Liebe Traderinnen und Trader,
Rheinmetall fehlt in den neuen Kiew-Verträgen und notiert trotzdem im Plus. Bundeskanzler Merz hat in Kiew Rüstungsprojekte im Milliardenvolumen zugesagt. Die Börse sortiert die deutschen Verteidigungswerte sofort neu: Hensoldt springt, und Rheinmetall steigt mit, obwohl der Konzern leer ausgeht.
Dazu kommen frische Drohnenabwehr-Aufträge in den USA, ein SDAX-Aufstieg bei SGL Carbon und ein Ausbruch bei Cardano, der das Krypto-Geschehen aus der Bitcoin-Seitwärtsrange löst. Der DAX pendelt knapp über 25.000 Punkten, gebremst von Ölpreisen über 100 Dollar und steigenden Anleiherenditen. Die interessanten Kursbewegungen laufen also abseits der großen Indizes.
Kiews Milliarden: Hensoldt bricht aus, Rheinmetall verteidigt die Unterstützung
Die Ukraine-Zusagen verteilen das Geld eindeutig, und Rheinmetall steht nicht auf der Liste. Merz hat der Ukraine über 1 Milliarde Euro für neue Waffen und 350 Millionen Euro für Energie zugesagt.
Dazu kommen bilaterale Rüstungsprojekte, die Selenskyj mit 8,5 Milliarden Euro beziffert und deutsche Regierungskreise mit 6,5 Milliarden Euro. Die Aufträge gehen an Diehl Defence (Iris-T-Luftabwehr), Hensoldt (Satellitentechnik) und Quantum Systems (Abfangdrohnen). Rheinmetall taucht in keinem der Projekte auf.
Die Börse reagiert prompt: Hensoldt notiert im Verlauf bei 83,70 Euro, ein Plus von 5,4 Prozent, das Tageshoch liegt bei 84 Euro. Das 52-Wochen-Hoch von 117,70 Euro vom Oktober 2025 bleibt zwar fern.
Doch seit Jahresbeginn liegt Hensoldt 14 Prozent im Plus und zählt damit zu den wenigen Rüstungstiteln mit positiver Jahresbilanz. Die lukrativen Teile des Rüstungsbooms wandern derzeit nach Bayern, nicht nach Düsseldorf.
Rheinmetall ist dennoch der spannendere Trade. Die Aktie hat am Freitag die Unterstützung bei 946,60 Euro verteidigt und notiert aktuell bei 980,80 Euro, 2,2 Prozent im Plus. Das Tagestief lag bei 952,50 Euro, also oberhalb der entscheidenden Marke.
Vorstandschef Armin Papperger kaufte am 29. September 525 Aktien zu Kursen um 950 Euro, Volumen knapp 500.000 Euro. Hält die Unterstützung, liegt das nächste charttechnische Ziel bei 1.122 Euro. Die Analysten sehen weit mehr: Bernstein nennt 1.900 Euro, Berenberg 1.600 Euro.
Dass der Kurs trotz der Kiew-Enttäuschung steigt, ist das eigentliche Signal. Wenn nach einem Minus von 49 Prozent binnen zwölf Monaten schlechte Nachrichten keine Verkäufe mehr auslösen, sind die Verkäufer offenbar erschöpft. Ein Tagesschluss unter 946,60 Euro würde das Setup allerdings sofort entwerten.
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Drohnenabwehr: Die Aufträge fließen jetzt zu den Spezialisten
Der Drohnenkrieg verlagert sich in die Auftragsbücher kleiner Spezialisten, und dort entstehen die großen Prozentbewegungen. Powerus (Nasdaq: PUSA) erhält einen Abruf über 82 Millionen Dollar für Drohnenabwehrsysteme unter einem Rahmenvertrag der US-Regierung. Es ist der zweite Abruf, die Lieferungen verteilen sich über die nächsten Quartale, die Fusion mit Autonomous Power wurde erst am 1. Oktober abgeschlossen.
Powerus handelt bei rund 3,20 Dollar, ein Pennystock mit echtem Regierungsauftrag. Ondas (Nasdaq: ONDS) meldet einen Auftrag über 56 Millionen Dollar für elektronische Sicherungs- und Schärfvorrichtungen eines europäischen Programms für Loitering-Munition, gefertigt in Polen.
Den Bedarf zeigt die Front: Russland startete im August 2.800 strahlgetriebene Drohnen, im Juni waren es 350. KI-gesteuerte Geschütztürme um Kiew fingen erstmals die bis zu 604 Kilometer pro Stunde schnellen Geran-5-Drohnen ab.
In Deutschland eröffnet das US-Rüstungsunternehmen Covenant eine Produktionshalle in Leipzig für den Marschflugkörper Anthem, Ziel 1.000 Stück im ersten Jahr und 5.000 im zweiten. Die Umwidmungsgenehmigung steht noch aus.
Eine börsennotierte Aktie, über die sich das Thema handeln ließe, gibt es bei dem von Wagniskapitalgebern wie Founders Fund finanzierten Covenant nicht. Für Trader gilt deshalb: Die US-Smallcaps liefern die Bewegung, Hensoldt und Rheinmetall die Liquidität.
Werkstoffe und Chips: SGL Carbon steigt in den SDAX auf, Aixtron testet die 40 Euro
In der zweiten Reihe arbeiten gleich zwei Mechanismen für die Käufer: Indexfonds bei SGL Carbon, ein Termin bei Aixtron. SGL Carbon ersetzt morgen Wüstenrot & Württembergische im SDAX. Der Kohlenstoffspezialist hat seit Jahresbeginn 57 Prozent zugelegt und allein in den vergangenen 30 Tagen 21 Prozent.
Aktuell notiert SGL Carbon bei 4,92 Euro, das 52-Wochen-Hoch von 5,66 Euro stammt vom 29. Mai. Der Indexaufstieg bringt Pflichtkäufe von Indexfonds, die Marke von 5 Euro ist das kurzfristige Ziel.
Aixtron sprang am Freitag um 7,62 Prozent auf 39,67 Euro und liegt damit wieder über der 200-Tage-Linie bei 37,26 Euro. Die 100-Tage-Linie bei 44,04 Euro ist der nächste Widerstand. Die Zahlen stützen: Der Auftragseingang stieg im zweiten Quartal um 81 Prozent auf 214,5 Millionen Euro, der Auftragsbestand um 61 Prozent auf 456,9 Millionen Euro.
JPMorgan sieht das Kursziel bei 54 Euro, der Analystenschnitt liegt bei 45,38 Euro. Der nächste Auslöser kommt am 14. Oktober: ASML legt Quartalszahlen vor, der Konsens erwartet einen Gewinnsprung je Aktie von rund 94 Prozent. Ein starker ASML-Bericht würde den gesamten europäischen Halbleiter-Ausrüstersektor mitziehen.
Auf der Kostenseite mahnt eine Zahl zur Vorsicht: Die Erzeugerpreise in der Eurozone stiegen im August um 8,2 Prozent zum Vorjahr, erwartet waren 7,6 Prozent. Brent hält sich über 100 Dollar.
Entspannung könnte vom Roten Meer kommen: Saudisch unterstützte jemenitische Regierungstruppen haben nach eigenen Angaben die Kontrolle über die Meerenge Bab el-Mandeb übernommen. Die Kämpfe mit den Huthi dauern an, doch eine Wiederöffnung der Ölroute wäre der stärkste Entlastungsfaktor für europäische Industriewerte.
Deutsche Telekom: KI-Sparziel von 2,5 Milliarden, der Kurs bleibt skeptisch
Die Telekom liefert neue Sparziele, die Börse wartet auf Belege. Auf ihrem KI-Investorentag hat die Telekom die Ziele angehoben. Bis 2027 sollen die indirekten Kosten außerhalb der USA um 1,1 Milliarden Euro sinken, zuvor waren 800 Millionen Euro geplant.
Bis 2030 peilt der Konzern 2,5 Milliarden Euro an. Der KI-Umsatz mit Geschäftskunden soll von 250 Millionen Euro in diesem Jahr auf 800 Millionen Euro steigen. Die Prognose für den freien Cashflow 2026 bleibt bei rund 20 Milliarden Euro.
Die Telekom-Aktie notiert im Verlauf bei 26,84 Euro, knapp 1 Prozent im Plus, und damit nur wenig über der charttechnischen Unterstützung bei 26 Euro. Vom 52-Wochen-Hoch bei 34,35 Euro vom Februar ist der Titel weit entfernt, das Jahrestief bei 23,54 Euro stammt vom Juni. 16 von 18 Analysten raten zum Kauf, das durchschnittliche Kursziel liegt bei 36,33 Euro.
Der Markt honoriert Sparpläne offenbar erst, wenn sie in den Zahlen ankommen. Der Test kommt am 5. November mit dem dritten Quartal, der Konsens erwartet 0,60 Euro Gewinn je Aktie.
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Cardano bricht aus, Bitcoin bleibt in der Range
Cardano ist zum Wochenstart der Ausreißer im Kryptomarkt, doch dem Ausbruch fehlt das Volumen. Die Münze stieg um rund 11 Prozent auf über 0,27 Dollar, der höchste Stand seit Mai.
Treiber sind der Start von RealFi mit bis zu 9 Prozent Jahresrendite und das geplante Dijkstra-Upgrade zwischen Ende Dezember und Anfang 2027. Die Widerstände liegen bei 0,2752 und 0,28 Dollar, die Unterstützungen bei 0,26 und 0,2432 Dollar.
Der RSI steht mit 73 im überkauften Bereich. Das Handelsvolumen auf den dezentralen Börsen von Cardano fiel binnen 24 Stunden von rund 12 auf 3 Millionen Dollar. Ein Ausbruch über 0,28 Dollar braucht Volumen, sonst droht ein Rückfall auf 0,26 Dollar.
Bitcoin notiert bei 85.219 Dollar, 1,5 Prozent unter dem Vortag und seit Wochen in der Spanne zwischen 84.000 und 87.000 Dollar gefangen. Die Makrolage hilft: Nach dem schwachen US-Arbeitsmarktbericht mit nur 29.000 neuen Stellen fiel die Wahrscheinlichkeit einer Fed-Zinserhöhung im Oktober auf unter 20 Prozent, zuvor lag sie bei rund 70 Prozent.
Die ETF-Zuflüsse schwächeln aber: 241 Millionen Dollar in der Vorwoche nach 2,4 Milliarden zwei Wochen zuvor. Eine Belastung bleibt bis Monatsende: Zwei Mt.-Gox-Adressen halten vor der Treuhänder-Frist am 31. Oktober noch 34.358 unbewegte Bitcoin. Oberhalb von 87.000 Dollar liegt das Ausbruchsziel bei 93.000 bis 94.500 Dollar, die zentrale Unterstützung bei 77.000 Dollar.
Marschroute
Der Tag gehört der Rüstung, und die Marken sind klar gezogen. Rheinmetall: 946,60 Euro ist die Linie, oberhalb bleibt das Ziel 1.122 Euro. Hensoldt: Über 84 Euro läuft der Ausbruch weiter. SGL Carbon: Indexaufnahme morgen, 5 Euro im Blick.
Aixtron: 37,26 Euro als Stop-Marke, 44 Euro als Ziel, ASML am 14. Oktober als Auslöser. Cardano: Nur über 0,28 Dollar mit Volumen nachkaufen. Bitcoin: 87.000 Dollar entscheidet. Termine: Dienstag deutsche Auftragseingänge, Mittwoch Industrieproduktion und um 20 Uhr das Fed-Protokoll.
Gute Trades,
Ihr Andreas Sommer
Stand heute, 5. Oktober: Rheinmetall – Kaufen, halten oder verkaufen?
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