Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst will die wirtschaftliche Partnerschaft mit der Türkei vertiefen. Am Montagmorgen brach der CDU-Politiker in Begleitung einer hochkarätigen Wirtschaftsdelegation zu einer dreitägigen Reise nach Ankara und Istanbul auf. Es ist der erste Besuch eines nordrhein-westfälischen Regierungschefs in dem Land überhaupt. Das Ziel formuliert Wüst offensiv: ein neues Kapitel in den bilateralen Beziehungen aufzuschlagen.
Enge wirtschaftliche Verflechtung
Den historischen Anlass der Reise bildet das 65. Jubiläum des deutsch-türkischen Anwerbeabkommens. Ökonomisch ist das Bundesland stark mit der Türkei verflochten. Das jährliche bilaterale Handelsvolumen liegt zwischen zehn und zwölf Milliarden Euro. Das entspricht rund 20 Prozent des gesamten deutsch-türkischen Warenaustauschs.
Mehr als 1.200 türkische Firmen sind derzeit in Nordrhein-Westfalen aktiv. Umgekehrt nutzen deutsche Konzerne den türkischen Markt als Fertigungsstandort. In Ankara besucht Wüst am Montag unter anderem ein Werk des Düsseldorfer Konsumgüterherstellers Henkel und trifft türkische Wirtschaftsvertreter. Am Dienstag folgt in Istanbul die Teilnahme an einer Wirtschaftskonferenz.
Politisches Spannungsfeld
Die Annäherungsversuche finden in einem heiklen Umfeld statt. Die Verhandlungen über einen Beitritt der Türkei zur Europäischen Union liegen wegen Rückschritten bei Rechtsstaatlichkeit und Demokratie auf Eis. Erst Mitte September lösten Razzien gegen zivilgesellschaftliche Gruppen sowie der anhaltende Druck auf die politische Opposition neue Kritik aus. Die Landesregierung argumentiert, dass eine enge wirtschaftliche Partnerschaft die Voraussetzung schafft, um auch kritische Themen wirksam zu adressieren.
Vor seinem Abflug bezog der Regierungschef auch zu innenpolitischen Debatten Stellung. Berichten über eine mögliche Ablösung von Bundeskanzler Friedrich Merz erteilte er eine Absage und betonte, sein Amt in Düsseldorf fortführen zu wollen. Nach den Wirtschaftsgesprächen endet der Besuch am Dienstag in Istanbul mit einer Auszeichnung für den ehemaligen deutschen Fußball-Nationalkapitän Ilkay Gündogan.


