanstieg nicht als Margenwunder, sondern als Stress der Staatshaushalte – und Bankbilanzen voller Staatsanleihen sind in dieser Lesart Verlierer, wie der Euro-Bund-Future mit 6,3 Prozent Minus seit Jahresanfang zeigt. Unter der 50-Tage-Linie gibt es bei der Deutschen Bank kein Long-Setup; erst die Zone um 30 Euro ist einen Blick wert.
Gold und Bitcoin: Klare Marken zum Quartalsstart
Gold bietet zum Quartalsstart die klarsten Chartmarken. Der Preis hält sich bei rund 4.160 Dollar je Unze, trotz US-Renditen auf dem höchsten Stand seit 2002. Der September kostete mehr als 6 Prozent, seit Jahresbeginn steht ein Minus von 3,5 Prozent, das Januarhoch lag nahe 5.600 Dollar. Silber verlor binnen einer Woche 6 Prozent auf rund 60 Dollar.
Dass Gold bei diesen Renditen überhaupt über 4.100 Dollar bleibt, hat strukturelle Gründe. MKS PAMP schätzt die Prämie aus der Abkehr vom Dollar auf rund 840 Dollar je Unze, vor 2022 waren es etwa 120 Dollar. China importierte von Januar bis August 1.077 Tonnen, die Bank of Korea plant Käufe ab Dezember.
Dazu kommt die Zinsfront: Die Wahrscheinlichkeit einer Fed-Erhöhung im Oktober fiel auf rund ein Drittel, vor einer Woche lag sie bei fast 70 Prozent. Goldman Sachs sieht Gold bis Jahresende bei rund 4.900 Dollar, HSBC senkte dagegen seine Prognosen.
Solange die Zone knapp über 4.100 Dollar hält, ist das eine Bodenbildung; bricht sie, liegt der nächste Halt erst bei 3.940 Dollar. Nach oben beginnt der Widerstand bei 4.230 Dollar und reicht bis 4.325 Dollar.
Bitcoin schloss das dritte Quartal mit 39,6 Prozent Plus ab. Citi hebt das Zwölfmonatsziel auf 113.000 Dollar, doch die US-Spot-ETFs verzeichneten am Mittwoch den ersten Nettoabfluss nach neun Tagen Zuflüssen.
Wer sich zum Quartalsstart durch Stoppmarken, Unterstützungszonen und Prüftermine arbeitet, übersieht leicht Titel jenseits der bekannten Standardwerte. Der PDF-Sonderreport von Top-Analyst Mike Rückert nimmt fünf Aktien ins Visier, die von Megatrends wie Energiewende, Gesundheitsinnovationen und Hightech-Revolution profitieren könnten, bevor die breite Masse sie bemerkt. Sonderreport sichern
Marschroute
Die Marken für die nächsten Sitzungen: Heidelberg Materials bleibt long, solange 137,60 Euro hält. Bayer braucht das Tagestief von 45,29 Euro als Boden, sonst öffnet sich der Raum nach unten. Mercedes-Benz bei 39,77 Euro und die Deutsche Bank bei 29,50 bis 30,00 Euro sind Beobachtungsmarken, keine Einstiegsmarken.
Vonovia markierte am Donnerstag ein neues 52-Wochen-Tief bei 16,60 Euro; die nächste Unterstützungszone liegt bei etwa 15,36 Euro, JPMorgan hält trotzdem am Kaufvotum fest. Bei Gold entscheidet die Zone über 4.100 Dollar, bei Bitcoin ist der Tagesschluss über 85.600 Dollar das Ausbruchssignal.
Der DAX hat die 100-Tage-Linie im September gebrochen; erst eine Rückeroberung der 25.000 Punkte macht die Erholung vom Nachmittag glaubwürdig. Der Fahrplan: Heidelberg Materials 4. November, Commerzbank 5. November, Siemens 12. November.
Gute Trades,
Ihr Andreas Sommer
Stand heute, 1. Oktober: Heidelberg Materials – Kaufen, halten oder verkaufen?
Wer in Heidelberg Materials investiert ist oder einen Einstieg prüft, sollte die Lage jetzt neu bewerten. Die Gratis-Analyse vom 1. Oktober gibt die klare Antwort – und zeigt, warum Abwarten gerade jetzt riskanter sein kann, als es wirkt.


