Am Montag schien der deutsche Aktienmarkt zu schlafen, doch unter der ruhigen Oberfläche liefen die Werte weit auseinander. Ein Reifenhersteller bekam Rückenwind von einer Großbank, ein Agrarkonzern kämpfte mit alten juristischen Altlasten. Ein Blick auf die sechs auffälligsten Titel zeigt, was den Markt gerade antreibt.

Index auf der Stelle, Einzelwerte in Bewegung

Nach den deutlichen Gewinnen zum Wochenschluss kam der DAX kaum voran. Er schloss mit einem Plus von 0,09 Prozent bei 25.254,21 Punkten. Das Rekordhoch von Ende August bei 26.618 Punkten bleibt ein gutes Stück entfernt.

Die Anleger blieben vorsichtig. Hohe Ölpreise und gestiegene Anleiherenditen in einigen europäischen Ländern, etwa Frankreich, dämpfen die Kauflaune. Dazu kommt die politische Unsicherheit in Deutschland, Frankreich und Spanien.

Zuletzt erholte sich der Index vom Donnerstagstief, dem niedrigsten Stand seit Ende Juli. Geholfen hat ein schwächer als erwartet ausgefallener US-Arbeitsmarktbericht, der Inflations- und Zinssorgen etwas milderte. Am Montag stützte außerdem das milliardenschwere Übernahmeangebot von Schneider Electric für den US-Softwarekonzern PTC die Software-Papiere.

Gewinner im Überblick

AssetKursVeränderungSektor
Rheinmetall978,70 EUR+2,0 %Industrie
Fresenius Medical Care40,36 EUR+1,9 %Gesundheit
Continental69,42 EUR+1,9 %Zyklischer Konsum

Rheinmetall: Gegenbewegung ohne Auslöser

Rheinmetall führt die Gewinnerliste an. Die Aktie steigt um 2,0 Prozent auf 978,70 Euro und macht damit einen Teil der jüngsten Verluste wett. Eine konkrete Unternehmensmeldung steckt nicht dahinter, die Bewegung wirkt wie eine technische Gegenreaktion. Nach einem Rücksetzer greifen Anleger gern zu.

Von einer Trendwende ist das weit entfernt. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von 37 Prozent zu Buche, und der Kurs notiert deutlich unter seinen Durchschnittslinien. Ein guter Tag reißt dieses Loch nicht zu.

Aufmerksamkeit zieht zudem die Nachrichtenlage rund um die Ukraine. Eine Schlagzeile des Tages lautet, Kanzler Merz bringe Milliarden-Deals aus Kiew mit, aber ohne Rheinmetall. Die Details sind offen. Sie zeigen aber, wie genau der Markt die Auftragslage des Rüstungskonzerns beobachtet.

Fresenius Medical Care: Defensiver Wert gefragt

Fresenius Medical Care legt 1,9 Prozent auf 40,36 Euro zu. Konkrete Unternehmensnachrichten gibt es nicht. Die Aktie zählte aber zeitweise zu den Top-Werten im Index, gemeinsam mit SAP, Continental und GEA.

Der Grund liegt auch im Marktumfeld. Wenn Ölpreis und Anleiherenditen die Stimmung drücken, suchen Anleger Schutz in Branchen, die kaum von der Konjunktur abhängen. Dialyseleistungen gehören dazu, die Nachfrage schwankt wenig.

Als neuer Trend taugt der Anstieg trotzdem nicht. Auf Zwölfmonatssicht steht die Aktie noch 12 Prozent im Minus, auf Monatssicht bewegt sie sich seitwärts. Für eine Neubewertung braucht es frische Impulse. Der nächste Anlass dürften die kommenden Quartalszahlen sein.

Continental: Morgan Stanley liefert den Anstoß

Bei Continental ist der Auslöser klar benannt. Morgan Stanley stuft die Aktie von Equal-weight auf Overweight hoch und hebt das Kursziel von 62 auf 78 Euro an. Die Bank erwartet Margenausweitungen im US-Geschäft. Der Kurs steigt um 1,9 Prozent auf 69,42 Euro.

Die Hochstufung kommt nicht aus dem Nichts. Der Pre-Close-Call des Konzerns vom Abend des 30. September hatte die Stimmung bereits aufgehellt. Ein Citigroup-Analyst sah für das dritte Quartal erneut Rückenwind durch Ultra-High-Performance-Reifen und die Nachfrage nach Nutzfahrzeugreifen in den USA. Ein UBS-Analyst hält sogar eine Anhebung der Jahresziele für möglich. UBS führt die Aktie mit Buy und einem Kursziel von 90 Euro.

Der Anstieg stützt sich also auf mehrere Stimmen und nicht auf einen Einzelimpuls. Das macht ihn belastbarer als manche Erholung anderswo. Abhängig bleibt die Aktie von der Konjunktur, vor allem von der Nachfrage in den USA. Die Quartalszahlen zeigen, ob die hohen Erwartungen berechtigt sind.

Verlierer im Überblick

AssetKursVeränderungSektor
Bayer43,92 EUR-2,4 %Gesundheit
Scout2467,80 EUR-2,0 %Kommunikation
Infineon63,57 EUR-1,6 %Technologie

Bayer: Glyphosat-Sorgen drücken weiter

Bayer ist der schwächste Wert der Liste. Die Aktie verliert 2,4 Prozent auf 43,92 Euro. Binnen einer Woche summiert sich das Minus auf 13 Prozent. Verantwortlich sind wieder aufgeflammte Sorgen rund um Glyphosat.

In den USA wartet der Konzern weiter auf die gerichtliche Genehmigung seines Sammelvergleichs über 7,25 Milliarden US-Dollar. Damit will Bayer einen großen Teil der Glyphosat-Klagen beenden. Solange die Zustimmung fehlt, bleibt die Unsicherheit am Kurs hängen.

Auch eine Investitionsmeldung konnte die Stimmung nicht drehen. Bayer will 2,2 Milliarden US-Dollar in eine neue Pharmafabrik in New Albany, Ohio, stecken. Am Kursbild änderte das wenig.

Zur Einordnung hilft der Blick auf das Jahr: Auf Zwölfmonatssicht liegt die Aktie noch immer 55 Prozent im Plus. Das Risiko bleibt dennoch hoch, denn die Rechtslage in den USA und die Haltung der EU zu Glyphosat können den Kurs jederzeit bewegen. Aktuell reagiert er stärker auf Rechtsnachrichten als auf operative Meldungen.

Scout24: KI-Debatte als Dauerbelastung

Scout24 gibt 2,0 Prozent auf 67,80 Euro nach. Eine neue Unternehmensmeldung gab es nicht. Im Hintergrund läuft die Debatte über den Einfluss von KI. Bereits am 24. September hatten Stimmen zu möglichen Folgen von KI-Agenten für Kleinanzeigenanbieter die Aktie belastet. Im Kern geht es um die Sorge, solche Agenten könnten das klassische Anzeigengeschäft aushöhlen.

Unter Analysten überwiegt trotzdem die Zuversicht. Sieben von ihnen raten zum Kauf. Goldman Sachs hob das Kursziel von 107 auf 108 Euro an und beließ die Einstufung auf Buy. Berenberg bleibt bei Buy mit einem Kursziel von 140 Euro.

Die Aktie steht damit zwischen zwei Lagern. Die Bewertung der Analysten liegt deutlich über dem Kurs, der Markt preist aber ein mögliches Strukturrisiko ein. Seit Jahresbeginn beträgt das Minus 21 Prozent. Das Problem liegt weniger im laufenden Geschäft als in der Frage, ob KI-Agenten die Rolle von Immobilienportalen schmälern. Solange sie offen bleibt, schwankt die Aktie selbst bei guten Zahlen.

Infineon: Atempause nach dem Freitagssprung

Infineon verliert 1,6 Prozent auf 63,57 Euro. Der Rückgang folgt auf einen kräftigen Freitag, an dem der Chipwert die DAX-Gewinner mit einem Kurssprung von fast neun Prozent anführte. Das Minus ist daher vor allem eine Atempause. Neue negative Nachrichten gibt es nicht.

Die Treiber der Rally bleiben intakt. Die Werkseröffnung in Thailand, die Kooperation mit Eaton und starke Zahlen von Micron schoben die Aktie an. Jefferies bestätigte zudem das Votum Buy und das Kursziel von 96 Euro. Auf Wochensicht steht ein Plus von 11 Prozent, nach einer Bodenbildung im Bereich von 54 Euro.

Aus charttechnischer Sicht zählen zwei Marken. Die Aktie muss den Widerstand bei 65 Euro überwinden, um die 70 Euro anzugehen. Entscheidend ist aber, ob sie die Ausbruchszone um 61 Euro verteidigt. Nach einem so steilen Anstieg ist ein Rücksetzer normal. Die Schwankungen bleiben hoch, wie die vergangenen Wochen zeigen.

Was die Gewinner und Verlierer trennt

Der Tag liefert ein klares Muster. Wo handfeste Argumente vorliegen, halten sich die Kurse besser.

  • Continental: Hochstufung, Kurszielanhebung und mehrere positive Analystenstimmen tragen den Anstieg.
  • Rheinmetall und Fresenius Medical Care: Beide profitieren eher von Gegenbewegung und Defensivsuche als von eigenen Meldungen.
  • Bayer: Juristische Unsicherheit überlagert alle operativen Nachrichten.
  • Scout24: Ein Strukturthema, die KI-Debatte, bremst trotz guter Analystenstimmung.
  • Infineon: Gewinnmitnahmen nach einem Kurssprung, ohne dass der Rally-Treiber gebrochen wäre.

Zwischen 25.000 Punkten und Ölpreis: Was den DAX jetzt bewegt

Der Montag brachte dem Leitindex kaum Bewegung, bei den Einzelwerten aber deutliche Unterschiede. Die Marke von 25.000 Punkten bleibt im Fokus der Marktbeobachter. Je länger der DAX um sie pendelt, desto größer wird ihre Bedeutung.

Ölpreis, Anleiherenditen und die Politik in der Eurozone dürften die großen Treiber bleiben. Bei den Einzelwerten entscheiden Analystenurteile wie bei Continental und Rechtsfragen wie bei Bayer. Rheinmetall und Infineon zeigen, wie schnell sich die Stimmung drehen kann. Wichtig sind nun die nächsten Quartalszahlen, die klären, welche Erwartungen sich bestätigen.