Hermès wird trotz schwächerer Nachfrage weiterhin mit einem deutlichen Bewertungsaufschlag gehandelt. Medienberichten zufolge liegt das Verhältnis zum erwarteten Gewinn bei etwa 27, verglichen mit rund 16 bei LVMH. Die heute veröffentlichten Berichte über rückläufige Verkäufe in China machen deutlich: Für diesen Aufschlag braucht Hermès einen überzeugenden Wachstumsvorsprung.

Die niedrigere Bewertung allein liefert deshalb noch kein eindeutiges Kaufsignal. Entscheidend ist, ob Hermès seine Sonderstellung beim Wachstum behaupten kann. Genau daran äußern Analysten inzwischen Zweifel.

Chinas Schwäche trifft auch wohlhabende Käufer

Laut Bloomberg gingen die Verkäufe von Hermès in Festlandchina im August und September gegenüber dem Vorjahr teils zweistellig zurück. Die genauen Rückgänge je Marke wurden nicht veröffentlicht. Damit betrifft die Kaufzurückhaltung auch ein Unternehmen, dessen Lederwarengeschäft zuletzt weiter zulegen konnte.

Die Schwäche beschränkt sich nicht auf Hermès. Bloomberg zufolge verzeichneten die führenden Luxusmarken in China in beiden Monaten ebenfalls zweistellige Rückgänge. Auch die Golden Week Anfang Oktober brachte trotz höherer Reiseausgaben keine Belebung der Luxusausgaben.

Für Hermès hat diese Entwicklung erhebliches Gewicht: Asien-Pazifik ohne Japan stand in den ersten neun Monaten 2026 für rund 42 Prozent des Konzernumsatzes. Die regionale Bedeutung macht eine anhaltende Kaufzurückhaltung dort zu einem wesentlichen Risiko für die Wachstumserwartungen.

Einige Branchenmanager befürchten, dass die Flaute bis 2027 anhalten könnte. Das ist keine bestätigte Prognose für Hermès. Es verdeutlicht aber, warum Anleger eine rasche Normalisierung der Nachfrage nicht selbstverständlich voraussetzen sollten.

Ausbau braucht entsprechende Nachfrage

Berenberg hat Hermès heute von „Kaufen“ auf „Halten“ herabgestuft. Das Kursziel sank von 1.850 Euro auf 1.230 Euro. Nach Einschätzung des Hauses hat Hermès in wichtigen Regionen seinen Wachstumsvorsprung gegenüber LVMH verloren.

Die Analystenkritik zielt damit auf die Begründung der Bewertungsprämie. Wenn der Abstand beim Wachstum schwindet, wird ein höheres Gewinnvielfaches anspruchsvoller zu rechtfertigen. Ein bloßer Verweis auf frühere Höchstbewertungen reicht dafür nicht.

Hermès hält zugleich an seinem Ausbau fest. Das Unternehmen plant, die Gesamtproduktion in den kommenden Jahren um rund 6 Prozent zu steigern. Daneben eröffnete es eine Boutique im belgischen Knokke als Teil seiner europäischen Entwicklung.

Diese Schritte stehen für einen langfristigen Kurs, sind aber noch kein Beleg für eine kurzfristige Nachfragewende. Für Anleger liegt der entscheidende Prüfstein deshalb im Zusammenspiel von zusätzlichem Angebot und tatsächlichen Käufen: Der Ausbau muss sich in Wachstum übersetzen, das den Bewertungsaufschlag trägt.