Die Furcht vor einer unmittelbaren Eskalation im Nahen Osten weicht an den Rohstoffmärkten vorsichtigem Optimismus. Am Montag gaben die Ölpreise den vierten Handelstag in Folge nach. Der Grund für die Entspannung ist zweigeteilt: Signale für eine diplomatische Annäherung zwischen den USA und dem Iran treffen auf eine Erholung des Tankerverkehrs im Persischen Golf.
An den Terminmärkten fiel der Preis für die US-Sorte West Texas Intermediate mit Fälligkeit im Oktober auf 95,70 Dollar je Barrel. Das entspricht einem Tagesverlust von mehr als 4,5 Prozent. Die Nordseesorte Brent zur Lieferung im November verbilligte sich zeitgleich auf 101,15 Dollar.
Signale für Verhandlungen in New York
US-Präsident Donald Trump stellte am Rande der UN-Generalversammlung in New York ein Treffen mit dem iranischen Präsidenten Masoud Pezeshkian in Aussicht. Trump erklärte, er sei grundsätzlich dazu bereit und wäge derzeit militärische Schritte, wirtschaftlichen Druck oder ein Abkommen gegeneinander ab. Teheran wiederum ließ über Katar Bedingungen für ein mögliches Kriegsende nach Washington übermitteln.
Ganz gebannt ist das Risiko jedoch nicht. Die iranische Führung drohte mit harter Vergeltung bei neuen Angriffen. Am Samstag meldete Saudi-Arabien zudem den ersten Angriff der jemenitischen Huthi-Rebellen mit einer ballistischen Rakete auf Riad seit Beginn der aktuellen Kampfhandlungen.
Entlastung an der Straße von Hormus
Entscheidend für die Preiskorrektur ist vor allem die Lage am wichtigsten maritimen Nadelöhr der Region. Der Energieverkehr durch die Straße von Hormus erreichte in den vergangenen zwei Wochen ein Sechsmonatshoch. US-Kräfte sicherten in den letzten Monaten die Ausfuhr von einer Milliarde Barrel Öl aus dem Persischen Golf ab.
Auch saudische Öllieferungen können die Passage wieder verstärkt passieren. Analysten gehen davon aus, dass der Markt von der Furcht vor schweren Lieferausfällen in eine Phase übergeht, in der das Schlimmste der Verknappung vorüber sein könnte. Wie tragfähig der jüngste Rücksetzer ist, entscheidet sich bei den anstehenden Treffen Trumps mit den Golfstaaten und dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping im Laufe dieser Woche.


